Jim Keller gilt als eine der einflussreichsten Figuren der Halbleiterindustrie. Der 1958 geborene Ingenieur prägte mit seinen Entwicklungen mehrere Generationen von Prozessoren und war dabei bei mehreren großen Tech-Unternehmen angestellt. Seine Karriere begann bei DEC, wo er an der Entwicklung der Alpha-Prozessoren beteiligt war.
- Bei AMD verantwortete Keller die revolutionäre K8-Architektur, die mit dem Athlon 64 erstmals 64-Bit-Computing für Verbraucher ermöglichte.
- Nach Stationen bei Apple, wo er die ersten iPhone-Chips A4 und A5 mitentwickelte, und einem erfolgreichen Comeback bei AMD mit der Zen-Architektur (mit Mike Clark als Chefentwickler), führte ihn sein Weg über Tesla und Intel schließlich zu Tenstorrent.
6:45
Date Everything: Wir treffen unsere singende Dusche Johnny Splash
Tenstorrent: Die Anti-Nvidia-Strategie
Seit Januar 2021 ist Keller CEO des kanadischen AI-Startups Tenstorrent. Das Unternehmen verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz als der Marktführer Nvidia und hat eine einfache, wenn auch etwas eigenwillige Maxime: »Lasst uns einfach eine Liste von Nvidias Angeboten erstellen und wir machen das Gegenteil«, fasste Keller seine Philosophie gegenüber der EE Times zusammen.
Als Beispiel nennt der Tenstorrent-CEO GDDR6-Speicher und Standard-Ethernet, das sich im jüngst präsentierten »Blackhole« wiederfindet. Nvidia setzt hingegen auf HBM-Speicher sowie die proprietäre »NVLink«-Verbindung.
- Kellers zeigt sich überzeugt, dass »Ethernet gut funktioniert; kleinere und günstigere Chips eine kluge Wahl sind«: HBM kostet etwa das Fünffache von Standard-DRAM und doppelt so viel wie GDDR6.
- Nvidia könne laut Nvidia durch seine HBM-Abhängigkeit niemals die Preise senken, während Tenstorrents GDDR6-Ansatz Skalierungsvorteile ermöglicht.
Nvidias Marktdominanz – und Kellers Einwände
Nvidia kontrolliert derzeit zwischen 70 und 95 Prozent des AI-Chip-Markts (via CNBC). Das Unternehmen erzielte 2024 einen Marktwert von über 3 Billionen US-Dollar und wurde damit zeitweise zum wertvollsten Unternehmen der Welt.
Doch Keller sieht schon seit längerem Schwächen in Nvidias Ansatz. Er kritisierte CUDA in einem X-Beitrag im Februar 2024 als »Sumpf, nicht als Wassergraben« und verwies auf die hohen Kosten proprietärer Technologien – einer Kritik, die er mit dem erwähnten offenen Blackhole-Ansatz Taten folgen lässt. Mehrere prominente Unterstützer stehen dabei an seiner Seite:
- Ende 2024 sammelte Tenstorrent in einer Finanzierungsrunde 693 Millionen US-Dollar ein und erreichte dabei eine Bewertung von 2,6 Milliarden US-Dollar. An der Runde beteiligten sich prominente Investoren wie Samsung Securities, LG Electronics, Hyundai Motor Group und Amazon-Gründer Jeff Bezos.
- Das Unternehmen plant, die Mittel für die Entwicklung von Open-Source-Software, die Einstellung weiterer Entwickler und den Ausbau globaler Designzentren zu nutzen. Bereits jetzt hat Tenstorrent eigenen Angaben zufolge Verträge im Wert von etwa 150 Millionen US-Dollar abgeschlossen.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.