Vorsicht: Auf Discord und Steam hätte mich ein perfider Betrüger fast meinen Account gekostet

»Ist das dein Account?«. Eine simple Frage hätte mich fast in die Falle gelockt. Achtung vor dieser Betrügerei!

Fast wären Betrüger an meine Daten gekommen, doch ein kühler Kopf hat mich vor dem Schlimmsten bewahrt. (Bildquellen: Valve, fotokitas - adobe.stock.com, Maxe S., GameStar) Fast wären Betrüger an meine Daten gekommen, doch ein kühler Kopf hat mich vor dem Schlimmsten bewahrt. (Bildquellen: Valve, fotokitas - adobe.stock.com, Maxe S., GameStar)

Wer regelmäßig im Internet unterwegs ist, der kennt die Betrugsmaschen der Schwindler. Jeder hat schon vom oft zitierten nigerianischen Prinzen gehört, der sein Vermögen verschenken will, oder den ominösen Gewinnspielmails, die einen Jackpot versprechen.

Dem, was mir eben passiert ist, hätte man wirklich ganz leicht auf den Leim gehen können.

Damit die Falle bei euch nicht zuschnappt, warne ich euch in diesem Artikel vor einer perfiden Betrugsmasche, die gar nicht so leicht zu durchschauen ist.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist seit über 25 Jahren im Internet unterwegs. Von Filesharing auf Napster über Pop-up-Werbung für den Winter viel zu freizügig bekleideter Damen und Ragebait auf den sozialen Medien hat er alles mitgemacht. Welcome to the Internet, I’ll be your Guide! 

»Gehört der Account dir?«

Wie viele von uns nutze ich zwei Services so gut wie täglich: Discord und Steam. Ersteres im Grunde als Chatprogramm, letzteres hauptsächlich für mein Steam Deck.

Auf Discord schrieb mich urplötzlich eine fremde Person an und fragte mich, ob ich ihr über die letzten Tage ein Angebot gemacht habe. Das habe ich natürlich verneint, nicht wissend, was die Person meinte. Daraufhin schickte sie mir einen Screenshot von meinem Steam-Account und fragte, ob der mir gehört.

Ja, ich spiele sehr gerne und exzessiv Oaken Tower. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Ja, ich spiele sehr gerne und exzessiv Oaken Tower. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Ich hab Lunte gerochen, erstmal nichtssagend mit »maybe« geantwortet und dann gefragt, was Phase ist. Der Scammer gab daraufhin zu, dass er meinen Account gemeldet habe, schlimmer noch: Er habe ein paar Freunde aufgerufen, dasselbe zu tun. Yikes.

Grund für seinen Unmut sei, dass sich auf Steam wohl jemand als mich ausgegeben habe, um mit ihm einen Counter-Strike-Waffenskin gegen Geld zu tauschen, welches er nie bekommen hat. Ich sollte ihm einen Screenshot meiner Kaufhistorie schicken, damit klar ist, dass ich nicht derjenige bin, der ihn über den Tisch gezogen hat.

Und ich muss zugeben, sein Screenshot mit meinem Usernamen sieht verdammt echt aus, aber seht selbst:

Gut gefälscht ist halb betrogen: Angeblich haben der Betrüger und jemand, der sich als mich ausgab, ein Flip Knife getauscht. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Gut gefälscht ist halb betrogen: Angeblich haben der Betrüger und jemand, der sich als mich ausgab, ein Flip Knife getauscht. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Ich bin guten Willens und habe also in meinem Handelsverlauf auf Steam nachgeschaut. Klar, dass da nichts drinsteht, weil ich weder Counter-Strike spiele noch jemals irgendetwas über Steam getauscht hätte. Nichtsdestotrotz: Der Teufel ist ein Eichhörnchen und im schlimmsten Fall hat sich jemand in meinen Account gehackt.

Aber wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Meine Historie ist leer, da bin ich also sicher.

Weil ich noch nie etwas über Steam getauscht hatte, wusste ich nicht mal, wie man den Handelsverlauf aufruft. (Bildquelle Maxe S., GameStar) Weil ich noch nie etwas über Steam getauscht hatte, wusste ich nicht mal, wie man den Handelsverlauf aufruft. (Bildquelle Maxe S., GameStar)

Daraufhin hat mir der Betrüger das als Missverständnis verkauft. Es täte ihm leid, dass er überreagiert hätte und dass er keinen Ärger verursachen wolle. Er bat mich, ihm zu helfen, die Sache bei Steam direkt aufzuklären.

