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bei OpenAI: Das Unternehmen hinter ChatGPT hatte sich in der Vergangenheit eher als altruistisches Forschungslabor präsentiert, dem es vor allem um die sichere Entwicklung der nächsten Stufe von Künstlicher Intelligenz (AGI) ginge.
Doch nun vollzieht sich ein interner Richtungswechsel: Weniger Grundlagenforschung, mehr ChatGPT-Wachstum. Und das hängt ausgerechnet mit dem immensen Erfolg des Unternehmens zusammen.
OpenAI ist mit rund 500 Milliarden US-Dollar eines der am höchsten bewerteten Privatunternehmen der Geschichte. Und als solches muss es jetzt liefern.
Richtungswechsel bei OpenAI: Branchen-Größen verlassen das Unternehmen
Wie das Portal Cryptopolitan unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, strukturiert sich OpenAI radikal um.
Das Ziel: Ein Unternehmen zu werden, das massiv Profite abwirft. Grund für die Eile dürfte der enorme Erfolgsdruck sein. Denn auch wenn ChatGPT
für viele immer noch das Synonym für KI ist, hat die Konkurrenz – allen voran Googles Chatbot Gemini – technologisch nicht nur aufgeschlossen, sondern OpenAI in einigen Benchmarks bereits überholt.
Für diesen Wechsel des Fokus weg von Forschung, hin zu verkäuflichen Lösungen sprechen aktuell vor allem zwei Entwicklungen:
- Der Experten-Exodus: In den letzten Monaten haben prominente Köpfe OpenAI verlassen, darunter Jerry Tworek (Vize-Forschungsdirektor), Andrea Vallone (Expertin für KI-Richtlinien) und der Ökonom Tom Cunningham. Cryptopolitan wertet ihren Weggang als klares Signal, dass der Spielraum für Projekte abseits des Kernprodukts ChatGPT schrumpft.
- Ressourcen-Umverteilung: Interne Quellen berichten, dass Teams wie jene hinter dem Video-Generator Sora oder der Bild-KI DALL-E sich zunehmend mit abgelehnten Anträgen konfrontiert sähen. Die Projekte jenseits von ChatGPT würden als weniger wichtig eingestuft.
Interne Kritiker sehen in den jüngsten Entwicklungen das Ende der sogenannten Blue-Sky-Forschung
– also der ergebnisoffenen Grundlagenforschung ohne direkten kommerziellen Nutzen. Cryptopolitan zitiert in diesem Kontext eine anonyme Quelle mit:
OpenAI betrachtet Sprachmodelle jetzt als eine reine Ingenieursaufgabe.
OpenAI äußert sich: Grundlagenforschung bleibe unerlässlich
Trotz der offensichtlichen Unruhe im Team gibt sich die Führungsetage von OpenAI nach außen hin gelassen. Mark Chen, Forschungsleiter bei OpenAI, widersprach der Kritik. Ihm zufolge bleibt langfristige Grundlagenforschung für OpenAI unerlässlich und stellt immer noch den Großteil unserer Rechenressourcen und Investitionen dar
.
Er geht sogar noch einen Schritt weiter: Gerade die enge Verzahnung von Forschung und dem Produkt ChatGPT würde die wissenschaftliche Wirkung sogar noch verstärken, da man durch die Millionen Nutzer direktes Feedback erhalte.
Guckt man derweil in die Community, fällt das Nutzer-Feedback für ChatGPT derzeit gar nicht gut aus. Ein gern genannter Grund: Googles Gemini sei einfach besser.
Auch wenn er die Entwicklung von sogenannter »Allgemeiner Künstlicher Intelligenz« nicht ganz explizit in dem Kontext nennt, gibt er sich selbstbewusst, dass OpenAI auch die Forschung weiter vorantreiben werde:
Wir haben uns nie sicherer in Bezug auf unsere langfristigen Forschungspläne gefühlt, die darauf abzielen, einen automatisierten Forscher zu erschaffen.
Ob er damit die besorgten Experten beruhigen kann oder lediglich die rhetorische Flucht nach vorne versucht, müssen die kommenden Monate zeigen.
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