Der Nachtmodus bei Smartphones soll für besseren Schlaf sorgen, doch eine Studie zeigte schon vor Jahren, dass das nicht stimmt

Zur Verbesserung eurer Schlafqualität trägt der Nachtmodus eures Smartphones nicht bei.

Der Nachtmodus auf Smartphones hilft laut Studie nicht, um euren Schlaf zu verbessern. (Bildquelle: Becca Tapert via Unsplash) Der Nachtmodus auf Smartphones hilft laut Studie nicht, um euren Schlaf zu verbessern. (Bildquelle: Becca Tapert via Unsplash)

Derzeit läuft die Finalrunde der NBA, der stärksten Basketball-Liga der Welt.

Als eingefleischter Fan der Dallas Mavericks lasse ich es mir nicht nehmen, die erste Finalteilnahme seit 2011 live zu sehen. Der Spielbeginn um 2 Uhr nachts deutscher Zeit macht aber (hoffentlich nachvollziehbarerweise) meinem Schlafrhythmus etwas zu schaffen.

Das merkt auch mein Smartphone, das mir mit hilfreichen Tipps zur Seite stehen will. Darunter befindet sich das »Augenkomfort« genannte Feature, das mir eigenen Angaben zufolge das Einschlafen erleichtern will.

Blaues Licht wird reduziert; wärmere Farben werden genutzt und plötzlich schlafe ich problemlos ein - kann das sein?

Jusuf Hatic
Jusuf Hatic

Jusufs Schlafrhythmus ist ein Albtraum für jeden Schlafforscher, denn eigentlich hat er keinen. Mal geht's um 5 Uhr ins Bett (es laufen die NBA Finals!), mal um 2 Uhr wie nach dem kürzlich vergangenen Summer Game Fest, mal gar nicht. Die Hoffnung, dass der Nachtmodus zumindest die Schlafqualität an sich verbessert, hat sich nun auch zerschlagen.

So funktioniert Night Shift: Wie Apple auf der Webseite zum Einrichten der Funktion erklärt, soll Night Shift die Displayfarben auf ein wärmeres Farbspektrum umstellen und so die Augen schonen.

  • iOS bestimmt hier die Uhrzeit des Sonnenuntergangs am jeweiligen Standort. Ab diesem Zeitpunkt stellt der Bildschirm auf die augenschonenderen Farben um.
  • Logischerweise benötigt die Funktion hierfür Zugriff auf die Uhrzeit und den Standort.

»Night Shift« als Einschlafhilfe? Studie sagt Nein

Anstelle eines Blindversuchs der vermeintlichen Einschlafhilfe suche ich zunächst nach Studien, die das Versprechen von Android und iOS – hier nennt sich die Funktion »Night Shift« – auch belegen können.

Und siehe da: Tatsächlich haben Forscher der Brigham Young University (BYU) sich vor rund drei Jahren diese These genauer angesehen und kommen zum Schluss: Night Shift bringt nahezu gar nichts.

In den Android-Einstellungen verspricht das »Augenkomfort«-Feature besseren Schlaf. In den Android-Einstellungen verspricht das »Augenkomfort«-Feature besseren Schlaf.

So lief die Untersuchung ab: Im Forschungspapier gehen die Wissenschaftler auf den Versuch ein, der explizit nur das iOS-Feature testet. Die Android-Version dürfte allerdings analog hierzu bewertet werden.

Insgesamt 167 volljährige Probanden wurden in drei Kategorien aufgeteilt:

  • Die erste Gruppe soll das iPhone vor dem Einschlafen mit aktiviertem Night Shift nutzen.
  • Die zweite Gruppe macht dasselbe, lässt Night Shift dabei aber bewusst deaktiviert.
  • Eine weitere Gruppe soll vor dem Einschlafen gänzlich auf die Smartphone-Benutzung verzichten.

Video starten 0:46 Für iPhone und Android: »123-Taste gedrückt halten« ist einer der praktischsten Shortcuts

Das ist das Resultat: Zwischen den drei teilnehmenden Gruppen gab es im Ergebnis der Schlafqualität maximal zu vernachlässigende Unterschiede.

  • Hatten die Probanden im Schnitt mehr als 6,8 Stunden Schlaf pro Nacht, hatte Night Shift nur geringfügige Auswirkungen auf den Schlaf.
  • Wiesen die Probanden weniger als Schlafzeit auf, gab es überhaupt keinen Unterschied in Bezug auf die Schlafqualität.

Grundsätzlich ist den Forschern zufolge »regelmäßiger, angemessener Schlaf« wichtiger, um sich ausreichend zu erholen - Nachtmodus bei Smartphones hin oder her.

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