Er nutzte unerlaubt eine smarte Brille vor Gericht – dann kam der Ton plötzlich aus dem Handy-Lautsprecher und die Richterin reagierte

Ein Zeuge ließ sich in einem britischen Insolvenzverfahren per smarter Brille live durch die Befragung coachen. Als die Stimme aus seinem Handy ertönte, verwarf die zuständige Richterin seine gesamte Aussage.

Googles smarte Brille kann bei Bedarf übersetzen. Etwas Ähnliches nutzte ein Zeuge in einem Insolvenzverfahren – zu seinem Nachteil. (Bildquelle: Google) Googles smarte Brille kann bei Bedarf übersetzen. Etwas Ähnliches nutzte ein Zeuge in einem Insolvenzverfahren – zu seinem Nachteil. (Bildquelle: Google)

Im Januar 2026 fand vor dem Insolvency and Companies Court (ICC) in London eine Anhörung statt, die mit einem Urteil über die Liquidation einer litauischen Gesellschaft enden sollte.

Der als Zeuge geladene Mitinhaber des Unternehmens Laimonas Jakštys wollte das Unternehmen von der Insolvenzkartei streichen lassen und die Kontrolle darüber zurückgewinnen.

ICC-Richterin Agnello KC beobachtete anschließend etwas Ungewöhnliches: »Gleich zu Beginn seiner Kreuzbefragung schien er bei seinen Antworten auf die gestellten Fragen ziemlich häufig zu pausieren«, hielt die Richterin in ihrem schriftlichen Urteil fest, über das das juristische Fachportal Legal Futures sowie 404media berichteten.

Die Verteidigerin Sarah Walker bat daraufhin, Jakštys möge seine Brille abnehmen. Sie sei sich bewusst, dass es smarte Brillen gebe und habe Störgeräusche aus seiner Richtung vernommen. Auch die anwesende litauische Dolmetscherin bestätigte, Stimmen aus der Brille zu hören.

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Das Handy verriet den Rest – »Abra Kadabra« als Anrufer

Die Richterin wies Jakštys an, die Brille abzunehmen. Kurz darauf ereignete sich der entscheidende Moment:

Als die Dolmetscherin gerade dabei war, eine Frage zu übersetzen, begann Mr. Jakštys' Mobiltelefon laut mit einer sprechenden Stimme zu übertragen. Es war eindeutig jemand am Telefon, der mit Mr. Jakštys sprach.

Auf Anweisung der Richterin wurden sowohl die smarte Brille als auch das Mobiltelefon dem Anwalt des Zeugen übergeben.

  • Das Anrufprotokoll zeigte, dass zahlreiche Anrufe einer als »abra kadabra« gespeicherten Nummer exakt in jenen Zeiträumen eingingen, in denen Jakštys auf dem Zeugenstuhl saß.
  • Auf die Frage der Richterin nach der Identität dieser Person antwortete Jakštys, es handle sich um einen Taxifahrer. Warum ein Taxifahrer ihn wiederholt während seiner Aussage anrufe, konnte er nicht erklären.

»ChatGPT hat das gemacht«: Eine Erklärung ohne Glaubwürdigkeit

Jakštys bestritt in der Anhörung, die Brille genutzt zu haben, um Antworten empfangen zu haben. Er behauptete zudem, sein Mobiltelefon sei gestohlen worden, doch einen Polizeibericht dazu konnte er nicht vorlegen.

  • Für das Ertönen der Stimme aus seinem Handy (nachdem die Brille abgenommen worden war) lieferte Jakštys eine Erklärung, die die Richterin explizit in ihr Urteil aufnahm: Er habe gedacht, es sei ChatGPT gewesen, das die Stimme verursacht habe.
  • »Das entbehrt jeder Glaubwürdigkeit«, kommentierte Richterin Agnello knapp, wehsalb sie kurzerhand die gesamte Zeugenaussage von Jakštys verwarf.

Für Laimonas Jakštys hatte das Verfahren auch deshalb kein gutes Ende. Sein erwähntes Ziel, das Insolvenzverfahren gegen seine Gesellschaft abzuwenden und die Kontrolle über das Unternehmen zurückzugewinnen, ist mit der Verwerfung seiner gesamten Zeugenaussage auf ganzer Linie gescheitert.

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