Hohe Preise für RTX 4000 sind laut Nvidia nur der Anfang einer unaufhaltbaren Entwicklung

Nvidia-Chef Jensen Huang hat sich zu den hohen Preisen von Geforce RTX 4090, 4080 16G und 4080 12G geäußert. Die Antworten sind nachvollziehbar.

Nvidia-Chef Jensen Huang beantwortet kritische Fragen zum Preis der neuen Grafikkarten. Nvidia-Chef Jensen Huang beantwortet kritische Fragen zum Preis der neuen Grafikkarten.

Die Preise für Nvidias neue Grafikkarten schlagen hohe Wellen. Noch nie zuvor wurden für eine xx80-Karte schon zur UVP mehr als 1.000 Euro verlangt. Dazu kommt, dass es diesmal gleich zwei Varianten der RTX 4080 gibt. Das nicht nur hinsichtlich der Speichermenge abgespeckte Modell mit zwölf Gigabyte VRAM halten viele jedoch für eine verkappte RTX 4070 mit einem anderen Namens- und Preisschild – nicht zu unrecht, wie auch der folgende Artikel befindet:

Warum ich so zerrissen bin wie selten zuvor   365     17

Meinung zu RTX 4000

Warum ich so zerrissen bin wie selten zuvor
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Doch warum sind die neuen Grafikkarten eigentlich so viel teurer als ihre Vorgänger? Zu dieser Frage hat sich Nvidia-Gründer und -Chef Jensen Huang nun im Rahmen einer Frage- und Antwort-Runde mit Journalisten geäußert. Bei den Antworten schwingt allerdings eine Botschaft mit, die uns als Kunden nicht gefallen kann:

Es wird nicht mehr besser werden, eher schlimmer

Also erstens ist ein 12-Zoll-Wafer heute viel teurer als früher. Und er kostet nicht nur ein bisschen mehr, sondern viel mehr. Das Mooresche Gesetz ist tot. Und die Option, gemäß dem Mooreschen Gesetz alle eineinhalb Jahre dieselbe Leistung zur Hälfte des Preises zu realisieren, ist vorbei. Das ist endgültig vorüber. Daher gehört die Vorstellung, dass Chips mit der Zeit immer günstiger werden, der Vergangenheit an.

Jensen Huang, Nvidia-CEO

Für die aktuelle Teuerung spielen aber auch noch andere Faktoren eine Rolle, auf die Huang nicht beziehungsweise in einem anderen Kontext eingegangen ist: So nennt er zum Beispiel gestiegene Energiekosten und zunehmende Inflation als Grund. Zudem war Nvidia aufgrund der allgemeinen Chipknappheit gezwungen, viel Geld in die Hand zu nehmen, um sich frühzeitig Produktionskapazität bei Auftragsfertiger TSMC zu sichern. Welche Faktoren Nvidia außerdem zu den massiven Preissteigerungen getrieben haben könnten, erfahrt ihr in dem weiter oben verlinkten Artikel.

Was ist das Mooresche Gesetz?

Das Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten regelmäßig verdoppelt. Die genannten Zeiträume variieren dabei zwischen zwölf und 24 Monaten. Unter Komplexität ist die Anzahl der integrierten Schaltkreise zu verstehen. Hier wird allerdings auch immer wieder die Zahl an Transistoren pro Flächeneinheit herangezogen. Benannt ist die Gesetzmäßigkeit nach dem US-amerikanischen Ingenieur, Erfinder und Intel-Mitgründer Gordon Moore.

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Wie geht es ohne das Mooresche Gesetz weiter?

Obgleich die Produktion von Chips mitunter aufgrund der stetigen Strukturbreitenverkleinerung und damit einhergehend immer aufwendigerer Fertigungsverfahren teurer wird, stellt Huang weiterhin steigende Performance in Aussicht. Die resultiere jedoch nicht mehr aus der traditionellen Vorstellung vom Mooreschen Gesetz:

Die Zukunft liegt in der Beschleunigung des Gesamtpakets (Stack). Man muss neue Architekturen entwickeln und mit möglichst innovativen Chipdesigns aufwarten. Computing [Anmk. d. Red.: Datenverarbeitung, Berechnungen] geschieht natürlich nicht nur auf den Prozessoren. Computing ist eine Sache von Software und Hardware. Daher nennen wir das Full-Stack-Herausforderung. Und so schaffen wir Innovationen über den gesamten Stack hinweg.

Jensen Huang, Nvidia-CEO

Außerdem betont Huang, dass die Leistung der neuen Grafikkarten zum selben Preispunkt monumental besser sei als die der Vorgänger. Damit bezieht sich der Nvidia-Chef wohl auf die Leistung pro eingesetztem Euro. Das können wir an dieser Stelle natürlich weder be- noch widerlegen. Erst unabhängige Tests können hier Klarheit verschaffen.

Huang unterstreicht am Ende noch einmal in aller Deutlichkeit, dass die Preise von heute mit jenen von früher einfach nicht vergleichbar seien. Fortschritte in der Computergrafik plus immer mehr Leistung und das alles zu gleichen oder in Relation gar niedrigeren Anschaffungskosten sei schlicht nicht machbar.

Alexander Köpf
Alexander Köpf


Obgleich ich mich selbst schon sehr kritisch zur Preisgestaltung der neuen Grafikkarten geäußert habe, pflichte ich dem Nvidia-CEO in vielen Punkten bei. Wir sind längst in Bereiche vorgedrungen, an denen mit schierer Rechenleistung nur noch bedingt Performance-Fortschritte erzielt werden können. Zumindest aber skaliert das Verhältnis aus Transistoren, Rechenkernen und Taktfrequenz zur Leistung nicht mehr direkt proportional.

Um dem entgegenzuwirken müssen sich die Hersteller tatsächlich immer neue und bessere Technologien einfallen lassen. Ein gutes Beispiel hierfür sind der KI-Upscaler DLSS in der aktuellsten Version 3.0, FSR und bald auch XeSS. Unstrittig ist außerdem, dass die Fertigung von immer kleineren Strukturen im niedrigen zweistelligen Nanometerbereich exponentiell mehr Geld verschlingt.

Die aktuelle Weltlage mit einbezogen, gibt es durchaus triftige und nachvollziehbare Gründe für die massiven Preissteigerungen. Und dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, gerade wenn ich an die RTX 4080 12G denke, die, und das lässt sich meiner Meinung nach nicht schönreden, eine verkappte RTX 4070 ist.

Wie seht ihr das? Genügen euch die Argumente von Jensen Huang? Oder seht ihr womöglich ganz andere Gründe für die Preissteigerungen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

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