Software-Forscher über die Speicher-Krise: »Wir haben gerade 20 Jahre Fortschritt zerstört«

Informatik-Professor Daniel Lemire hat die historische Preiskurve für Arbeitsspeicher nachgerechnet. Sein Ergebnis: RAM kostet pro Einheit wieder so viel wie 2007 – ein beispielloser Fall.

Arbeitsspeicher ist so teuer wie zuletzt vor knapp zwei Jahrzehnten. (Bildquelle: Crucial) Arbeitsspeicher ist so teuer wie zuletzt vor knapp zwei Jahrzehnten. (Bildquelle: Crucial)

Seit dem Sommer 2025 kennt der Speichermarkt nur eine Richtung. Die Analysten von J.P. Morgan Global Research veranschlagt für DRAM bis Ende 2026 ein Plus von mehr als 400 Prozent gegenüber Anfang 2024. Daniel Lemire, Informatik-Professor an der Université du Québec, legte die historische Preiskurve neben die aktuellen Marktdaten.

Sein Befund: Rund zwei Jahrzehnte Fortschritt seien gerade zunichtegemacht worden, pro Einheit koste RAM ungefähr so viel wie 2007. Eine vergleichbare Umkehr kenne er aus der Technikgeschichte nicht.

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Ein Performance-Forscher rechnet den Speichermarkt nach

Lemire ist außerhalb der Speicherbranche vor allem als Entwickler von »simdjson« bekannt, einem JSON-Parser, der Datenformate über SIMD-Befehle zerlegt. Sein Fachgebiet ist Software-Performance – Speicher ist also das Material, mit dem er täglich hantiert.

In diesem Kontext stellt der Forscher die Frage, was die Verteuerung für die Bauweise von Software bedeutet und kommt dabei auf zwei Auswege: Es werden sparsamere KI-Systeme vonnöten – oder Verfahren, die sehr viel mehr Speicher sehr viel schneller fertigen.

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Die Daten stammen vom Stanford DAM Project, der den monatlich günstigsten Consumer-Riegel bei Amazon als Marktboden hernimmt. DDR5 liegt dort bei 11,41 bis 13,28 US-Dollar je GByte.

Erfasst wird das billigste Angebot, das laut dem Projekt oft an einer auslaufenden Generation im Abverkauf hängt. Je nachdem, wie ihr rechnet, landet ihr an zwei Punkten der Vergangenheit:

  • Ohne Inflationsbereinigung führt die Spanne ins Jahr 2008 zurück. Damals lief DDR2-800 mit 6,4 GByte/s je Kanal, DDR5-6000 schafft rund 48 GByte/s.
  • Inflationsbereinigt auf US-Dollar von 2024 sinkt die Spanne auf 10,94 bis 12,74 US-Dollar – ein Niveau, das zuletzt DDR3 im Jahr 2011 hielt (via Tom's Hardware).

Schlechte Nachrichten für PC-Spieler: Aktuelle Prognosen legen nahe, dass wir uns noch viele Jahre gedulden müssen, bis die RAM-Krise sich bessert


Ungleiches Plus: 20 Prozent Produktion gegen 200 Prozent Nachfrage

Die Ursache ist die vielzitierte Verschiebung der Prioritäten bei Speicherherstellern: SK Hynix, Samsung und Micron kümmern sich bevorzugt um die Fertigung von HBM-Speicher (»High Bandwidth Memory«). Der gestapelte Speicher ist für KI-Beschleuniger elementar wichtig und obendrein für die Firmen massivst profitabel.

  • Lemire zitiert in diesem Kontext den SpaceX-Bilanzbericht, laut dem die Speicherproduktion um 20 Prozent jährlich ansteigt.
  • Die Nachfrage wachse im selben Zeitraum aber um 200 Prozent – das Angebot kommt entsprechend nicht hinterher, sodass Privatkunden vor den explodierenden Preisen stehen.

Neue Fertigungslinien sollen indes nicht vor Ende 2027 an den Start gehen. Angesichts der obigen Eigenschaften der aktuellen Krise bleibt abzuwarten, ob bis dahin einer von Lemires beschriebenen Auswegen beschritten wird – oder ob wir uns hier auf ein neues »Normal« einstellen müssen.


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