Heizkosten können durch kleine Wärme- oder Kältebrücken am Bauwerk spürbar ansteigen. Das gilt für Häuslebesitzer ebenso wie für Mieter in der Wohnung. Jetzt im Herbst ist die ideale Zeit, um euer Zuhause auf sie zu untersuchen und diese im besten Falle auch direkt zu beseitigen.
Das spart euch nicht nur Geld, sondern beugt auch Schimmel vor. Ich zeige euch hier, wie es geht und was ihr dafür benötigt.
Mit diesem Gadget findet ihr Wärmebrücken am schnellsten!Warum Kältebrücken mehr als nur Heizkosten-Problem sind
Eine Kältebrücke ist, versimpelt gesagt, ein Bereich der Bausubstanz, über den Wärme leichter nach außen gelangt als über die angrenzenden Bauteile.
In der Regel passiert sowas gerne an Zimmerecken, an Betondecken, die bis zur Außenwand reichen, rund um Fenster und Türen oder an einem schlecht gedämmten Rollladenkasten. Auch Lücken oder Fehler in einer Dämmung können solche Bereiche verursachen.
Die logische Konsequenz: Wenn Wärme nach draußen gelangt, gelangt Kälte nach innen – und die Heizkosten steigen.
Das Schimmelproblem ist vielleicht noch wichtiger!
Bei niedrigen Außentemperaturen können Innenflächen im Bereich einer Kältebrücke wesentlich kälter werden als die umliegende Wand. Die warme Raumluft trifft dort auf eine kalte Oberfläche, die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an dieser Stelle steigt.
Tritt zu viel und zu lange eine zu hohe Feuchtigkeit an dieser Stelle auf, dann habt ihr schon bald die kleinen, ekligen Flecken da: Schimmel. Der könnte übrigens schon ansatzweise da sein, bevor ihr ihn überhaupt sehen könnt!
Schimmel sollte immer sofort bekämpft werden!
Schimmel kann die Bausubstanz schädigen und vor allem die Raumluft mit Sporen belasten, was unter anderem Atemwege und Allergien reizen kann. Besonders problematisch sind dauerhaft feuchte Stellen, weil sich Schimmel dort unbemerkt ausbreitet. Irgendwann kann es sogar so weit gehen, dass nur noch eine Spezialfirma ihn wirklich wegbekommt.
Und das ist echt teuer; ich spreche aus Erfahrung. Meine Eltern hatten diesen Fall einmal. Die Kosten waren im hohen vierstelligen Bereich.
Damit findet ihr Kältebrücken und Kälteherde innerhalb von Minuten!So findet ihr Kältebrücken schon in wenigen Minuten
Es gibt einen super einfachen Weg, die Kältebrücken bei euch daheim zu finden: eine Wärmebildkamera. Klingt erstmal teuer, aber im Verhältnis zu den gesparten Heizkosten und dem Thema mit dem Schimmel ist es das in meinen Augen definitiv wert. Zumal Wärmebildkameras mittlerweile erstaunlich günstig sind – es gibt sie sogar als Aufsätze für's Handy:
Mit diesen Wärmebildkameras funktioniert das wunderbar:
- Günstig: Wärmebildkamera für's Handy (iOS & Android kompatibel) mit USB-C
- Günstig: Standalone Wärmebildkamera mit Infrarot-Thermometer und Display
- Mittel: Stand-Alon-Wärmebildkamera mit WiFi, guter Auflösung und Display
- Premium: Handy-Wärmebildkamera von -20 bis 550°C für Gebäude, Elektro und HLK für iPhone und Android
Der Unterschied zwischen günstig und teuer: Teure Wärmebildkameras können geringe Temperaturunterschiede besser feststellen. Bei der teuersten Kamera habt ihr noch dazu ein sehr detailliertes Kamera-Bild, bei dem ihr jeden Gegenstand erkennt. Bei den günstigeren Kameras sind die Bilder eher mal verwaschen.
So funktioniert's: Jeder Körper oberhalb des absoluten Nullpunkts gibt elektromagnetische Strahlung ab. Ein Teil davon liegt im Infrarotbereich, den unsere Augen nicht wahrnehmen können. Eine Wärmebildkamera hat eben einen solchen Infrarotsensor, der diese Strahlung misst und diese in unsere Temperatureinheiten umrechnet. Aus diesen Daten ergibt sich dann das typische Wärmebild in Rot (warm) und blau (kalt).
