Als echter Astro-Fan besitze ich selbstredend ein gutes Teleskop, aber Bilder schießen vermied ich lange. Astrofotografie gilt nicht umsonst als eines der aufwendigsten und teuersten Hobbys überhaupt. Mir war das alles zu kompliziert. Zumindest, bis ich durch Zufall auf Smart-Teleskope stieß, die den Prozess enorm vereinfachen.
Diese kleinen Geräte gewähren einen ganz neuen Zugang zu den Sternen: Sie zeigen in Echtzeit, wie das Bild auf dem Handy-Display zu einem kleinen Kunstwerk heranwächst. Selbst in der hell überstrahlten Stadt sind Aufnahmen möglich, wobei in dem Fall ein Filter zu empfehlen ist, der die Lichtverschmutzung aussiebt.
Vom Stativ zum Stern
Das Prinzip, auf dem diese Geräte beruhen, ist nicht neu. Erfahrene Astrofotografen stapeln seit Jahrzehnten unzählige Aufnahmen derselben Region des Nachthimmels nachträglich per Software, um das schwache Licht ferner Galaxien, Nebel und Sternhaufen sichtbar zu machen. Diese Methode nennt sich Stacking.
Smart-Teleskope übernehmen diesen Prozess automatisch. Sie schießen je nach Zeitaufwand hunderte, wenn nicht gar tausende Aufnahmen, legen sie übereinander und liefern dadurch beeindruckende Bilder, die sich direkt ans Smartphone übertragen lassen. Bei den etwas teureren Geräten sogar an bis zu vier Handys und Tablets gleichzeitig.
Der günstige Einstieg: 130 bis 500 Euro
Ich will niemandem etwas vormachen: Auch mit Smart-Teleskopen ist dieses Hobby nicht günstig. Aber es gibt Einsteigergeräte wie etwa das Vaonis Hestia oder das Dwarf 3 von Dwarflab, welche Brücken schlagen und Neugierde wecken.
Das Vaonis Hestia ist im Grunde nur ein spezielles Objektiv im Kastenformat samt einer Linsen-Öffnung. Legt man dort das eigene Handy auf, dann bündelt es das Licht und nutzt die Smartphone-Kamera zum Fotografieren.
Eine zugehörige App hilft, interessante Objekte zu finden. Ausrichten muss man das Gerät jedoch selbst, wodurch keine Langzeitaufnahmen möglich sind – sie würden durch die Erdbewegung verschwimmen und Spuren ziehen.
Für dunkle Deep-Sky-Objekte ist Hestia also ungeeignet, aber wer Mondfotos machen oder im Sommer 2026 die totale Sonnenfinsternis in Spanien dokumentieren will (die in Deutschland die Sonne immerhin zu rund 85% abdunkeln wird), findet hier ein unkompliziertes Werkzeug, das schon ab 130 Euro zu haben ist. Im Bundle mit Stativ und einem Sonnenfilter kostet es knapp über 300 Euro.
Das Dwarf 3 von Dwarflabs automatisiert bereits den Prozess. Es geht nicht um ein echtes Teleskop, vielmehr um eine extravagante automatische Kamera in Handtaschengröße, mit der man mitunter Natur-Fotografie betreiben kann. Auch dunkle Himmelsobjekte kann man damit ablichten, weil sich das Gerät mit dem Himmel dreht, um Langzeitaufnahmen zu machen.
Ohne ein langes Objektiv mit ordentlicher Brennweite bleiben die Bilder von Nebeln und Sternhaufen leider klein, trotz 4K Auflösung. Zudem ist das Dwarf 3 nicht sonderlich einsteigerfreundlich, da es viele manuelle Einstellungen für Belichtungszeit und Restlichtverstärkung benötigt.
Wer die Geduld für ein wenig Einfummeln mitbringt, bekommt für 519 Euro ein vielseitiges Hybridgerät.
Für echte Astro-Fans: 500 bis 2800 Euro
Echte Smart-Teleskope bekommt man schon ab rund 500 Euro. Die beiden prominentesten Anbieter sind die chinesische Firma ZWO, die für ihre breite Palette an Astro-Zubehör bekannt ist, sowie das französische Start-Up Vaonis.
Beide arbeiten mit einem sehr ähnlichen Konzept:
- Ihr erhaltet ein kleines, automatisch arbeitendes Teleskop, das mit einer Öffnung von 50mm und einer Brennweite von 250mm keine Bäume ausreißt.
- Für Planetenfotografie ist das beispielsweise viel zu wenig. Aber sie sind darauf optimiert, Deep-Sky-Objekte wie Nebel, Galaxien und Sternhaufen selbsttätig zu finden, lange zu verfolgen, abzulichten und Bilder zu stapeln.
- Die Ergebnisse landen in Echtzeit als JPEG auf dem Handy. Auch Mond- und Sonnenbilder (per Sonnenfilter) werden hervorragend.
Man steuert diese Geräte per Handy-App, die anhand von GPS-Position, Datum und Uhrzeit geeignete Motive empfiehlt. Per eingebautem Sternenatlas kann man auch selbst nach Motiven suchen und sie im sogenannten Pro-Modus nach eigenen Kriterien aufnehmen lassen - etwa mit längerer Belichtungszeit.
