Leute, überspitzt gesagt habe ich in meiner beruflichen Laufbahn mehr Soundbars gehört als ich Brotscheiben gegessen habe. Aber das habe ich noch nicht erlebt.
Bei der TCL S65K bekommt man für 280 Euro gleich vier Geräte: Soundbar, Subwoofer und zwei Satelliten. Ich war darauf eingestellt, hier Budget-Sound zu bekommen – und wurde eines Besseren belehrt.
TCL S65K: Design und Ersteindruck
Ich wusste ja bereits vor dem Auspacken, was mich erwartet – nämlich vier Geräte für den schmalen Taler. Klar, dass da sicherlich an der Verarbeitung gespart wurde …
… und das ist eine Fehlannahme. Die Chassis aller mitgelieferten Komponenten besteht aus Kunststoff, garniert mit einem Metallgrill, der überraschend viel Platz einnimmt. Also, hier merkt man die 280 Euro nicht; selbst bei 400 oder 500 Euro hätte ich diese Verarbeitung abgekauft. Das erzeugt gleich mal einen guten Ersteindruck
Dass das Setup so ordentlich verarbeitet ist, ist nicht selbstverständlich und zahlt auch in die Klangqualität ein. Um es kurz zu machen:
- Das Material des Gehäuses hat Auswirkung auf den Klang.
- Holz klingt warm, (viel) Metall klingt kalt.
- Billiges Plastik kann bei starker Schallzufuhr – sprich: hoher Lautstärke – vibrieren, was das Klangbild unruhig macht.
Die ersten Pluspunkte hat TCL bei mir eingesackt. Nun das Wichtigste zuerst: die Soundbar. Die ist recht lang, dafür nicht sonderlich tief. Das sorgt für eine initial breitere Klangbühne, aber fehlendem Körper. In dem Fall kein Problem, denn das fängt der Subwoofer zum Teil auf.
- Anschlusstechnisch findet sich auf der Rückseite alles, was man braucht.
- Bedient wird die Soundbar wahlweise per Fernbedienung oder Tasten am Gerät selbst.
Nachstehend seht ihr zudem die Soundbar vor meinem 48-Zoll-TV.
Mit dem Subwoofer habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen. Da sucht ihr zu Recht die Membran des Treibers, die man eigentlich in den meisten sieht. Die sitzt nach unten gerichtet im Gerätekörper; der Schall strömt dann vorne und hinten aus dem Sub.
Das ist nicht optimal. Natürlich, ein Tieftöner steht meist auf dem Boden und strahlt nicht zu 100 Prozent korrekt auf die Zuhörenden, aber hier prallt der Schall erst mal am Plastikboden ab und erst dann an die Ohren. Dadurch rumpeln tiefe Töne mehr als sie müssten. Wieso man das gemacht hat? Keine Ahnung.
An den Satelliten selbst habe ich nichts auszusetzen. Die verrichten ihren Dienst tadellos. In diesem Zusammenhang allerdings noch zwei Aspekte zur Kabelsituation.
- Alle vier Komponenten funken drahtlos miteinander. Hier braucht ihr euch auf keinen Kabelsalat einstellen.
- Allerdings brauchen dadurch alle vier auch ihre eigene Stromzufuhr. Das kann je nach Platzierung komplizierter werden, als es klingt.
Unterm Strich kann man optisch und haptisch mit dem Konvolut absolut zufrieden sein, vor allem für den Preis von 280 Euro. Wider Erwarten stecken hier deutlich hochwertigere Geräte im Karton, als man vorher hätte annehmen können.
Am Ende zählt aber vor allem der Klang. Was hat die S65K-Kombo wohl auf dem Kasten?
TCL S65K: So klingt das Setup
Vor dem ersten Soundtest war ich frohen Mutes, denn meinem kritischen ersten Blick hat die S65K standgehalten. Kann der Sound auf diesem Fundament aufbauen?
Kurz und gut: Ja, kann er.
Wenngleich mit Abstrichen.
Eines gleich vorweg: Ich werde den Klang weitestgehend loben. Bedenkt aber, dass wir hier von der Einsteigerklasse sprechen. Eine höherwertige Soundbar oder gar High-End-Modelle werden die S65K in die Tasche stecken. Betrachtet die nachfolgenden Absätze also im Lichte eines Budget-Setups.
Lasst mich zunächst über die Stärken sprechen. Nach der automatischen Raumeinmessung brilliert die Kombo vor allem mit einer sehr guten Räumlichkeit. Kein Wunder, wenn der Klang aus vier Geräten kommt.
Ich habe mir in Christopher Nolans Oppenheimer die Montage angeschaut, in der Oppenheim mit Niels Bohr spricht. Das ist mit einem anschwellenden Orchester-Soundtrack unterlegt. Das schafft die S65K fast ohne Fehl und Tadel, einen großen Anteil am guten Surround-Sound haben natürlich die Rear-Speaker.
