Plus-Folge 101: Müssen wir uns mit unseren Rollenspiel-Charakteren identifizieren können?

Welche »Rolle« nehmen wir in Rollenspielen ein? Spielen wir uns selbst, einen Helden oder sind wir einfach nur Betrachter? Im Podcast sprechen wir über die Identifikation mit Charakteren und warum diese so wichtig ist - oder auch nicht.

von Heiko Klinge, Michael Graf, Natalie Schermann,
09.01.2021 08:00 Uhr

Eigentlich wollte Natalie in Cyberpunk 2077 einen ausgefallenen Look für ihren Charakter V. Am Ende wurde es aber trotzdem ein zurückhaltenderes Aussehen, mit dem sie sich besser identifizieren kann. Wie langweilig! Eigentlich wollte Natalie in Cyberpunk 2077 einen ausgefallenen Look für ihren Charakter V. Am Ende wurde es aber trotzdem ein zurückhaltenderes Aussehen, mit dem sie sich besser identifizieren kann. Wie langweilig!

Wir verbringen Stunden im Charakter-Editor von Rollenspielen - und trotzdem sieht die Figur am Ende nicht aus wie wir: Die Nase zu klein, die Augen viel zu weit auseinander und das Kinn zu spitz. Aber müssen wir überhaupt ein Ebenbild von uns erstellen, um ein RPG genießen zu können? Wie wichtig ist die Identifikation mit den Protagonisten in Videospielen für uns Spieler?

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Darüber sprechen wir in dieser Folge unseres Plus-Podcasts und merken schnell: Identifikation bedeutet für jeden etwas vollkommen anderes.

  • Michael Graf legt großen Wert auf das Aussehen seines Charakters: Er erschafft ein Alter-Ego, mit dem er auf der Seite der Guten kämpfen kann. Und das geht schließlich nur mit Hosen, die zum Oberteil passen!
  • Heiko Klinge schert sich nicht ums Aussehen - für ihn zählen nur die Stats, Fähigkeiten, Motive und Ziele seiner Charaktere. Nichts macht ihm so viel Spaß wie Min-Maxing … bis ihm das Storytelling einen Strich durch die Rechnung macht.
  • Natalie Schermann bringt es nicht übers Herz, in Rollenspielen mit ihren Werte- und Moralvorstellungen zu brechen, denkt deshalb viel über ihre Entscheidungen nach - nur um es dann trotzdem zu vermasseln.

Die Identifikation mit Charakteren passiert über die unterschiedlichsten Ebenen: Optik, Verhalten der Figuren, die Reaktion der Spielwelt, soziale Zugehörigkeit oder auch das Gameplay können uns Spieler packen und dazu führen, dass wir stärkere Empathie empfinden. Schaffen wir es, durch ein Videospiel unsere Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Verbundenheit zu decken, versetzen sie uns in einen angenehmen Flow-Zustand, so die Medientheorie. Wir diskutieren, ob die Identifikation mit Charakteren für diesen Flow-Zustand notwendig ist - oder ob es im Grunde vollkommen egal ist, wen man spielt und welche Hosen der Protagonist dabei trägt.