Ihr könnt also mit der Wärmebildkamera durch euer Zuhause marschieren und alle Orte abklappern. Dort, wo besonders große Unterschiede sind, ist womöglich eine solche Wärmebrücke zu finden
So solltet ihr am besten vorgehen
Am besten guckt ihr bei den jetzigen Temperaturen früh morgens, da die Nächte mittlerweile schon recht kalt sein können. Für den eigenen Heim-Check würde ich zunächst mal an diesen Orten schauen:
- Fensterrahmen und Fensterlaibungen
- Haustür und Terrassentüren
- Rollladenkästen
- Außen- und Raumecken
- Übergänge zwischen Wand, Decke und Dach
- Heizkörpernischen und andere auffällig kalte Wandflächen
- Hinter den Heizkörpern
Gefunden – und jetzt? Die gängigsten Lösungen für Kältebrücken
Bei den folgenden Punkten möchte ich darauf hinweisen, dass jedes Gebäude anders ist und je nach Baubeschaffenheit und Situation die Lösungen nicht einfach blind anzuwenden sind. Ein paar grundsätzliche Dinge, möchte ich aber dennoch dazu sagen.
Fenster und Türen abdichten
Einerseits müsst ihr zwingend zwischen Kältebrücke und Zugluft unterscheiden. Es könnte nämlich sein, dass ihr an einem Punkt eine gewisse Kälte an der Wand oder am Fenster habt, der kalt ist, weil kalte Luft eindringt. Von Tesa gibt's beispielsweise günstig Fenster- und Türdichtungen.
Wichtig: Einfach zusätzlich irgendwo Dichtband aufzukleben, ist nicht der Weg. Zuerst müsst ihr herausfinden, wo die Luft wirklich eindringt und ob die vorhandene Dichtung defekt ist. Moderne Fenster besitzen übrigens definierte Dichtungssysteme; hier würde ich bei Problemen eher einstellen oder fachgerecht erneuern lassen, statt wahllos zusätzliche Schichten einzukleben.
Rolladenkästen
Besonders Rollladenkästen sind gängige Kältebrücken, insbesondere bei älteren Baujahren. Die alten Kästen sind meist schlecht oder gar nicht gedämmt und in vielen Fällen auch gar nicht luftdicht. Hier gibt es beispielsweise von Schellenberg eine dreiteilige Rollladenkasten-Dämmung bei Amazon. Das System besteht aus Dämmplatten für Boden und Deckel sowie einem Mittelteil und lässt sich für vorhandene Kästen zuschneiden. Der Hersteller verwendet Neopor mit einer angegebenen Wärmeleitfähigkeit von 0,032 W/mK.
Achtung bei Styropor: Nicht einfach die Wand zukleben!
Manche Leute empfehlen hinter Heizungen Dämm- oder Abstrahlmaterial, damit die Wärme besser in den Raum dringt und nicht die Wand heizt. Hier ist allerdings Vorsicht geboten! Klebt nicht einfach Styropor an die Wand, da eingeschlossene Feuchtigkeit, Tau-Feuchtigkeit und fehlender möglicher Luftzug ein Garant für Probleme und Schimmel sind.
Mein Fazit: Kleinigkeiten könnt ihr schnell selbst regeln, bei Decken wird's schwierig
Noch schwieriger wird es bei Wärmebrücken an Geschossdecken, Balkonen oder grundsätzlich schlecht gedämmten Außenwänden. Genau an diesem Punkt würde ich aufhören, selbst zu experimentieren, und einen Energieberater oder Fachbetrieb hinzuziehen, da man hier auch durch falsches Dämmen eine Menge Fehler machen kann.
Versucht, die typischen Wärmebrücken an Türen, Fenstern und Rollladenkästen effizient einzudämmen (im wahrsten S inne des Wortes). Manchmal macht schon so eine simple Kleinigkeit wie ein Zugluftstopper an der undichten Haus- oder Balkontüre eine Menge aus.
Und mein bester Rat: Lüftet regelmäßig. Ich weiß, das ist das deutsche Klischee mit dem Stoßlüften, aber da ist sehr viel Wahrheit drin. Wenn ihr nur wenige Minuten am Tag dafür sorgt, dass ein großer Lufttausch stattfindet, dann habt ihr schon das effizienteste Mittel gegen Schimmel angewendet.
Hier geht's nochmal zur günstigen Wärmebildkamera!