Wer von uns liebt es, den Staubbehälter eines Akkusaugers über dem Mülleimer auszukippen? Genau, niemand. Meistens wird der Staub explosionsartig aus dem Behälter katapultiert, sodass man die Wolke direkt wieder einatmet. Oder man muss mit den Fingern Haarbüschel herausziehen. Zumindest nervt mich das bei meinem alten Akkusauger jedes mal.
Genau hier setzt der Narwal V40 an, der in China bereits seit längerem erhältlich ist und jetzt zu einer UVP von 450 Euro seine Premiere in Deutschland feiert. Der V40 kommt mit einer massiven Station, die den Staubbehälter des Handsaugers automatisch entleert, den Akku auflädt und sogar jegliches Zubehör aufgeräumt verstaut.
Ich habe den Narwal V40 über vier Wochen lang in meinem Haus getestet – zwischen Katzenstreu, Nadeln vom Weihnachtsbaum und dreckigen Fußmatten der Familienkutsche. Hier ist mein Fazit.
Design: Technik-Look statt Lifestyle-Objekt
Das Design ist im beinahe selben Grau gehalten wie einige von Narwals Saugrobotern, was in meinen Augen keine gute Entscheidung war. Denn der Farbton wirkt sehr technisch, clean und funktional.
Das ist kein Problem, wenn ihr den Sauger samt Station in den Abstellraum verbannt. Stets sichtbar in Flur oder Küche machen Konkurrenzmodelle von Dyson oder Samsung, die schon fast als Lifestyle-Produkt durchgehen, aber definitiv eine bessere Figur.
Klar, das ist Geschmackssache. Wem die knallbunten Farben von Dyson nicht zusagen, wird den Narwal vielleicht mögen. Ein dezentes Off-White hätte dem V40 aber besser gestanden als das Technik-Grau.
Vor allem, weil die Station relativ klobig ist. Sie misst inklusive Handsauger 32x17x102 cm (LxBxH). Da alles umschlossen und verstaut ist, wirkt sie wie ein kleiner Monolith im Raum.
Dafür sieht es aber immer aufgeräumt aus, denn alle Zubehöraufsätze (Milben-Bürste, Fugendüse, Polsterdüse) haben ihren festen Platz in der Station. Nichts fliegt herum.
Ein kurioses Detail ist mir aber aufgefallen: Das Zubehörfach lässt sich nicht nach links ausfahren. Je nachdem, wo ihr die Station hinstellt, kann das beim Rausholen der Düsen etwas fummelig sein.
Ich zum Beispiel habe rechts daneben meinen Saugroboter stehen und muss die Station immer etwas nach links verrücken.
Die Station sorgt für Ordnung & Hygiene
Die Station bietet aber nicht nur Stauraum für das Zubehör, sondern auch für einen Zusatzakku. Dieser wird in einem separaten Fach an der Oberseite geladen. Sollte euch beim Hausputz also mal der Saft ausgehen, tauscht ihr einfach durch. Der leere Akku kommt in die Ladebucht, der volle in den Sauger.
Darüber hinaus befindet sich in der Station ein 3 Liter großer Staubbeutel, der bis zu 100 Tage reichen soll. Ob das stimmt, kann ich nach vier Wochen Testzeitraum noch nicht sagen, aber Saugroboter mit ähnlichem Beutelvolumen halten mindestens drei Monate, eher länger.
Was ich aber sagen kann: Die automatische Entleerung funktioniert hervorragend.
Einfach den V40 nach dem Saugen in die Station hängen und schon wird die Klappe des Staubbehälters geöffnet und jeglicher Dreck samt Haaren in die Station gesaugt. Wahlweise geht das auch manuell über einem Knopfdruck an der Station.
Genial für Allergiker: Ein 9-stufiges HEPA-Filtersystem soll für eine Gesamtfiltrationseffizienz von 99,97 Prozent sorgen. Es filtert Partikel bis zu einer Größe von 0,3 µm, einschließlich Staub, Pollen und Milben. Das ist super hygienisch, da man nie wieder mit der Staubwolke in Berührung kommt.
Apropos: Der Handsauger besitzt natürlich ebenfalls einen HEPA-Filter an der Rückseite, um den typischen Staubsaugermief zu vermeiden.
Einen kleinen Dämpfer gibt es aber auch: Es liegt kein Ersatzbeutel bei. Das finde ich immer knauserig, ganz egal, in welchem Preissegment wir uns bewegen.
