»Hallo?« … Stille … aufgelegt.
Die Abfolge von sogenannten Silent Calls wirkt auf den ersten Blick harmlos, fast so, als hätte sich eine Person schlicht verwählt.
Die Wahrheit ist jedoch eine andere: Am anderen Ende der Leitung ist keine Person, sondern eine Software, die massenhaft Rufnummern anwählt.
Das Ziel besteht darin, aktive Telefonnummern zu identifizieren. Wenn ihr abhebt und »Ist da jemand?« fragt, gebt ihr euch als realer Mensch zu erkennen, der diese Nummer aktiv nutzt.
Und genau um diese kleine, aber wertvolle Information geht es den Betrügern.
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Wie eure Rufnummer missbraucht wird
Wenn ihr abnehmt und geduldig in den Hörer sprecht, landet eure Rufnummer voraussichtlich auf einer speziellen Liste, wie etwa polizei-beratung.de berichtet.
Derartige Listen voller aktiver Rufnummern landen schließlich auf dem Schwarzmarkt. Oft folgen danach Phishing-SMS, dubiose Werbeanrufe oder andere Betrugsmaschen.
Was ihr gegen Silent Calls tun könnt
Die wirkungsvollste Maßnahme gegen Silent Calls ist zugleich die einfachste: Nehmt bei unbekannten Rufnummern nicht ab.
Falls ihr es doch tut, legt kommentarlos auf, sollte die Gegenseite keinen Mucks von sich geben. Seid dann in den folgenden Wochen besonders misstrauisch bei SMS mit Links, angeblichen Paketbenachrichtigungen oder Anrufen von vermeintlichen Bankmitarbeitern.
Wenn ihr einen solchen Anruf verpasst, ignoriert ihn und ruft nicht zurück. Zum einen bestätigt ihr damit, dass eure Nummer aktiv ist. Zum anderen ist die angezeigte Nummer oft gefälscht (Spoofing). Im schlimmsten Fall landet ihr sogar bei einer Auslandsnummer, die genau auf solche Rückrufe hofft.
Sollten Anrufe von derselben Nummer wiederholt erfolgen, blockiert sie direkt in der Anrufliste.
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Stimme von KI-Firma geklaut! Leben wir schon in einer Dystopie?
Schutzmaßnahmen in iOS und Android
Die gute Nachricht: Ihr müsst nicht jeden unbekannten Anruf selbst aussortieren. Sowohl das iPhone als auch Android-Geräte bringen dafür eigene Werkzeuge mit.
iPhone: Unter »Einstellungen« → »Apps« → »Telefon« findet ihr die Option, unbekannte Anrufer stummzuschalten. Anrufe von Nummern, die nicht in euren Kontakten gespeichert sind, landen dann ohne zu klingeln direkt auf der Mailbox.
Seit iOS 26 gibt es zusätzlich eine Anrufprüfung: Das iPhone fragt unbekannte Anrufer zunächst nach ihrem Namen und ihrem Anliegen, bevor das Telefon klingelt. Eine Software, die nur Nummern abklappert, antwortet darauf nicht.
Android: Je nach Hersteller wird diese Option anders bezeichnet. Bei Google-Handys findet ihr sie in der Telefon-App:
- Tippt auf das Dreipunkt-Menü.
- Wechselt zu »Einstellungen«.
- Tippt jetzt auf »Anrufer-ID und Spam« und aktiviert »Spam-Anrufe herausfiltern«.
Bei Samsung ist diese Funktion mit One UI 8.5 ebenfalls integriert worden:
- Tippt in der App auf das Dreipunkte-Menü.
- Wechselt zu »Einstellungen«.
- Aktiviert »Anrufer-ID und Spam-Schutz«.
- Tippt auf das gleichnamige Menü, um optional Spam- und Scam-Anrufe zu sperren.
Was ihr außerdem tun könnt
Neben den zuvor erwähnten Maßnahmen gibt es weitere Hebel, um den lästigen Silent Calls entgegenzuwirken.
- Rufnummern im Router sperren (gilt fürs Festnetz): In der Fritz!Box zum Beispiel können bestimmte Rufnummern, anonyme Anrufe oder gar Rufnummernbereiche gesperrt werden. Wie das geht, sagt euch der Hersteller selbst.
- Behörden informieren: Meldet auffällige und wiederkehrende Rufnummern der Bundesnetzagentur. Diese kann die Nummern sperren oder Abrechnungsverbote verhängen.
- Sprecht mit eurem Umfeld: Gerade ältere Angehörige wissen oft nicht, dass Silent Calls der Auftakt für Betrug sein können. Erklärt ihnen die gängigen Maschen und was im Ernstfall zu tun ist.
- Vereinbart ein Notfall-Codewort: Auf Silent Calls folgen potenziell »Schockanrufe«, bei denen sich Betrüger als Angehörige in Not ausgeben. Legt innerhalb der Familie ein geheimes Kennwort fest. So lässt sich die Identität einer Person blitzschnell überprüfen.
Silent Calls sind zwar lästig, aber kein Grund zur Panik. Wer unbekannte Nummern filtert, nicht zurückruft und bei Stille kommentarlos auflegt, beraubt die Betrüger ihres wichtigsten Werkzeugs, nämlich der Bestätigung, dass am anderen Ende der Leitung ein echter Mensch sitzt.

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