Kryptomining: Atomkraftwerk soll den immensen Strombedarf decken

In den USA soll eine Kryptominingfarm direkt an ein Kernkraftwerk angegliedert werden, um dem Ruf nach "grüner" Energie nachzukommen.

von Alexander Köpf,
14.07.2021 08:02 Uhr

Zusammenfassung der Ereignisse: Am Anfang war der Bitcoin, dann kamen etliche andere Kryptowährungen und Miner. Dann explodierten die Preise für Grafikkarten und der Stromverbrauch für das Schürfen von Coins stieg massiv an. Mittlerweile ist bei dem immensen Energiebedarf die Rede vom Äquivalent eines Landes der Größe Österreichs.

Zwischenzeitlich wurde sogar von wieder in Betrieb genommenen Kohle- respektive in Gaskraftwerke umgebaute Kohlenstoffdioxidschleudern berichtet. Ein ganzer See soll dadurch sogar so stark erhitzt worden sein, dass die Anwohner ihn mit einem Whirlpool vergleichen:

Umweltgefahr durch Bitcoin   102     2

Mehr zum Thema

Umweltgefahr durch Bitcoin

Nun soll der Energieverbrauch unter anderem auch durch ein Atomkraftwerk gedeckt werden.

300 Megawatt für Mining und Datacenter

Im Ostküstenstaat Pennsylvania soll nämlich eine Kryptomining-Farm direkt an ein Atomkraftwerk angegliedert werden, wie Datacenter Dynamics berichtet. Konkret heißt es in der Meldung, das US-Energieunternehmen Talen Energy plane die Entwicklung einer nuklear betriebenen Kryptomining-Anlage und eines Datacenters neben einem Kernkraftwerk, das bis zu 300 Megawatt liefern könne.

Das Projekt hört demnach auf den Namen »Susquehanna Hyperscale Campus« und soll im zweiten Quartal 2022 direkt neben der »Susquehanna Steam Electric Station« (SSES) in Betrieb genommen werden. Die zwei Blöcke des Atomkraftwerks ergeben Toms Hardware zufolge mit einer Leistung von 2.494 Megawatt (laut Wikipedia 2.514 MW) eine der größten Nuklearanlagen der Vereinigten Staaten.

Zum Vergleich: Die Bruttoleistung der größten deutschen Reaktorblöcke liegt bei knapp 1.500 Megawatt (Isar 2: 1.485 MW, Brokdorf: 1.480 MW). Isar 1 und Isar 2 kombiniert kommen auf knapp 2.400 MW.

In der ersten Phase des Projekts sollen 164 Megawatt Leistung zur Verfügung stehen, final sollen es 300 MW sein. Für die Zukunft sei sogar denkbar, der Anlage (Kryptomining plus Datacenter) Kapazitäten in Höhe von einem Gigawatt bereitzustellen.

Warum geht das Unternehmen diesen Weg?

Das Unternehmen selbst hat sich gegenüber Datacenter Dynamics folgendermaßen geäußert:

"Mit dem steigenden Energiebedarf von Rechenzentren und der Verarbeitung von Kryptowährungen steigt auch der Ruf nach Dekarbonisierung dieser Energiequellen."

Bereits 2020 habe Talen Energy »Cumulus Data« begründet. Damit soll »in Möglichkeiten investiert werden, die durch die Konvergenz [Annäherung] von digitaler Infrastruktur und Energie entstehen.«

Was meint ihr? Ist die Nutzung eines Atomkraftwerks der richtige Weg? Schreibt es uns in die Kommentare.

zu den Kommentaren (198)

Kommentare(198)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.