Wir brauchen nur eine kilometerlange Kanone, dann klappt es auch mit den Aliens: Dieser fast schon martialisch anmutende Satz beschreibt in Wahrheit eine faszinierende wissenschaftliche Vision – die irgendwann Realität werden könnte.
Vor Kurzem besprachen wir mit Professor Ralph Engel seine Arbeit im ewigen Eis auf der Spur eines Mysteriums: hochenergetische Teilchen, die vermeintlich aus dem Inneren der Erde kamen. Hier lest ihr über die faszinierende Schilderung einer Suche im Grenzbereich der Physik.
Professor Ralph Engel ist Physiker und Leiter des Instituts für Astroteilchenphysik (IAP) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Von 2017 bis 2023 war er wissenschaftlicher Sprecher der Pierre-Auger-Kollaboration, an der mehr als 400 Forschende aus 17 Ländern beteiligt sind. Sie war zentral daran beteiligt, dem Rätsel der Antarktis-Signale aus dem Erdinneren nachzuspüren.
Er berichtet auch von Gedankenexperimenten, wie aus heutiger Grundlagenforschung ein bahnbrechendes Werkzeug zur Völkerverständigung über dutzende Lichtjahre werden könnte.
Heute noch fast ungreifbar, morgen schon das Rückgrat galaktischer Kommunikation? Wir zeigen euch, welches Potenzial in Neutrinos steckt und wie sie unsere Zukunft verändern könnten
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Das sind unsere Botschafter für die Ewigkeit jenseits des Sonnensystems – mit an Bord Clyde Tombaugh
Neutrinos als Träger von Botschaften für Aliens
Professor Francis Halzen, Leiter des IceCube-Neutrino-Observatoriums, hat schon vor Jahren die Vermutung geäußert, dass Neutrinos die beste Möglichkeit bieten, über große Entfernungen in der Zukunft zu kommunizieren.
Ralph Engel
Aber was sind Neutrinos? Stellt euch Neutrinos als extrem leichte, ungeladene Geisterteilchen
vor. Sie entstehen als Nebenprodukt bei verschiedenen kosmischen Ereignissen. Allein unsere Sonne feuert jede Sekunde 60 bis 70 Milliarden davon auf uns ab – pro Quadratzentimeter.
Ihr wichtigstes Merkmal ist dabei ihre elektrische Neutralität: Wenn sie wenig Energie haben, rasen sie ungehindert durch ganze Planeten und Sterne hindurch. Je mehr Energie sich in einem Neutrino befindet, desto eher stößt es mit herkömmlichen Teilchen zusammen.
Diese extremen Eigenschaften eröffnen Möglichkeiten. Heute liegen diese noch weit außerhalb unserer Reichweite, doch in der Zukunft mag sich das ändern. Das Ziel wäre es, einen konstanten Strahl an Neutrinos ins Universum zum schicken – beispielsweise gerichtet auf einen entdeckten Exoplaneten, auf dem wir Leben vermuten. Was vor dieser Vermutung stehen könnte, lest ihr am Beispiel der potenziellen Supererde GJ 251c.
Praktisch würde eine solche Neutrinokanone laut Ralph Engel grob wie folgt aussehen:
- Die Sendeanlage: Herzstück ist ein Myonen-Beschleuniger oder Speicherring. Ziel ist die Erzeugung eines hochpräzisen, fokussierten Strahls an Neutrinos. Dieser lässt sich kontrolliert an- und abschalten.
- Die Teilchenquelle: Myonen – die schweren, instabilen Verwandten der Elektronen – dienen als ideale Neutrino-Lieferanten. Sie zerfallen von Natur aus und dabei entstehen die benötigten Neutrinos.
- Die Ausrichtung: Ein langer Kanal am Ende der Anlage bündelt die Teilchen und wird exakt auf bestimmte Zielpunkte am Sternenhimmel ausgerichtet.
- Die Botschaft: Durch rhythmisches An- und Abschalten des Strahls (ähnlich einem Morsecode) lassen sich Informationen kodieren, um Nachrichten an fremde Zivilisationen im All zu übermitteln.
Da wir relativ energiearme Neutrinos erzeugen, können sie den Kosmos nahezu verlustfrei durchqueren. Sie würden so gut wie nie mit irgendeinem anderen Teilchen wechselwirken, der Neutrino-Strom büßt demnach kaum an Intensität ein.
Das einzige Limit bleibt ihr Tempo knapp unterhalb der Lichtgeschwindigkeit; wir bräuchten also Geduld – mitunter Jahrzehnte, bis uns eine Antwort auf dem gleichen Wege erreicht.
Aber im Gegensatz zu Radiowellen, die überall im All blockiert werden können, könnten wir uns bei Neutrino-Kommunikation eines sicher sein: Wenn irgendwer dort nach Neutrinos lauscht, dann bekommt er, sie oder es unseren Versuch der Kontaktaufnahme garantiert mit.
Im Gegensatz zu den Unmengen an natürlichen Neutrinos würde unsere Botschaft aufgrund der Regelmäßig sowie des erkennbar künstlichen Rhythmus herausstechen.
Es müssen aber etliche Jahrzehnte vergehen, bevor die Technik so weit fortgeschritten ist.
Ralph Engel
Doch bis dahin bleibt die galaktische Funkstille erst einmal bestehen. Solange wir noch nicht per Neutrinos mit Aliens quatschen können, erlauben sie uns stattdessen schon heute einen einzigartigen Einblick in das Innere unseres eigenen Planeten sowie in die dort ablaufenden Prozesse.
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