Und genau hier beginnt der wahre Betrug.

Obacht, keine Mails an fadenscheinige Adressen schicken

Mein Paps hat mal zu mir gesagt: »Ich gebe jedem Vorschusslorbeeren. Mir muss erstmal jemand beweisen, dass er ein Idiot ist« – und nach diesem Kredo lebe ich. Dementsprechend habe ich erst mal weiter mitgespielt.

Binnen kürzester Zeit schickte der Betrüger mir zwei Screenshots, die beide echt sind, um mir den Nepp zu verkaufen.

  • Der erste Screenshot zeigt ein bereits geschlossenes Ticket vonseiten Steams, wo er vermeintlich versucht hat, sein »Problem« über die Plattform selbst zu lösen.
  • Der zweite Screenshot zeigt eine von ihm vorbereitete E-Mail an eine Steam-Support-Adresse mit meinem Screenshot des leeren Handelsverlaufs. Die hat er als Entwurf vorbereitet, um mir zu vermitteln, dass er willens sei, das Problem auf der Stelle zu lösen.

Steam-Ticket Ich gehe davon aus, dass dieses Ticket wirklich existiert oder es glaubwürdig gefälscht ist. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

E-Mail-Entwurf Das hier zeigt den Entwurf der E-Mail des Betrügers, die er vermeintlich an Steam schicken wollte. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Letzter Teil Chatverlauf Natürlich hab ich ihn wissen lassen, dass er aufgeflogen ist. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Im Zuge der Screenshots nannte mir der Betrüger außerdem eine E-Mail-Adresse – die sich als falsch herausstellen sollte.

Was hat mich jetzt also schlussendlich stutzig werden lassen? Zwei Dinge:

  1. Obwohl die beiden Nachrichten mit den Screenshots relativ viel Text enthalten, habe ich gesehen, wie der Betrüger sie kurz hintereinander geschickt hat. Logo, die hat er kopiert und eingefügt und nicht getippt.
  2. Aus gutem Willen nennt mir ein Fremder keine E-Mail-Adresse. Wenn ich auf meine alten Tage eines gelernt habe, dann dass man niemals den Anhang fremder E-Mails herunterlädt, auf unbekannte Links klickt – oder Mails an unbekannte E-Mail-Adressen schickt.

Video starten 24:22 Lohnt sich der neue Steam-Hit jetzt schon?

Also habe ich in Google nach der Mailadresse gesucht und siehe da: Es war ein Scam. Im April 2025 ist einem Steam-Benutzer dasselbe passiert und er fragte im Steam-Forum nach. Der Betrug ist zumindest insofern bekannt, als dass der Steam Support ihn selbst auf seiner FAQ-Seite führt.


Noch so ein Betrug: Letztes Jahr haben Bots auf WhatsApp versucht, an meine Daten zu kommen. Ich habe mitgespielt und konnte euch so vor einem (zugegeben: dämlichen) Scam warnen. Und Kollege Patrick wurde auch versucht, sein Steam-Account abzunehmen. Und er wäre fast drauf reingefallen.


Abschließend nenne ich euch noch Warnzeichen, damit ihr nicht auf Personen reinfallt, die euch Böses wollen.

  • Betrüger werden immer versuchen, euch in Panik zu versetzen, damit ihr unüberlegt handelt. Sie werden immer eine Art Dringlichkeit vorgeben (»schnell, bevor es zu spät ist«).
  • Fake-Support-Adressen sind beliebt, um an eure Daten zu kommen. Sie sehen echt aus und suggerieren falsche Sicherheit. Schickt niemals etwas an euch unbekannte E-Mail-Adressen.
  • Betrüger greifen gerne zu verwirrenden Geschichten, damit ihr nicht richtig durchsteigt. Indem sie sich selbst als Opfer ausgeben oder Reue bekunden, sollt ihr Mitleid haben.

Ich habe den Spieß umgedreht und den Steam-Account des Betrügers gemeldet. Womöglich ist das nicht einmal sein eigener.

Gebt auf euch acht da draußen. Einen Internetführerschein gibt es nicht, aber wenn dieser Artikel nur eine Person und ihren Steam-Account schützt, war es den Aufwand mehr als wert. Wer einmal gehackt wurde, weiß, wie hundsmiserabel sich das anfühlt.

Stay safe!


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