Michelin baut schwer zerstörbare Reifen ohne Luft – doch es gibt einen Haken: Ihr könnt sie nicht für euer Auto kaufen

Obwohl schon lange an der Technik gearbeitet wird, ist sie für Privatpersonen bislang aus guten Gründen nicht verfügbar.

Eine interessante Reifentechnik, die bislang aber nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll einsetzbar ist. (Bild: Jeuxvideo.com) Eine interessante Reifentechnik, die bislang aber nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll einsetzbar ist. (Bild: Jeuxvideo.com)

Es ist ein alter Traum aller Autofahrenden: Nie wieder den Reifendruck prüfen müssen und keine Angst mehr vor einer Reifenpanne mitten auf der Landstraße haben.

Seit langer Zeit arbeitet Michelin mit Hochdruck an Reifen aus nachhaltigen Materialien, die komplett ohne Luft auskommen und dennoch die Fahreigenschaften eines herkömmlichen Modells bieten sollen.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Exklusive Offroad-Nutzung: Die Einführung von luftlosen Reifen beschränkt sich derzeit auf den Industrie- und Militärsektor, um das Risiko von Ausfallzeiten durch Reifenpannen auf unwegsamem Gelände zu eliminieren
  • Technologische Hürden für den Massenmarkt: Das Fehlen von Druckluft führt bei hohen Geschwindigkeiten zu starker Geräuschentwicklung und schlechter Wärmeableitung, was den sofortigen Einsatz bei normalen Pkw verhindert.

Schon seit über zehn Jahren tragen diese Jahre der Forschung kommerzielle Früchte mit dem Tweel, dem ersten luftlosen Rad von Michelin, das 2012 auf den Markt gekommen ist.

Der Haken an der Sache? Es ist nur für ganz bestimmte Fahrzeuge gedacht. Erwartet also erst einmal nicht, euer Auto damit auszurüsten.

Dieser Artikel stammt im Original von unserer französischen Schwesterseite Jeuxvideo und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.


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Der Tweel: Eine technische Meisterleistung fürs grobe Gelände

Der Tweel ist ausschließlich für Arbeitsmaschinen und Spezialfahrzeuge gedacht: professionelle Rasenmäher, Kompaktlader, geländegängige Landmaschinen, Golfcarts oder auch Militärfahrzeuge.

Strukturell basiert der Tweel auf zwei verschiedenen Elementen:

  • Die Lauffläche (von Michelin als Scherträger bezeichnet): Sie steht in direktem Kontakt mit dem Boden und fängt einen Teil der Unebenheiten der Strecke ab.
  • Die interne Radialstruktur: Sie besteht aus flexiblen Kunststoffspeichen, die mit der Radmitte verbunden sind.

Dank der Flexibilität dieser Speichen verformt sich der Reifen über Hindernissen oder Unebenheiten, ohne Schaden zu nehmen. Sobald die Belastung nachlässt, sorgt das Formgedächtnis des Materials dafür, dass der Reifen wieder in seine ursprüngliche Kreisform zurückkehrt.

Das Ziel von Michelin ist klar: Fahrzeuge auszustatten, die abseits des Asphalts auf unwegsamem oder hindernisreichem Gelände unterwegs sind, ohne dass das Risiko eines Stillstands durch eine Reifenpanne droht.

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Eine Technologie wie geschaffen fürs Militär

Gerade im militärischen Bereich ergibt diese Innovation absolut Sinn. Neben der Fähigkeit, komplexe Hindernisse zu überwinden, ändert das Fehlen eines Luftschlauchs alles: Es ist schlicht unmöglich, ein gepanzertes Fahrzeug durch Schüsse in die Reifen fahrunfähig zu machen.

Dieses Potenzial stößt bei den Streitkräften auf großes Interesse. Das Combat Capabilities Development Command Ground Vehicle Systems Center, ein Forschungsprogramm des US-Verteidigungsministeriums, untersucht die Technologie derzeit genau.

Auch andere Branchenriesen wie Bridgestone und Hankook forschen seit mehreren Jahren in diesem Bereich.

Dass die speziellen Reifen nicht für den Einsatz bei hohen Geschwindigkeiten gedacht sind, stellt eine große Hürde dar. (Bild: Jeuxvideo.com) Dass die speziellen Reifen nicht für den Einsatz bei hohen Geschwindigkeiten gedacht sind, stellt eine große Hürde dar. (Bild: Jeuxvideo.com)

Warum müssen unsere normalen Autos noch warten?

Auch wenn die Technologie bei Baumaschinen oder Militärfahrzeugen hervorragend funktioniert: Die Anpassung an normale Pkw für den Alltag stellt die Ingenieurinnen und Ingenieure immer noch vor Probleme.

Im Jahr 2019 präsentierte Michelin den Uptis, den Prototyp eines luftlosen Reifens für leichte Pkw. Obwohl die Tests weitergehen, konnte die eigentlich 2024 geplante Markteinführung für unsere Autos bislang nicht umgesetzt werden, und das aus zwei Hauptgründen:

  • Komfort und Geräuschpegel im Innenraum: Komprimierte Luft spielt eine fundamentale Rolle bei der Dämpfung von feinsten Unebenheiten auf dem Asphalt. Ohne sie würden die Vibrationen direkt an die Aufhängung und das Fahrwerk weitergegeben, was zu einer Geräuschentwicklung und einem unkomfortablen Fahrgefühl führen würde, die nach heutigen Standards inakzeptabel sind.
  • Wärmeableitung bei hohen Geschwindigkeiten: Die Reibung, die entsteht, wenn ein Reifen bei hoher Geschwindigkeit rollt, erzeugt enorme Hitze. Die in den luftlosen Strukturen verwendeten Verbundmaterialien haben nach wie vor Schwierigkeiten, diesen thermischen Belastungen auf Dauer standzuhalten.

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Aus diesem Grund bleiben diese Reifen der neuen Art vorerst Fahrzeugen vorbehalten, die sich mit mäßigem Tempo fortbewegen.

Die Revolution des luftlosen Reifens für Endverbraucher ist zwar im Gange, aber ihr müsst euch noch etwas gedulden, bis ihr den Wagenheber endgültig im Keller verstauben lassen könnt.


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