Eine der größten Herausforderungen bei der Weiterentwicklung von KI ist die Frage, wie ausreichend Energie produziert werden kann. NVIDIA, Siemens und Commonwealth Fusion Systems (CFS) haben auf der CES 2026 eine vielversprechende Allianz verkündet.
KI soll mit der Kraft der Sonne angetrieben werden
CFS gilt als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Kernfusion. Im SPARC-Fusionsreaktor in der Nähe von Boston soll noch 2026 das erste Plasma gezündet werden. Potenziell könnten Reaktoren dieser Art viele Energieprobleme lösen.
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Der KI-Hype frisst sich selbst – Tech-Jahresrückblick 2025
Das ist der SPARC-Fusionsreaktor: Beim SPARC handelt es sich um einen Reaktor vom Typ »Tokamak«. Er ist geformt wie ein Donut und soll in seinem Inneren Plasma, also extrem heißes Gas, durch starke Magnetfelder in der Schwebe halten.
Bei Temperaturen von über 100 Millionen Grad Celsius verschmelzen Wasserstoffisotope zu Helium, wodurch ungeheure Mengen Energie freigesetzt werden. Das Ziel ist es, durch die Fusion mehr Energie zu erzeugen, als benötigt wird, um die Fusion am Laufen zu halten.
Digitaler Zwilling: Wie bekannt gegeben wurde, bauen Siemens und NVIDIA gemeinsam ein virtuelles Abbild von SPARC. Dabei kommen Siemens Xcelerator sowie Omniverse und OpenUSD von NVIDIA zum Einsatz.
Dieser digitale Zwilling soll dann die Weiterentwicklung des Reaktors deutlich beschleunigen. Experimente, für die man sonst Jahre brauchen würde, könnten so in wenigen Wochen simuliert werden. Fehler können gefunden werden, bevor ein Bauteil überhaupt erst montiert wurde.
Wechselwirkung mit KI: All das soll dabei helfen, den immensen Energiebedarf, der unter anderem durch den KI-Boom entsteht, zu decken. SPARC ist vergleichsweise kompakt, Rechenzentren könnten irgendwann theoretisch eigene ARC-Reaktoren (die kommerzielle Version von SPARC) betreiben und so eigene Energie direkt vor Ort produzieren.
Auf der anderen Seite wäre die Entwicklung von SPARC ohne KI vermutlich überhaupt nicht möglich. KI-Modelle berechnen nämlich in Millisekunden, wie die Magnetfelder angepasst werden müssen, um das Plasma im Reaktor stabil zu halten. KI hilft also aktiv dabei, Energiequellen zu erschließen, die für die KI gebraucht werden.
Meinung der Redaktion
Gerald Weßel: Das alles ist ein logischer, und gleichermaßen cleverer nächster Schritt. Kernfusion und Rechenkapazität waren schon immer eng miteinander verzahnt, KI treibt diese Symbiose jetzt auf die Spitze. Ich halte es durchaus für denkbar, dass die Verschmelzung der beiden die Wartezeit bis zum ersten Fusionsreaktor von Jahrzehnten auf Jahre verkürzt.
Allerdings tragen die Schöpfer von SPARC argumentativ ein Stück zu dick auf. Bevor wir über die Miniaturisierung hin zu dezentralen Einzelreaktoren für einzelne Rechenzentren sprechen, braucht es erstmal zentrale Großanlagen. Hier ist die Technikgeschichte erbarmungslos: Um Winziges zu erschaffen, müssen wir es erstmal in groß meistern.
Aber selbst wenn SPARC gegenüber Tokamak-Projekten wie ITER in Frankreich am Ende das Nachsehen hat, gilt: Von den aktuell dutzenden Konzepten, die bei Kernfusion miteinander wetteifern, wird der Sieger KI nutzen – und die jetzt gefressene Energie dabei helfen, eine neue Energiequelle schneller zu erschließen.
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