Update vom 9. September 2026: Wir haben von LG eine Antwort erhalten und diese am Ende des Artikels unverändert eingefügt.
Spionieren euch eure LG-Fernseher aus? Laut dem Tech-YouTuber Gamers Nexus ist das der Fall. Er spricht in seinem Video von »216 Millionen Spy-TVs« und macht dem südkoreanischen Elektronikriesen schwere Vorwürfe.
Ihm zur Seite steht ein unabhängiges Team an IT-Security-Forscherinnen und -Forschern, mit deren Hilfe Gamers Nexus auf die Ergebnisse seines über zweistündigen Videos gekommen sein will.
Das Video selbst könnt ihr nachfolgend ansehen:
Das ist der konkrete Vorwurf an LG:
- Herkömmliche Fernseher von LG sollen per Mikrofon mithören. Die Geräte sollen laut des YouTubers wohl auch dann aufnehmen, wenn sie auf Standby stehen.
- Ist der Fernseher nicht ans Netzwerk angeschlossen, werden die Aufzeichnungen angeblich lokal gespeichert und bei einer bestehenden Netzwerkverbindung an LG Ad Solutions übertragen.
- Darüber hinaus sollen Smart-TVs im Netzwerk selbiges nach anderen Geräten absuchen – auch Smartphones und Smartwatches (Notebookcheck berichtete).
- Neben der eigenen internen IP-Adresse speichert der TV Informationen zu anderen, sich im Netzwerk befindlichen Geräten. Darunter unter anderem Namen, Ortsdaten und Signalstärken.
Gamers Nexus vermutet, dass die Daten an LG Ad Solutions gesendet werden, die für die Vermarktung zielgerichteter Werbung verantwortlich sind.
Was wir wissen, ist, dass auf LG Smart-TVs eine ACR (Automated Content Recognition) läuft. Betrachtet das wie eine Art digitalen Fingerabdruck eures Fernsehers. ACR liest aus, was ihr gerade laufen habt.
- Das geschieht über Video und Ton.
- ACR arbeitet über den Fernseher hinweg.
- Es liest aus, welche App ihr nutzt.
- Via Anschlüssen wie HDMI erkennt es, auf welcher Konsole ihr spielt.
- ACR sieht den Inhalt eures Handys, wenn ihr dessen Inhalt mit dem TV spiegelt.
ACR lässt sich allerdings ausschalten.
- Navigiert zu Einstellungen.
- Sucht den Unterpunkt System.
- Scrollt zu Erweiterte Einstellungen.
- Deaktiviert die Funktion namens »Live Plus«.
Laut der bereits genannten IT-Sicherheitsexperten gibt es gleich mehrere Schlupflöcher im Betriebssystem webOS. Um Besitzerinnen und Besitzer von LG-Fernsehern zu schützen, werden die Lücken im Video nicht im Detail genannt. Die Forscherinnen und Forscher empfehlen jedoch, die Fernseher offline zu nehmen oder auf Streaming-Geräte zurückzugreifen.
Bereits vor sechs Wochen hatte Games Nexus Vorwürfe gegen LG erhoben. Dabei ging es vornehmlich um LG-Monitore, die über Windows-Updates im Hintergrund ungefragt Software herunterluden, die ihrerseits wiederum Werbung für McAfee einblendeten. Mit den Pop-ups hat LG mittlerweile per Update aufgeräumt.
Das sagt LG zu den Vorwürfen durchs Gamers Nexus:
»Wir nehmen die Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre unserer Nutzerinnen und Nutzer sehr ernst und möchten gerne transparent erklären, wie unsere Smart-TVs funktionieren.
Entgegen der im Video geäußerten Vermutungen zeichnen LG-Fernseher keine Umgebungsgespräche auf – weder im laufenden Betrieb noch im Standby-Modus. Sprachdaten werden ausschließlich in zwei spezifischen Fällen verarbeitet: Entweder, wenn die Mikrofon-Taste auf der Fernbedienung gedrückt und gehalten wird, oder wenn ein Aktivierungswort wie ›Hi LG‹ erkannt wird. Letzteres setzt voraus, dass die Fernfeld-Spracherkennung von den Nutzenden zuvor explizit aktiviert wurde. Die Audioverarbeitung zur Erkennung dieses Aktivierungswortes findet rein lokal auf dem Gerät statt. Wird das Wort nicht erkannt, werden die Audiodaten sofort gelöscht; es werden in diesem Fall keine Sprachdaten an unsere Server übertragen.
Zu dem Punkt der Netzwerksuche: Um smarte Funktionen wie das nahtlose Verbinden mit anderen Geräten (beispielsweise für Screen-Mirroring vom Smartphone) zu ermöglichen, suchen LG-TVs im selben lokalen Netzwerk nach kompatiblen Geräten. Dies ist eine branchenübliche Funktion bei Smart-Home-Geräten, die rein der Nutzerfreundlichkeit dient.
Auch die Funktion zur automatischen Inhaltserkennung (ACR) wird strikt auf Opt-in-Basis angeboten. Sie dient dazu, personalisierte Inhaltsempfehlungen und Dienste bereitzustellen. Stimmen Nutzerinnen und Nutzer den entsprechenden optionalen Nutzungsbedingungen nicht ausdrücklich zu, werden keine ACR-Daten für Werbezwecke verwendet.«







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