Nach Crucial-Ende: Micron-Vize sagt, dass ihr die Speicherkrise falsch versteht

Microns Marketing-Vize Christopher Moore wehrt sich gegen die Kritik nach dem Crucial-Ende. Die Schuld liegt ihm zufolge nicht bei den Herstellern, sondern an einem Branchenproblem, das wir schlicht missverstehen.

Micron verabschiedet sich mit Crucial aus dem Consumer-Markt – und erklärt Kunden jetzt, dass man »Verbrauchern auf der ganzen Welt« helfen möchte. Micron verabschiedet sich mit Crucial aus dem Consumer-Markt – und erklärt Kunden jetzt, dass man »Verbrauchern auf der ganzen Welt« helfen möchte.

Kurz vor Jahresschluss forderten die gestiegenen Preise für Speicherchips ihren ersten Tribut: Die populäre RAM-Marke Crucial ist Geschichte, der Mutterkonzern Micron zieht sich komplett aus dem Endkundenmarkt zurück. Für den durchschnittlichen PC-Spieler ist das eine (weitere) schlechte Nachricht, sodass Micron schnell lautstarke Kritik in sozialen Medien einstecken musste.

Christopher Moore, der als Vizepräsident für Marketing im Mobile- und Client-Business bei Micron arbeitet, hat sich in diesem Kontext nun zu Wort gemeldet. So gebe es nach Ansicht der Führungsperson hier eine »Fehlinterpretation«, die wenig überraschend nicht bei Micron selbst liege.

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»Wir helfen Verbrauchern auf der ganzen Welt«

Das Portal Wccftech konnte sich ein exklusives Gespräch mit dem Micron-Vize sichern und fragte gleich einmal nach, ob Speicherhersteller eine grundsätzliche Neigung haben, den KI-Sektor zu bedienen und den Endkundenmarkt hinter sich zu lassen.

Moores Antwort: »Unsere Sicht ist, dass wir versuchen, Verbrauchern auf der ganzen Welt zu helfen. Wir tun das nur über andere Kanäle.« Während Endnutzer Micron also für den Strategiewechsel kritisieren, sieht sich der Hersteller also eher als eine Art Opfer von Marktdynamiken, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.

  • Das Kernproblem lässt sich laut Moore schnell zusammenfassen: Der gesamte adressierbare Markt (TAM) im Datenzentren-Segment wächst »absolut enorm«. Dieser Boom wird durch KI-Nachfrage angetrieben.
  • Das stellt ein simples Dilemma dar: Jeder Wafer, der für KI-Speicher in Rechenzentren produziert wird, steht dem Consumer-Markt nicht zur Verfügung. Und da Micron nur endliche Produktionskapazitäten hat, »mussten Entscheidungen getroffen werden«.

Das ist nicht ein Micron-Problem, es ist ein Branchenproblem. Wir und unsere Konkurrenten hetzen alle her, um diese Segmente so gut wie möglich zu beliefern. Es gibt einfach nicht genug Angebot, um alle zufriedenzustellen.

Christopher Moore via Wccftech


Der Gipfel der Ironie

Jusuf Hatic: Vielleicht hab ich's (trotz verlängertem Urlaub!) langsam satt, gefühlt täglich eine neue Hiobsbotschaft zur Speicherkrise zu melden, aber die Aussagen des Micron-Vizes sind mir ein besonderes Dorn im Auge.

Moore sagt, Micron helfe Konsumenten – nur eben »über andere Kanäle«. Im Klartext: OEM-Lieferungen an Dell, HP und Lenovo. Praktisch gesehen stimmt das (noch) – Fertig-PCs haben immer noch ordentliche Mengen an RAM. Aber für uns als Eigenbauer, die sich ihr Upgrade selbst zusammenbauen, ist das ein schwacher Trost.

Moore versucht auch zu betonen, dass Micron nicht »schuld« ist – die Branche sei schuld. Irgendwo stimmt das auch, aber es bleibt bei einem klassischen Nullsummen-Spiel: Wenn jeder Hersteller dieselbe Logik anwendet und sich auf gewinnbringendere Segmente konzentriert, ist der Consumer-Markt leer, egal wie oft man erklärt, dass man »helfen« will.

Ein Kommentar im PCMR-Subreddit von »Mal_Dun« zu diesen Aussagen fasst es für mich eigentlich gut zusammen: Moore erklärt uns, dass wir etwas missverstehen – gefolgt von einer ellenlangen Erklärung, dass wir die Lage sehr wohl verstanden haben: Gemäß den Marktgesetzen sind wir PC-Spieler Micron grad einfach egal.

Micron selbst treibt indes einige Zukunftspläne voran. Das Unternehmen kündigte unter anderem an, eine neue Fabrik in New York zu bauen, die größte Halbleiter-Produktionsstätte der USA werden und 2027 in Betrieb gehen soll. Ob damit aber eine Entspannung für den PC-Markt in Sichtweite ist, vermochte Moore im Wcchftech-Interview nicht zu beantworten.

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