Nutzung & Handling im Alltag
Narwal hat das Design des Akkusaugers an die durchschnittliche Körpergröße in Asien abgestimmt und das merkt man: Das Saugrohr ist selbst für mich mit 1,68 m Körpergröße gerade ausreichend. Es lässt sich aber in drei Stufen ausfahren und somit an eure Größe anpassen.
Dank Gummirollen gleitet der V40 angenehm über Hartböden wie PVC oder Fliesen. Das integrierte LED-Licht an der Bodendüse offenbart Staub, den man normalerweise nicht gesehen hätte. Vor allem im Winter bei schlechten Lichtverhältnissen war mir das eine große Hilfe.
Auch der Startknopf ist komfortabel, denn ein einziger kurzer Druck genügt, um dauerhaft zu Saugen – damit verkrampft der Zeigefinger bei längeren Saugsitzungen nicht.
Allerdings gibt's auch ein Manko: das Gewicht. Der Narwal V40 ist relativ schwer und lässt sich behäbiger mit einer Hand führen als etwa mein Dyson V8. Nach etwa zehn Minuten tat mir tatsächlich die Hand weh.
Zudem fehlt mir ein Knickgelenk im Rohr. Um unter flachen Möbeln zu saugen, muss man sich ziemlich verrenken. Das können andere Hersteller mittlerweile besser.
Ein weiterer Aspekt, den man bedenken muss: Der Sauger kann nur über die Station geladen werden. Ihr könnt ihn also nicht einfach mal mit ins Ferienhaus nehmen oder im Auto laden, ohne die riesige Station mitzuschleppen. Ein weiterer Ladeanschluss hätte die Flexibilität im Alltag deutlich erhöht.
Saugleistung: Ein gnadenloses Arbeitstier
Wenn es aber darum geht, Dreck wegzuschaffen, macht der Narwal V40 eine sehr gute Figur. Die Saugleistung ist spitze! Ich habe ihn auf harte Proben gestellt: Autofußmatten, Nadeln vom Weihnachtsbaum, Haferflocken und verteiltes Katzenstreu. Der V40 verleibt sich alles ein.
Dabei könnt ihr wahlweise zwischen fünf Saugstufen wechseln oder den Sauger auf Auto
selbst entscheiden lassen. Dabei ist mir aufgefallen, dass der Sauger im Automatikmodus fast immer auf Stufe 2 läuft und nur bei extremer Verschmutzung eine Stufe hochschaltet. Das ist aber nicht schlimm, denn er saugte stets alles in ein bis maximal zwei Bewegungen auf.
Dank der zahlreichen Aufsätze könnt ihr den Akkusauger wunderbar für Polster, Teppiche oder auch zum Aussaugen eures Autos nehmen. Alle Teile lassen sich leicht austauschen und bei Bedarf reinigen.
Die Akkulaufzeit ist solide. Ich habe für mein Haus (2 Stockwerke, etwa 90 qm erreichbare Grundfläche) etwa 15 Minuten gesaugt und hatte noch 37 Prozent Restakku.
Insgesamt kam ich auf ca. 23 Minuten effektive Saugzeit pro Akku. Da aber der zweite Akku immer geladen in der Station wartet, hat man faktisch doppelte Laufzeit. Für die meisten sollte das dicke ausreichen, wenn man nicht gerade nur einmal im Quartal saubermacht...
Fazit: Für wen lohnt sich der Narwal V40?
Der Narwal V40 ist ein starker Akkusauger mit cleverem Zubehörmanagement und hygienischer Staubentleerung. Die Station ist zwar nicht unbedingt ein Hingucker, aber pragmatisch. Die Saugkraft ist im Alltag über jeden Zweifel erhaben und dank Wechselakku kriegt man auch große Häuser sauber.
Allerdings müsst ihr bereit sein, Kompromisse beim Gewicht und Komfort einzugehen. Er ist kein Leichtgewicht, und das spürt man. Zudem vermisse ich ein Knickgelenk, um unter flache Möbel zu kommen.
Zumindest den ersten Kritikpunkt scheint Narwal mit dem Nachfolger anzugehen: Der V50 wurde auf der CES 2026 vorgestellt und soll noch einfacher bedienbar sein.
Meine Empfehlung: Wenn ihr Platz für die Station habt, euch mit der Optik anfreunden könnt und Hygiene für euch an erster Stelle steht, ist der Narwal V40 eine sehr gute Wahl. Sucht ihr aber etwas extrem Leichtes und Wendiges für zwischendurch, könnte er euch zu wuchtig sein.

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