Bei Smartphones scheint ein Nischen-Feature vergangener Jahre bei einigen chinesischen Herstellern ein Comeback zu feiern: Objektive für Handys.
Ich habe selbst neulich das Vivo X Fold 6 mit optionalem Tele-Objektiv getestet und dabei nicht schlecht gestaunt. Vor vielen Jahren wagte Sony ein ähnliches Experiment, das allerdings scheiterte. Dieses Mal stehen die Sterne günstiger.
Das Handy als ernsthafte Alternative zur Systemkamera
Wer Innovation im Handy-Markt sucht, muss einen Blick in den fernen Osten werfen. Die Smartphones aus China überbieten sich Jahr zu Jahr mit neuen Features und Ideen, die sie von der Masse herausstechen lassen. Es ist deswegen geradezu ironisch, dass so viele Design- und Software-Ansätze von Apple kopiert werden – aber das ist ein anderes Thema.
Derzeit stellen immer mehr Hersteller optionale Objektive für ihre Flaggschiff-Modelle vor. Sie erweitern die Flexibilität der Smartphone-Kameras erheblich oder sorgen für eine bessere Bildqualität. Weil die Objektive für die Handys maßgeschneidert entwickelt wurden, funktionieren sämtliche Funktionen, wie etwa Bildstabilisierung und Autofokus.
Vivo mit 200-mm-Zeiss-Konverter: Vivo arbeitet eng mit Carl Zeiss zusammen. Für einige ihrer Smartphones ist ein Telekonverter verfügbar, der mit dem deutschen Hersteller zusammen entwickelt wurde. Mit diesem wird eine Brennweite von 200mm erreicht. Das entspricht etwa einem 8,3x-Zoom.
Die Bildqualität war mit meinem Testmuster vom Vivo X Fold 6 beeindruckend. Die digitale Vergrößerung auf 400 und 800 mm war bei den meisten Fotos immer noch ansehnlich. Irrwitzige 1.600 mm sind zwar auch möglich, aber von Bildqualität ist bei dieser Vergrößerungsstufe nicht mehr viel übrig.
Oppo mit 300-mm-Hasselblad-Konverter: Oppo setzt noch einen drauf und bietet mit einem 300-mm-Telekonverter eine noch größere optische Vergrößerung. Die Linse wurde in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Kamerahersteller Hasselblad entwickelt. Das Objektiv ist so groß, dass es sogar mit einer Stativschelle kommt, wie man sie von großen Teleobjektiven für Systemkameras kennt.
Huawei packt eine ganze Kamera auf die Rückseite: Huawei geht noch einen Schritt weiter. Das neue Ruiying-Z10-Modul ist eine ganze Sensor-Objektiv-Kombination, die auf die Rückseite des Huawei Mate 90 Pro Max gesteckt wird:
- Das Add-On nutzt die Energie und Rechenleistung vom Handy.
- Es wird zwar auf das Kameramodul des Handys geschraubt, verwendet aber einen eigenen Bildsensor im 1-Zoll-Typ-Format und 50 Megapixeln.
- Die Brennweite beträgt 9,1 bis 91 mm, was im Vollformat 24 bis 240 mm entspricht. Es bietet also einen optischen 10-fach-Zoom.
- Die maximale Blende ist mit F2.0 verhältnismäßig groß. Zoomt man auf 240 mm verkleinert sie sich auf F/4.5.
- Umgerechnet soll das Modul 900 US-Dollar kosten.
Das Modul von Huawei wird zweifellos eine Bildqualität liefern, die von den meisten Handys nicht erreicht werden kann. Dafür ist es eben auch ein ziemlicher Klotz, der an das Handy gepackt wird.
Der Preis ist zwar hoch, allerdings vergleichbar mit dedizierten Kameras mit ähnlicher Ausstattung. Die Sony RX100 VII kostet etwa 1.200 Euro, ist ebenfalls mit einem 1-Zoll-Typ-Sensor ausgestattet und bietet ein Objektiv mit 24 bis 200 mm. Die Blende ist mit F/2.8 bis F4.5 sogar eine ganze Stufe kleiner.
Für uns in Europa ist das neue Huawei-Handy wohl weniger spannend, da es ohne Google-Dienste kommt. Es ist jedoch ein Zeichen, das nicht ignoriert werden sollte: Handys können optional zur Systemkamera werden.
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Sony wagte vor vielen Jahren einen Versuch
Die Idee, ganze Objektive an die Rückseite von Smartphones zu packen, ist nicht neu. Vor etwa 12 Jahren wagte Sony einen Versuch, der leider nicht besonders erfolgreich war, obwohl die Geräte technisch sehr interessant waren.
Die Sony-QX-Kameras verbunden sich kabellos mit Smartphones, weshalb man sie nicht zwingend auf die Rückseite von Handys packen musste. (Bildquelle: Sony)
Die Objektive wurden per Klammer auf die Rückseite von Handys installiert. Sie waren nicht proprietär und konnten mit unterschiedlichen Smartphones kabellos verbunden werden. Im Grunde handelte es sich bei den Geräten um autonome Kompaktkameras, die sich per Wi-Fi mit Handys verbinden.
Das QX10-Modell bot einen optischen Zoom von 25 bis 250 mm – nahezu der gleiche Brennweiten-Bereich wie beim neuen Huawei Ruiying Z10. Besonders spannend war aber das QX1-Modell. Das bot einen 20-Megapixel-APS-C-Sensor und den E-Mount-Anschluss. Das kleine Gerät verwandelte praktisch jedes Smartphone in eine Systemkamera.
Das Sony QX-1 lieferte einen 20-Megapixel-APS-C-Sensor für Smartphones und die Möglichkeit alle E-Mount-Objektive zu verwenden. (Bildquelle: Sony)
Das Problem: Die Nutzung der Module war umständlich, langsam und unhandlich. Noch dazu kam, dass Smartphone-Kameras in dieser Zeit sich rasant verbessert haben und diese optionalen Objektive an Reiz verloren.
Obwohl ich selbst erlebt habe, wie gut die neuen Smartphone-Objektive sind, frage ich mich, ob sie jetzt endlich Fuß fassen können. Fotografie-Fans werden sicherlich lieber zu einer richtigen Kamera greifen wollen und für Smartphone-Fotografen und -Fotografinnen sind optionale Objektive vielleicht zu umständlich.
Was haltet ihr davon, dass immer mehr Hersteller externe Objektive für ihre Smartphones anbieten? Ist das die Zukunft der Smartphone-Fotografie, ein Gimmick oder etwas dazwischen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!



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