2:55
Oppenheimer: Das neue Video zum Nolan-Film will euch überzeugen in IMAX-Kinos gucken zu gehen
Dabei sind mir maßgeblich zwei Dinge aufgefallen:
- Trotz der fordernden Musik sind die beiden Gesprächspartner gut zu verstehen. Dialoge arbeiten Soundbar und Co. also heraus, was für mich immer ein Plus ist.
- Der Bass rumpelt stellenweise ordentlich. Hier fehlt es schlichtweg an Feinabstimmung. Ich habe dann den Bass manuell mittels Fernbedienung an die kurze Leine genommen.
Die Frage aller Fragen ist natürlich, ob die S65K auch Dolby Atmos kann. Ja, aber nur virtuell, sprich: Die Software berechnet die Speaker-Platzierung.
Für den Atmos-Test habe ich natürlich mein allzeit beliebtes Top Gun: Maverick angeschmissen – und ein zweischneidiges Schwert vorgefunden.
- Ja, da kommt kein echter Dolby-Atmos-Klang aus den Boxen, aber im Alltagsgebrauch wird das den wenigsten auffallen. Warum? Weil durch die räumliche Aufteilung der Komponenten viel Surround-Sound aufgefangen wird.
- Der virtuelle Dolby-Atmos-Sound wird nur Hardcore-Heimkino-Fans mit 4K-Blu-ray-Player auffallen – und die greifen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht zu einer 280-Euro-Soundbar.
Was der S65K aber definitiv gutgetan hätte, sind Upfiring-Speaker. Nicht unbedingt für echtes Dolby Atmos, aber um einfach zusätzlich noch ein Quäntchen mehr Räumlichkeit zu bieten. Die sind aber wohl dem Rotstift zum Opfer gefallen.
2:12
Neuer Trailer zu Top Gun 2 bringt Tom Cruise als Maverick zurück
Bleibt schlussendlich noch die Musik. Hier drehe ich der S65K keinen Strick, astreine Musikwiedergabe ist für mich bei Soundbars die Kür und nicht die Pflicht.
Musikwiedergabe würde ich mit einem geschmeidigen »passt schon« quittieren. Lieder kann man sich über die Kombo schon anhören, aber mit den Ohren habe ich nicht geschlackert. Da fehlt dann einfach die qualitative Feinabstimmung, die man für den Preis wirklich nicht erwarten kann.
So habe ich getestet
Die TCL S65K war rund zwei Wochen im Einsatz. Ich habe Filme und Serien geschaut, Spiele gespielt und Musik gehört.
Spezifikationen
- Kanäle: 5.1
- Lautsprecher: 7 Treiber, darunter Center- und Rear-Lautsprecher
- Subwoofer: Separater, kabelloser Subwoofer
- Ausgangsleistung: 630 Watt, maximal
- Audioformate: Dolby Atmos, DTS:X
- Klanganpassung: Automatische Raumkalibrierung per KI über die TCL Home App
- Anschlüsse: HDMI mit eARC, USB, optischer Audioeingang
- Drahtlose Verbindungen: Bluetooth 5.3
- WLAN: Nein
- Abmessungen Soundbar (B x H x T): 850 x 64 x 90 mm
- Abmessungen Subwoofer (B x H x T): 220 x 290 x 330 mm
- Abmessungen Rear-Speaker (B x H x T): 110 x 162 x 120 mm
Preis und Verfügbarkeit
Ihr könnt die TCL S65K für einen Straßenpreis von rund 280 Euro kaufen.
Die TCL S65K ist für euch, wenn …
- … ihr Surround-Sound im Budget-Bereich sucht.
- … ihr ordentlichen Klang zu einem sehr fairen Preis-Leistungs-Verhältnis möchtet.
- … ihr plant, euer erstes Soundsystem zu nutzen und nicht gleich ein Vermögen ausgeben wollt.
Mögliche Alternativen zur TCL S65K:
- Amazon Fire TV Soundbar Plus: Amazons hauseigene Klangstange besitzt ganz ähnliche Stärken, kommt aber als einzelnes Gerät. Auf guten Surround-Sound müsst ihr trotz breiter Klangbühne daher verzichten. Preislich liegt sie bei 270 Euro (zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung ist sie für 175 Euro im Angebot).
- Hisense AX5140Q: Hisenses Soundbar kommt auch im Konvolut mit Subwoofer und Satelliten und bietet die von mir vermissten Upfiring-Speaker. Sie ist wenig subtil und bietet sich vor allem für Actionkino an, auch die Verarbeitung könnte besser sein. Preis: 375 Euro.
Im Budget-Bereich räumt die TCL-Soundbar in meinen Gefilden bisher alles ab. Ist es der beste Sound jemals? Auf gar keinen Fall, aber für 280 Euro (und mehr!) habe ich schon deutlich Schlechteres gehört. Weil die S65K den Spagat zwischen Preis und Leistung so gut hinbekommt, ist mir das einen Award wert. Wenn Budget, dann werde ich bis auf Weiteres auf diese 4-in-1-Kombo verweisen.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.