Der Millionen-Schatz auf Google Maps, der keiner war: Ein YouTuber jagt zwei verlassenen Ferrari F40 hinterher – bis die Illusion platzt

Nach einem Tipp macht sich ein YouTuber auf die Suche nach zwei verlassenen Ferrari F40. Vor Ort entpuppte sich der Maps-Fund als clevere Täuschung.

So sehen die vermeintlichen Ferrari F40 aus. (Bildquelle: Xataka) So sehen die vermeintlichen Ferrari F40 aus. (Bildquelle: Xataka)

Ab und an entdeckt man etwas im Internet, bei dem einem der gesunde Menschenverstand sagt: Das kann eigentlich nicht stimmen. Und dennoch hält man daran fest.

Genau das ist dem YouTuber Georgesmithgood passiert, nachdem ihn einige seiner Follower auf zwei ungewöhnliche Google-Maps-Aufnahmen hingewiesen hatten. Darauf zu sehen waren zwei vermeintlich verlassene Ferrari F40.

Das Problem dabei: Google Maps hatte ihm nur die halbe Wahrheit gezeigt.

Zwei Ferrari F40 in einem Land auf Google Maps?

Nur um das in die richtige Perspektive zu setzen: Ein einzelner Ferrari F40 wäre schon eine absolute Rarität.

Denn der legendäre Supersportwagen wurde nur kurze Zeit gebaut – und das auch noch in einer verhältnismäßig geringen Stückzahl. Zwischen 1987 und 1992 entstanden gerade einmal 1.311 Exemplare.

Entsprechend wertvoll sind Originale: Ein besonders gut erhaltenes Exemplar aus dem Jahr 1992 erzielte bei einer Versteigerung 2026 sogar 5.230.000 US-Dollar.

In Deutschland musste man für einen neuen F40 rund 440.000 Mark hinblättern. Heute entspräche das einer inflationsbereinigten Kaufkraft von etwa 435.000 Euro.

Gleich zwei dieser seltenen Fahrzeuge verlassen in einem Land zu entdecken, ist daher sehr unwahrscheinlich.

Dennoch waren auf den Bildern von Google Maps unverkennbar die Formen zweier F40 zu erkennen: flache Front, kantige Karosserie und natürlich der ikonische Heckflügel.

Video starten 2:16 Ferrari Luce: So sieht das neue Elektroauto aus Maranello aus

Wenig überraschend wollte es Georgesmithgood nicht beim Blick auf die Bilder belassen, obwohl die Geschichte seiner Ansicht nach stark nach Betrug roch.

Er fuhr also an die beiden Fundstellen und machte sich selbst ein Bild.

Der erste F40 stand nahe Portugal

Die Spur zum ersten Wagen führte ihn in eine ländliche Gegend nahe der portugiesischen Grenze.

Und tatsächlich stand dort genau das gelbe Auto, das zuvor auf Google Maps zu sehen war.

Aus etwas größerer Entfernung konnte man den Wagen durchaus für einen F40 halten. Aber je näher der YouTuber dem vermeintlichen Supercar kam, umso mehr brach die Illusion in sich zusammen.

Der Ferrari war kein Ferrari

Denn vor ihm stand plötzlich kein mehrere Millionen Euro teurer Klassiker aus Maranello, sondern ein Pontiac Fiero. Nur eben ein Fiero, dem man eine Karosserie aufgesetzt hatte, die der des Ferrari F40 nachempfunden worden war.

Dass es sich um ein Replika-Fahrzeug handelt, ist allerdings die naheliegendste Erklärung.

Es wäre schon äußerst ungewöhnlich, einen echten F40 über lange Zeit im Freien stehenzulassen – ungeschützt vor Witterung und Diebstahl.

Ein echter Ferrari F40. Die Straßenversion bringt es auf 478 PS. (Bildquelle: rmsothebys) Ein echter Ferrari F40. Die Straßenversion bringt es auf 478 PS. (Bildquelle: rmsothebys)

Doch dem YouTuber blieb noch eine weitere Chance. Hunderte Kilometer entfernt, an der Küste von Alicante, wartete schließlich ein zweiter vermeintlicher F40.

