In den USA kämpfen Rechte gegen Wikipedia und nehmen dafür jetzt die Freiwilligen dahinter ins Visier

Die Heritage Foundation will Autorinnen und Autoren zum Schweigen bringen, die vermeintlich »ihre Position missbrauchen«.

Freiwillige Autorinnen und Autoren auf Wikipedia sind im Visier eines konservativen Thinktanks. (Bild: Bilal Ulker - adobe.stock.com) Freiwillige Autorinnen und Autoren auf Wikipedia sind im Visier eines konservativen Thinktanks. (Bild: Bilal Ulker - adobe.stock.com)

Einträge auf Wikipedia werden von freiwilligen Autorinnen und Autoren geschrieben und verwaltet. Die stehen nun im Fadenkreuz von Rechten aus den USA. Diese werfen ihnen vor, dass sie mutmaßlich »ihre Position missbrauchen« würden.

Forward beruft sich auf ihnen zugespielte Dokumente der Heritage Foundation, die technische Mittel nutzen wollen, um Autorinnen und Autoren ausfindig zu machen.

Wer ist die Heritage Foundation?

Die Heritage Foundation ist eine Denkfabrik (Thinktank) mit Sitz in Washington, D.C.. Sie dient als ein zentrales Sprachrohr für rechte Ideen in den USA und nimmt maßgeblichen Einfluss auf die politische Landschaft, insbesondere durch die Förderung radikal konservativer Werte und Strategien in Gesetzgebung und Regierungspolitik.

Sie stehen hinter der aktuellen Trump-Regierung und haben mit dem Project 2025 letztes Jahr für Aufsehen gesorgt. Mehr dazu findet ihr in diesem Video des Wallstreet Journal:

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum YouTube-Inhalt

Die Heritage Foundation gibt in den Dokumenten zu, Gesichtserkennungssoftware und eine Datenbank mit gehackten Benutzernamen und Passwörtern zu verwenden, um die Mitwirkenden der Online-Enzyklopädie zu identifizieren, die meist unter Pseudonymen arbeiten.

In der Präsentation heißt es, dass die Gruppe unter anderem falsche Wikipedia-Benutzerkonten einrichtet, um an persönliche Informationen von Autorinnen und Autoren zu kommen. Sie sollen dazu verleitet werden, sich zu identifizieren, oder auf Tracking-Links klicken, mit welchen ihre Daten ausgelesen werden können. Ob das bereits geschehen ist, ist aktuell noch unklar.

In der ersten Folie der Präsentation, die Forward zugespielt wurde, steht, wie die Denkfabrik vorgehen will. (Bild: Forward) In der ersten Folie der Präsentation, die Forward zugespielt wurde, steht, wie die Denkfabrik vorgehen will. (Bild: Forward)

»Doxxing«, also das Aufdecken der Identität inklusive Wohnort und Adresse, verstößt gegen die Regeln von Wikipedia und kann dazu führen, dass Benutzer gesperrt werden, so die Richtlinien der Website.

Inwiefern freie Autorinnen oder Autoren »ihre Position missbrauchen« würden, führt die Heritage Foundation in seinen Dokumenten nicht weiter aus.

In diesem Zusammenhang meldete sich auch Elon Musk im Dezember zu Wort. Der X-CEO postete auf X, ehemals Twitter: »Hört auf, an Wokepedia zu spenden«. Das Wort »Wokepedia« ist hier als Kofferwort zwischen »Wikipedia« und »woke« zu verstehen.

Das Wort Woke stand einst für die besondere Wachsamkeit gegenüber Diskriminierung. In den letzten Jahren wurde sich der Begriff allerdings von der politisch Rechten aneignet, um Diversität in popkulturellen Produkten einen negativen Stempel aufzudrücken. Oftmals wird der Begriff Woke daher auch verwendet, um homo- und transphobe oder rassistische und sexistische Aussagen zu verschleiern.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Twitter angezeigt werden.

Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Link zum Twitter-Inhalt

Wikipedia hat eine lange Historie hinsichtlich liberaler Voreingenommenheit. Diese werfen Konservative dem Portal respektive den freiwilligen Autorinnen und Autoren seit Jahren vor, was eine Studie des rechtsorientierten Manhattan Institute unterstreicht. Es gäbe diesbezüglich eine leichte bis mittlere Tendenz. Auf Wikipedia selbst gibt es einen eigenen Eintrag zu diesem Thema.



Welche Auswirkungen eine solche Kampagne seitens der Heritage Foundation gegen freiwillige Autorinnen und Autoren haben könnte, ist nicht absehbar. Wikipedia ist für viele eine zuverlässige Quelle an Informationen und wird deshalb täglich weltweit über 4,4 Milliarden Mal angesurft (Statista).

Keine Kommentarfunktion?

Aufgrund des zu erwartenden hohen Moderationsaufwandes haben wir uns dazu entschieden, die Kommentare ins Forum zu verlagern. Dort könnt ihr wie gewohnt kommentieren. Hier geht's zum Forenthread.