1946 sandte das US-Militär ein Signal zum Mond. Was 2,5 Sekunden später zurückkam, bewies, was einige Physiker für unmöglich gehalten hatten

Mit Projekt Diana eröffneten die USA ein bis heute andauerndes Rennen und bewiesen nebenbei, dass die Nutzung des Weltraums möglich ist.

Ein an sich kaum zu verfehlendes Ziel am Himmel, der Mond. Dennoch erschrak so mancher Physiker zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bei dem Gedanken, ein Signal zu ihm zu senden.
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI) Ein an sich kaum zu verfehlendes Ziel am Himmel, der Mond. Dennoch erschrak so mancher Physiker zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bei dem Gedanken, ein Signal zu ihm zu senden. (Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI)

Der Zweite Weltkrieg transformierte die Technik – und ließ uns zu den Sternen schauen: Auf etlichen Feldern hatte das Streben nach Zerstörung oder Schutz vor ebendieser zu massiven Fortschritten geführt. Ein damals gereiftes Trio dominiert bis heute die globale Abschreckung: Raketen, Radare und Atombomben.

Erstere transportieren letztere und die ikonischen Schüsseln und Antennen fahnden am Himmel nach allem, was sich dort mit düsterer Absicht bewegt. 

Bereits 1946 hoben die USA aus Angst vor den Nachfahren einer deutschen Erfindung ein bahnbrechendes Projekt aus der Taufe. Diana, sein Ziel: den Mond mit Energiestrahlen beschießen. Dem Ergebnis des auf den ersten Blick abstrusen Versuchs verdanken wir elementare Teile unserer heutigen Gesellschaft – und das moderne Militärwesen.

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2,5 Sekunden gefühlte Ewigkeit

Januar 1946, Fort Monmouth in New Jersey (Nordost-USA). Eine Gruppe Wissenschaftler bereitet ein SCR-271-Radargerät aus dem Zweiten Weltkrieg vor. Die Geschichte hätte diesen Ort vergessen – wären da nicht exakt 2,5 Sekunden, in denen eine Idee Premiere feierte und einen Beweis erbrachte.

Schließlich wollen die Techniker als erste Menschen der Welt testen, ob sich Raketen mit noch größerer Reichweite als die von Nazideutschland entwickelte V2, mittels Radar im Anflug theoretisch orten lassen. Jedoch müssen dafür elektromagnetische Signale von Ortungsanlagen, die Atmosphäre über Hunderte Kilometer hinweg problemlos durchdringen und reflektiert zurückkehren können.

Den Projektnamen leihen sich die Forscher von der römischen Mondgöttin Diana – wie passend. Denn als Testobjekt wählen sie den Mond. Er befindet sich bekanntermaßen jenseits der Atmosphäre – und sollte als festes Objekt Radarstrahlen zurückwerfen.

Ungeduldig warten sie am 10. Januar darauf, dass unser Trabant in das schmale Zielfenster eintritt. Dann ist es so weit: Um 11:58 Uhr Ortszeit setzen sie die Radarantenne unter Strom und schicken den Impuls auf die Reise.

Die Uhr beginnt zu ticken und 2,5 Sekunden später blinkt es auf ihren Bildschirmen. Der Mond reflektierte das Radarsignal, wie erwartet, sodass es zurück in New Jersey für Freudentaumel sorgt. Die Mathematik geht auf – selbst über die Distanz Erde–Mond–Erde (rund 768.000 Kilometer). Sie wiederholen die Messung in den folgenden Tagen mehrfach, um den Zufall oder Störsignale als Erklärung auszuschließen.

Gefürchtete atmosphärische Barriere

Dabei räumte manch ein Physiker auf Fort Monmouth dem Projekt Diana keine große Chance ein – ein Scheitern schien für sie ausgemachte Sache. Hatten frühere Anläufe mit älterer Technik doch vergeblich versucht, die heute als Ionosphäre bekannte Schicht in rund 60 bis 1.000 Kilometern Höhe zu durchstoßen.

Als komplett abwegig dürfen wir die Zweifel von einst auch heute nicht abtun. Denn die geladenen Teilchen stören elektromagnetische Signale durchaus, können sie aber bei ausreichender Signalstärke nicht aufhalten. Die Ionosphäre entsteht durch den Beschuss mit elektromagnetischer Strahlung vonseiten der Sonne.

Die Energie trifft auf Moleküle und entreißt ihnen Elektronen, wodurch sie zu Ionen werden. Diese sind elektrisch geladen und führen zu unterschiedlichen Effekten bei Funksignalen, sobald diese in ihre Nähe geraten.

Neuere Berechnungen legten im Winter 1945/46 vorab bereits nahe, dass das Radar in der Lage sein sollte, die Schicht zu durchqueren; unklar blieb nur bis zum letzten Moment, ob die Technik es in der Praxis wirklich leisten konnte.


Mehr Wissenswertes:


Heute gilt der frühe Nachkriegsversuch als Meilenstein der Forschung. Die IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) hat ihn 2019 hierzu offiziell erklärt. Project Diana bewies, dass künstlich erzeugte Signale die Ionosphäre durchdringen und wieder zur Erde zurückkehren können – Voraussetzung für jede heutige Funkkommunikation mit Satelliten, Raumsonden und Forschungsteleskopen wie James Webb. 

Natürlich dient das erlangte Wissen bis heute auch dem Militär. Interkontinentalraketen lassen sich mittels Radar orten und 80 Jahre später belauern sich die Atommächte der Erde noch immer – und all das begann an einem unscheinbaren Ort nahe der US-amerikanischen Ostküste unter dem wachsamen Auge der Mondgöttin Diana.


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