Falthandys fand ich seit ihrer ersten Vorstellung mit dem Royole FlexPai spannend, auch wenn dieser erste Versuch alles andere als erfolgreich war.
Was mich an den Geräten so sehr reizt, ist schlichtweg die Tatsache, dass ein Tablet – eine Geräteklasse, dich ich selbst liebe – und ein Smartphone in einem Gerät vereint wird, das in die Hosentasche passt.
Leider waren mir die Geräte bei drei wichtigen Features zu sehr mit Kompromissen behaftet, weshalb ich Abstand von dieser Smartphone-Klasse genommen habe.
Nach Jahren der Marktreife haben diese Geräte endlich ein Stadium erreicht, mit dem sie sich nicht mehr vor den etablierten Flaggschiffen verstecken müssen. Wäre da nicht dieser eine riesige Elefant im Raum.
Das Vivo X Fold 6 zeigt mir in welche Richtung es gehen muss
Ich hatte in jüngster Vergangenheit die Gelegenheit das neue Vivo X Fold 6 zu testen. Das Falthandy beweist mir, dass die Zeit von technischen Kompromissen bei Foldables vorbei ist – zumindest zum größten Teil.
Das Handy ist aufgefaltet nur 4,4 Millimeter dünn, was bei einem Falthandy natürlich äußerst wertvoll ist, damit es zusammengeklappt nicht so dick wie ein Eiscreme-Sandwich wird.
Die dünne Bauweise stellt die Entwickler und Entwicklerinnen jedoch vor eine große Herausforderung:
- Akkulaufzeit: Es ist eben weniger Platz für einen dicken Akku verfügbar.
- Kamera: Kamera-Hardware, vor allem die Bildsensoren, benötigen Platz. Je größer die Komponenten sind, desto besser ist die Bildqualität.
- IP-Schutzklasse: Viele Falthandys bieten trotz ihres hohen Preises nicht dieselbe Schutzklasse wie bei gewöhnlichen Flaggschiff-Handys, die weniger kosten. Das ist geradezu ironisch, weil sie bei diesen teuren und vor allem empfindlichen Handys sehr wünschenswert ist.
Genau an diesen drei Punkten zeigt mir das Vivo X Fold 6, dass die Industrie endlich Lösungen gefunden hat:
Akkulaufzeit: Durch enorme Fortschritte in der Akkutechnologie und immer effizientere Chips sind kurze Laufzeiten kein Zwang mehr. Obwohl das X Fold 6 aufgeklappt so extrem dünn ist, hält der Akku ewig durch. In unseren Akku-Benchmarks landet das Gerät sogar in den Top 5 der ausdauerndsten Smartphones – eine echte Ansage für ein Foldable.
PCMark Akku-Benchmark
Poco F9 Ultra
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Kamera: Der Platzmangel war mitunter einer der Hauptgründe, warum Geräte wie das Samsung Galaxy Z Fold 8 oder das iPhone Duo nur mit zwei Kameras auf der Rückseite auskommen müssen.
Doch Innovationen bei der Konstruktion schaffen Abhilfe: Clevere Periskop-Linsen sorgen dafür, dass echte Telebrennweiten nun auch in hauchdünnen Falt-Gehäusen Platz finden. Gepaart mit massiven Software-Verbesserungen, die durch maschinelles Lernen und Algorithmen das Letzte aus den Linsen herausholen, liefern heute selbst die gezwungenermaßen etwas kleineren Bildsensoren herausragende Fotos auf Flaggschiff-Niveau.
IP-Schutzklasse: Während Staub und Wasser früher der sichere Tod für die empfindlichen Scharniere und Displays waren, tut sich auch hier enorm viel.
Das Vivo X Fold 6 ist in dieser Hinsicht mit Zertifizierungen für IP5X (Staub) sowie IPX8 und IPX9 (Wasser) sehr ordentlich aufgestellt. Die Konkurrenz schläft ebenfalls nicht: Das iPhone Duo setzt mit einer vollständigen IP68-Zertifizierung sogar noch einen drauf. Falthandys werden endlich so robust, wie man es bei ihrem Preis erwarten darf.
Mit all diesen Verbesserungen bin ich fest davon überzeugt: Falthandys haben das Potenzial, die absolute Speerspitze der besten Smartphones zu bilden. Der alltägliche Mehrwert, ein vollwertiges Tablet für Medien, E-Mails und Multitasking sowie ein kompaktes Handy in nur einem einzigen Gerät zu haben, ist schlichtweg genial. Eigentlich sollten diese Geräte längst den Weg in die breite Mittelklasse antreten.
Leider gibt es da einen großen Haken.
Der 2.200-Euro-Haken
Obwohl seit dem Release des ersten holprigen Royole FlexPai viele Jahre vergangen sind und die Foldables so langsam genau jene Marktreife erreichen, die für den breiten Mainstream zwingend notwendig wäre, stecken sie fest. Sie sind nie aus der Nische für Luxus-Enthusiasten entkommen.
Das neue Vivo hat mich technisch zwar auf ganzer Linie beeindruckt, aber machen wir uns nichts vor: Ein Preis von 2.200 Euro ist für die allermeisten Menschen schlichtweg utopisch – erst recht für ein Telefon. Und Modelle wie das iPhone Duo rufen sogar noch deutlich höhere Preise auf.
Das Schlimmste daran: Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Die aktuell weiter anhaltende Speicherkrise wird die Hardware-Kosten und damit den generellen Preistrend wohl eher noch weiter nach oben treiben.
Passend zum Thema: Samsung Galaxy Z Fold 8 im Test
Es ist eine frustrierende Situation. Obwohl Foldables alle Voraussetzungen mitbringen, um sich fest im Mainstream zu etablieren, sind es mitunter Einflüsse von außen, die dafür verantwortlich sein könnten, dass sie für immer ein Nischenprodukt bleiben (es ist ein wenig, wie bei Gaming-Handhelds).
Die großen technischen Hindernisse der Anfangsjahre sind schließlich längst aus dem Weg geräumt – wenn man einmal von der sichtbaren Falte im Display absieht, die wohl noch immer bei jedem Falthandy ein unvermeidbarer Dorn im Auge ist.



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