Hardware-Legende hat für seine neue Firma einen einfachen Plan: Er will das Gegenteil von Nvidia machen

Chip-Architekt Jim Keller, bekannt für AMD Athlon 64 und Apple A4, führt mit Tenstorrent einen Angriff auf den KI-Markt. Seine Strategie: Günstige, offene Standards statt teurer proprietärer Lösungen.

AMD-Legende Jim Keller verfolgt im Kampf um KI-Marktanteile einen einfachen Plan. (Bildquelle: Wikimedia Commons Tenstorrent) AMD-Legende Jim Keller verfolgt im Kampf um KI-Marktanteile einen einfachen Plan. (Bildquelle: Wikimedia Commons / Tenstorrent)

Jim Keller gilt als eine der einflussreichsten Figuren der Halbleiterindustrie. Der 1958 geborene Ingenieur prägte mit seinen Entwicklungen mehrere Generationen von Prozessoren und war dabei bei mehreren großen Tech-Unternehmen angestellt. Seine Karriere begann bei DEC, wo er an der Entwicklung der Alpha-Prozessoren beteiligt war.

  • Bei AMD verantwortete Keller die revolutionäre K8-Architektur, die mit dem Athlon 64 erstmals 64-Bit-Computing für Verbraucher ermöglichte.
  • Nach Stationen bei Apple, wo er die ersten iPhone-Chips A4 und A5 mitentwickelte, und einem erfolgreichen Comeback bei AMD mit der Zen-Architektur (mit Mike Clark als Chefentwickler), führte ihn sein Weg über Tesla und Intel schließlich zu Tenstorrent.

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Tenstorrent: Die Anti-Nvidia-Strategie

Seit Januar 2021 ist Keller CEO des kanadischen AI-Startups Tenstorrent. Das Unternehmen verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als der Marktführer Nvidia und hat eine einfache, wenn auch etwas eigenwillige Maxime: »Lasst uns einfach eine Liste von Nvidias Angeboten erstellen und wir machen das Gegenteil«, fasste Keller seine Philosophie gegenüber der EE Times zusammen.

Als Beispiel nennt der Tenstorrent-CEO GDDR6-Speicher und Standard-Ethernet, das sich im jüngst präsentierten »Blackhole« wiederfindet. Nvidia setzt hingegen auf HBM-Speicher sowie die proprietäre »NVLink«-Verbindung.

  • Kellers zeigt sich überzeugt, dass »Ethernet gut funktioniert; kleinere und günstigere Chips eine kluge Wahl sind«: HBM kostet etwa das Fünffache von Standard-DRAM und doppelt so viel wie GDDR6.
  • Nvidia könne laut Nvidia durch seine HBM-Abhängigkeit niemals die Preise senken, während Tenstorrents GDDR6-Ansatz Skalierungsvorteile ermöglicht.

Nvidias Marktdominanz – und Kellers Einwände

Nvidia kontrolliert derzeit zwischen 70 und 95 Prozent des AI-Chip-Markts (via CNBC). Das Unternehmen erzielte 2024 einen Marktwert von über 3 Billionen US-Dollar und wurde damit zeitweise zum wertvollsten Unternehmen der Welt.

Doch Keller sieht schon seit längerem Schwächen in Nvidias Ansatz. Er kritisierte CUDA in einem X-Beitrag im Februar 2024 als »Sumpf, nicht als Wassergraben« und verwies auf die hohen Kosten proprietärer Technologien – einer Kritik, die er mit dem erwähnten offenen Blackhole-Ansatz Taten folgen lässt. Mehrere prominente Unterstützer stehen dabei an seiner Seite:

  • Ende 2024 sammelte Tenstorrent in einer Finanzierungsrunde 693 Millionen US-Dollar ein und erreichte dabei eine Bewertung von 2,6 Milliarden US-Dollar. An der Runde beteiligten sich prominente Investoren wie Samsung Securities, LG Electronics, Hyundai Motor Group und Amazon-Gründer Jeff Bezos.
  • Das Unternehmen plant, die Mittel für die Entwicklung von Open-Source-Software, die Einstellung weiterer Entwickler und den Ausbau globaler Designzentren zu nutzen. Bereits jetzt hat Tenstorrent eigenen Angaben zufolge Verträge im Wert von etwa 150 Millionen US-Dollar abgeschlossen.
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