Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Dieses alte Sprichwort hat das Unternehmen Skyfi mit einem Satellitenfoto untermauert, das in der chilenischen Atacama-Wüste aufgenommen wurde.
Das Auffällige an der Aufnahme: Sie zeigt weit mehr als nur die endlosen Weiten aus brauner, ausgetrockneter Erde, die man in dieser Region erwarten würde. Die Kamera hat ein Mosaik eingefangen, das eine riesige Mülldeponie für ausrangierte Kleidung offenbart, die dort seit Jahren unaufhaltsam wächst.
Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.
Ein Müllberg, der aus dem All ins Auge sticht
Seine Existenz ist im Grunde keine Neuigkeit. Wir haben bereits in der Vergangenheit darüber berichtet, wie sich die Atacama-Wüste in eine gigantische Müllkippe für Altkleider verwandelt – ein monumentaler Beweis für die fatalen Auswirkungen einer extrem beschleunigten Modeindustrie. Neu ist jedoch der Beleg, dass dieser Müllberg solche Ausmaße angenommen hat, dass er problemlos von Satelliten erfasst werden kann.
Was zeigt das Foto im Detail? Ein massives Problem. Das Bild wurde von Skyfi veröffentlicht, einem Unternehmen aus Texas, das über seine App Earth Observation hochauflösende Satellitenbilder auf Abruf anbietet.
Nachdem die Koordinaten der Deponie in der Atacama-Wüste über den eigenen Discord-Kanal ermittelt wurden, lokalisierten die Fachkräfte von Skyfi das Areal und fotografierten es mithilfe eines Satelliten in einer hohen Auflösung (VHR).
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Wie kommt die Kleidung dorthin?
Die Nachrichtenagentur AFP hat das Problem bereits 2021 auf den Punkt gebracht: Jedes Jahr landen im Hafen von Iquique in der Nähe von Alto Hospicio im Norden Chiles rund 59.000 Tonnen Kleidung, die aus anderen Märkten aussortiert wurden.
Ein Großteil wird in China oder Bangladesch hergestellt und reist über Europa, Asien oder die USA, bevor er schließlich in Chile strandet. Dabei handelt es sich sowohl um Second-Hand-Ware als auch um fabrikneue Kleidung, die schlicht nie verkauft wurde.
Laut AFP landet ein Teil dieser Ware bei Händlern in der Hauptstadt Santiago de Chile, während ein anderer Teil in Nachbarländer geschmuggelt wird. Ein riesiger Batzen – etwa 39.000 Tonnen – wandert jedoch direkt auf die illegalen Deponien in der Wüste.
National Geographic beschreibt einen ähnlichen Kreislauf: In Iquique wird die Kleidung nach Qualität sortiert, um sie anschließend nach Panama, in die Dominikanische Republik, nach Asien, Afrika oder sogar zurück in die USA zu exportieren. Was übrig bleibt, landet auf lokalen Märkten wie La Quebradilla. Findet sich auch dort kein Abnehmer, wird die Ware einfach in der Wüste entsorgt.
Wie dramatisch ist die Lage vor Ort? »Diese Kleidung kommt aus aller Welt«, erklärte Alex Carreño, ein ehemaliger Mitarbeiter des Importbereichs im Hafen, gegenüber AFP.
Schätzungen, die auch von der BBC geteilt werden, bestätigen das Problem: Mehr als die Hälfte der jährlich eintreffenden 59.000 Tonnen Kleidung endet auf wilden Müllkippen. Dank der steuerlichen Vorteile in der Freihandelszone von Iquique ist der Zustrom von Textilimporten in den letzten Jahren extrem hoch geblieben.
Warum wird die Kleidung nicht recycelt oder regulär deponiert?
Weil diese Textilien eine enorme ökologische Belastung und ein riesiges Problem für die Abfallwirtschaft darstellen.
»Kleidung ist biologisch nicht abbaubar und enthält giftige Chemikalien, weshalb sie auf kommunalen Mülldeponien nicht angenommen wird«, erklärt Franklin Zepeda.
Zepeda hat das Unternehmen EcoFibra gegründet, das aus den weggeworfenen Textilien immerhin Wärmedämmplatten herstellt. Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Bei Untersuchungen der chilenischen Behörden stellte sich heraus, dass neben den Bergen an Textilien bei Alto Hospicio auch jede Menge anderer Müll wie Autoreifen, Fahrzeugteile und Elektroschrott illegal entsorgt wird.
Die Situation ist so besorgniserregend, dass sie nicht nur aus dem All sichtbar ist, sondern auch zu formellen Klagen wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht gegen die lokalen Behörden geführt hat.
Ist das ein exklusives Problem der Atacama-Wüste?
Leider nein. Auch außerhalb der ghanaischen Hauptstadt Accra ist eine gigantische Müllhalde entstanden, die sich hauptsächlich aus weggeworfenen Textilien speist. Die Folgen von Fast Fashion und ungebremstem Konsum sind so gravierend, dass Fachleute der Vereinten Nationen bereits vor Jahren warnten:
»Die Modeindustrie stellt einen ökologischen und sozialen Notstand dar.«
Nach Berechnungen der UN aus dem Jahr 2018 ist die Textilindustrie einer der Hauptverursacher von Mikroplastik in den Weltmeeren. Die Ökobilanz ist verheerend: Obwohl beispielsweise nur etwa drei Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Baumwollanbau genutzt werden, fallen auf diesen Sektor 24 Prozent aller Insektizide und fast elf Prozent der Pestizide.
Zwischen 2000 und 2014 hat sich die weltweite Bekleidungsproduktion verdoppelt. Gleichzeitig kauft die Kundschaft im Schnitt 60 Prozent mehr Kleidung als noch vor 15 Jahren, behält die einzelnen Stücke aber nur noch halb so lang.
Heute haben wir nicht mehr nur trockene Zahlen, um dieses Problem zu beschreiben. Wir haben unmissverständliche Bilder.



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