Smart und flexibel
Wie es sich für Smart-Geräte gehört, liegt ihr Vorteil in den Software-Updates. ZWO hat beispielsweise für die Modelle Seestar S50 (ca. 700 Euro) und das günstigere Seestar S30 (ca 470 Euro) einen Mosaik-Modus nachgereicht, mit dem mehrere nebeneinanderliegende Zonen zu einem großen Bild zusammengefügt werden.
Ein großer Fortschritt, denn mit seinen 2,1 Megapixeln (Full-HD) im Hochkant-Format ist das Seestar nicht in der Lage, größere Objekte wie etwa die Andromeda-Galaxie auf einer Einzelaufnahme festzuhalten.
Der Mosaik-Modus hebt die Auflösung durch diesen Trick auf 8 Megapixel an. Allerdings dauert die Ablichtung deutlich länger, produziert öfter misslungene Fotos, die aussortiert werden, und kämpft mit mehr Artefakten durch Dithering (eine Form der digitalen Verpinselung von Farbverläufen).
Die Apple-Erfahrung der Sternenfotografie
Der französische Konkurrent Vaonis ist mit seinem Gerät namens Vespera II schon etwas weiter. Dessen Sony-Chip verfügt von Haus aus über 8,3 Megapixel und nutzt das Breitbild-Format in UHD. Daraus werden im Mosaik-Modus stolze 24 Megapixel.
Selbst den besonders großen Nordamerika-Nebel bekommt man damit locker aufs Bild. Notfalls im Rahmen einer mehrere Nächte umfassenden Sitzung, deren Unterbrechungen man in der App einplant. Obendrein ist die Verarbeitung der Hardware edler und dank eines Aluminium-Getriebes widerstandsfähiger.
Generell hat Vaonis bei vielem die Nase vorn: Die Kamera arbeitet zuverlässiger, das Gerät fährt seit dem jüngsten Update schneller hoch und die gesamte Erfahrung mit der App ist trotz Profi-Optionen so streamlinig wie bei einem Apple-Produkt.
Unterm Strich hat Vaonis also klar das bessere Smart-Teleskop. Dafür ist es erheblich teurer: 1600 Euro gehen dafür drauf – ohne Dual-Band- oder Sonnenfilter. Sinnvolles Zubehör, das die Konkurrenten ZWO und Dwarflabs kostenlos mitliefern. Vaonis lässt sie sich – nach Apple-Vorbild – leider vergolden.
Schade, denn das ist nicht die einzige Schwäche des Geräts. Der Sternenatlas der App könnte schöner gestaltet sein und temporäre Ereignisse wie Kometen oder eine Mondfinsternis werden leider nicht hervorgehoben. Man muss sie manuell einfangen, indem man Koordinaten eingibt. Aber das wird sich sicher bald ändern, die Konkurrenz macht schließlich Druck.
25 GByte interner Speicher sind derweil wenig, wenn man bedenkt, dass Vespera II nicht nur JPEGS ans Handy schickt, sondern auch Rohbilder im Profi-Format FITS ablegt, damit man sie nachbearbeiten kann.
Wer in dieser Hinsicht mehr will, etwa noch feinere Auflösung, rund das Zehnfache an Speicher und deutlich längere Batterielaufzeit, darf für 2800 Euro das Vespera Pro erwerben.
Noch nicht ganz himmlische Perfektion
Die smarte neue Welt hat einen Haken: So überzeugend die Ergebnisse dieser Geräte sind, sie erreichen noch nicht das Niveau der klassischen manuellen Astrofotografie.
Die automatische Softwarebearbeitung steht etwa 15 Jahre hinter dem Know-How, mit dem erfahrene Astrofotografen Meisterwerke aus ihren Rohdaten herausholen, weil das Post-Processing nicht individuell für jedes Objekt ausgelegt wird.
Zwar speichern Vespera und Seestar ihre Aufnahmen bereits im professionellen FITS-Format, doch die letzten Schritte der Nachbearbeitung bleiben oberflächlich. Vielleicht kann eine KI irgendwann die Lücken füllen.
Wer maximale Qualität will, darf die Rohdaten allerdings in Programme wie Deep Sky Stacker oder Siril (beide kostenlos) oder in die Profi-Software PixInsight (rund 300 Euro) laden. Nach ein wenig Feinarbeit entstehen so Bilder, die selbst mit denen aus sündhaft teurer Profiausrüstung mithalten.
Links ein eingepasstes, unbearbeitetes Bild der Andromeda-Galaxie nach etwa 90 Minuten Aufnahmezeit mit Vespera 2. Das rechte Bild ist eine größere Mosaik-Aufnahme mit dem gleichen Gerät, die viel länger dauerte und zusätzlich mit dem Programm Pixinsight verbessert wurde.
Der Automatisierung der Astrofotografie stehen noch ein paar Evolutionsschritte bevor, doch die Richtung ist klar: Der Himmel gehört bald nicht mehr nur den Profis.
Wer weiß, was in fünf Jahren möglich sein wird, wenn schon jetzt sehr gute Ergebnisse zustande kommen, die man gerne mit Freunden und der Familie teilt.


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