Das MIT hat den größten Angriff zwischen Arten im Ozean dokumentiert: Innerhalb von nur vier Stunden starben Millionen von Kreaturen

Es sind nur schwer vorstellbare Zahlen, die in der Genauigkeit erst mit einem neuen, multispektralen Verfahren ermittelt werden konnten.

Wenn Kabeljau auf Kapelane trifft, geht es für die kleinen Fische nicht gut aus. (Bild: KI-generiert mit Adobe Firefly) Wenn Kabeljau auf Kapelane trifft, geht es für die kleinen Fische nicht gut aus. (Bild: KI-generiert mit Adobe Firefly)

Schwärme von Fischen nehmen teils gigantische Ausmaße an.

Das kann sowohl für Beutefische als auch für ihre Räuber gelten, wie eine jüngere Studie des bekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT) eindrucksvoll zeigt.

Um welche Arten geht es? Die Studie hat mit moderner Schallwelltechnik das bislang größte dokumentierte Räuberereignis im Ozean dokumentiert, wie das MIT selbst berichtet. Es fand zwischen Kabeljauen und Kapelanen statt.

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Mehr Details zu der Studie

  • Die Daten wurden bereits vor über zehn Jahren erhoben, genauer gesagt im Februar 2014 vor der Küste von Norwegen.
  • Dabei kam das sogenannte Ocean Acoustic Waveguide Remote Sensing (OAWRS) zum Einsatz, eine schallbasierte Bildgebungstechnik zur Ortung über große Distanzen hinweg.
  • Die Studie mit der genauen Auswertung der Daten wurde Ende 2024 auf Nature.com veröffentlicht.

Dank der modernen Technik konnten die Forscher feststellen, dass die Kabeljau-Fische innerhalb weniger Stunden 10,5 Millionen der Kapelane gefressen haben.

Kapelane sind eine arktische Fischart. Sie werden ungefähr so groß wie Sardellen. Im Februar wandern Milliarden von ihnen vom Rand des arktischen Eisschildes südwärts zur norwegischen Küste, um ihre Eier abzulegen.

Auch Kabeljaue sind dort zu dieser Zeit Richtung Süden unterwegs und ernähren sich währenddessen unter anderem von laichenden Kapelanen. In großem Maßstab wurde ihr Aufeinandertreffen bislang aber nicht untersucht, so das MIT.

Auf die Schwimmblasen kommt es an

Mithilfe des OAWRS-Systems können Fische in einer Entfernung von mehreren zehn Kilometern geortet werden.

Dabei gab es früher eine Einschränkung, die für diese Studie nicht mehr gilt: Während es zunächst nicht möglich war, verschiedene Fischarten zu unterscheiden, geht das Dank einer multispektralen Technik inzwischen.

Die darüber mögliche breite Analyse verschiedenerer Wellenlängenbereiche hilft beim Blick auf ein entscheidendes Merkmal: die Schwimmblasen der Fische.

Forscher Nicholas Makris, Professor für Maschinenbau und Ozeaningenieurwesen am MIT, erklärt es folgendermaßen:

Fische haben Schwimmblasen, die wie Glocken resonieren. Kabeljaue haben große Schwimmblasen mit tiefer Resonanz, ähnlich wie Big Ben, während Kapelane winzige Schwimmblasen haben, die wie die höchsten Töne eines Klaviers klingen.

So konnten die Forscher die verschiedenen Fischarten zuverlässig voneinander unterscheiden.

Der Angriff in nackten Zahlen

  • Auf der einen Seite haben sich etwa 23 Millionen Kapelane über eine Strecke von mehr als zehn Kilometern zusammengefunden.
  • Das hat auf der anderen Seite zu der Bildung eines riesigen Kabeljau-Schwarms von ungefähr 2,5 Millionen Fischen geführt.
  • Bei 10,5 Millionen gefressenen Kapelanen innerhalb weniger Stunden hat also jeder Kabeljau etwa vier Kapelane abbekommen.

Für die Kapelan-Population an sich war das kein Problem, wie eine weitere Zahl deutlich macht: Der Schwarm, um den es hier geht, machte nur 0,1 Prozent der Kapelane aus, die in der Region gelaicht haben.

Doch mit Blick auf die Zukunft wird laut Makris sehr wichtig sein, wie sich die Verteilung solcher so genannten Hotspots entwickelt:

In unserer Arbeit sehen wir, dass natürliche katastrophale Räuberereignisse das lokale Gleichgewicht zwischen Räuber und Beute innerhalb weniger Stunden verändern können. Für eine gesunde Population mit vielen räumlich verteilten Hotspots ist das kein Problem. Doch wenn die Anzahl dieser Hotspots aufgrund von Klimawandel und menschlichem Einfluss abnimmt, könnte ein solches katastrophales Räuberereignis bei einer Schlüsselart dramatische Konsequenzen für diese Art und die vielen von ihr abhängigen Arten haben.

Auch der nicht an der Studie beteiligte Professor George Rose von der University of British Columbia zeigte sich beeindruckt von den Ergebnissen, insbesondere aufgrund der Möglichkeit, mehrere Arten von Fischen dank der modernen Technik gleichzeitig kartieren zu können.

Dies ermögliche Einblicke in grundlegende ökologische Prozesse mit enormem Potenzial zur Verbesserung bestehender Erhebungsmethoden, so Rose.

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