Beim zweiten Auto passierte genau dasselbe

Georgesmithgood machte sich also auf den Weg. Und er fand erneut das, was Google ihm zeigte: einen Pontiac Fiero im Gewand eines Ferrari F40.

Dass zwei Autos im selben Land auf dieselbe Weise entdeckt werden und sich hinter beiden derselbe Fahrzeugtyp versteckte, ist ebenfalls ungewöhnlich.

Dazu kommt: Beim zweiten, roten Fahrzeug lernte der YouTuber sogar den Besitzer kennen, der ihm die Replika für 35.000 Euro zum Kauf anbot.

Georgesmithgood lehnte jedoch ab.

Warum steckte in beiden Fällen ein Pontiac Fiero darunter?

Dass ausgerechnet ein Fiero die Basis der Ferrari-Replikas war, ist weniger überraschend, als man vielleicht meinen mag.

Der Wagen hat wie der F40 einen Mittelmotor. Daher bot er sich an. Außerdem gab es ihn in mehreren Varianten – das Topmodell aus dem Jahr 1988 brachte es mit sechs Zylindern auf 135 PS.

Hinzu kommt: Der Fiero war vergleichsweise günstig. Ende der 1980er kostete er je nach Version nur 9.000 bis 13.500 US-Dollar – heute wären das etwa 22.000 bis 33.000 Euro.

Sein Mittelmotorlayout, der vergleichsweise niedrige Preis und seine für umfangreiche Karosserieumbauten günstige Konstruktion machten den Fiero zu einer beliebten Basis für sogenannte Kit-Cars.

Und aus der richtigen Entfernung funktionieren die Replikas offenbar erstaunlich gut. Zumindest auf Google Maps.

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Aus der Ferne ein Ferrari, aus der Nähe ein …

Natürlich wurden nicht nur Fieros als Basis teurerer Supercar-Replikas verwendet. Gelegentlich verbarg sich darunter auch der Honda NSX. Der brachte es in der Spitze auf 280 PS, kostete dafür aber auch einiges mehr und ist selbst ein edler Sportwagen.

In Deutschland wurde die Topvariante Mitte der 1990er-Jahre für bis zu 175.000 Mark angeboten – heute wären das ungefähr 153.000 Euro.

Aber auch einem F40 auf Basis eines NSX darf man nicht zu nahe kommen. Proportionen, Innenraum und Karosserie verraten am Ende schnell, dass es sich eben nicht um einen Millionenschatz handelt.

Es gibt auch Ausnahmen

Doch so logisch es auch sein mag: Ganz grundsätzlich lässt sich natürlich nicht sagen, dass jeder verlassen wirkende Ferrari automatisch eine Replika ist.

Es gibt dokumentierte Fälle, bei denen genau solche »Funde« echt waren. Ein berühmtes Beispiel aus Deutschland ist das des rumänischen Tennisspielers und späteren Managers von Boris Becker, Ion Țiriac.

Zwar war Țiriacs Ferrari F40 kein echter Scheunenfund, aber immerhin hatte er ihn rund zehn Jahre lang in einer Garage in München geparkt und vergessen.

Eine noch viel kuriosere Geschichte stammt jedoch aus den USA. Ein Anwalt besaß insgesamt 13 Ferraris, darunter auch einen legendären Testarossa sowie mehrere 348, 328, Mondial und einen 400i.

Nachdem der Mann schwer erkrankt war, ließ ein Bekannter diese und andere Fahrzeuge einlagern. Als irgendwann keine Zahlungen mehr für die Lagerung eingingen, landeten die Autos auf einem offenen Feld in Texas.


Ein etwas anderer Scheunenfund:


Später sollen die offenen Rechnungen zwar von der Familie des Anwalts beglichen worden sein, in der Zeit dazwischen waren sie aber völlig ungeschützt der Witterung ausgesetzt, ehe sie schließlich »geborgen« wurden.

Doch auch diese Geschichte endete nicht vollständig glücklich. Denn bei der späteren Suche fehlten zwei Ferraris und zwei Rolls-Royce aus der Sammlung des Anwalts.

Das Beispiel zeigt: Ein vermeintlich verlassener Ferrari kann am Ende tatsächlich nur ein Pontiac in schicker Verkleidung sein.

Aber manchmal handelt es sich wirklich um einen Schatz.


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