„Partner-Hobby-Management“ oder „Wie krieg‘ ich das nur alles unter einen Hut…?!“

Von Roadwarrior · 6. Januar 2020 ·
Die "ernstere" Auseinandersetzung mit dem Thema "Partnerschaft & Gaming - beides unter einem Hut?"...weiterhin sehr subjektiv betrachtet, allerdings mit deutlich mehr Motivation das Ganze von der Metaebene zu sehen.
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  1. Nachdem mar0dy in seinem Kommentar unter meinem letzten Blog-Eintrag etwas mehr Reflexion und ernste Auseinandersetzung mit dem Thema eingefordert hatte, folgt nun der gewünschte Ansatz. Das „Problem“ unser Hobby mit einer Beziehung unter einen Hut zu bekommen habe ich ja nun wirklich nicht exklusiv.

    Selbstverständlich erhebt auch mein etwas ernsterer Blick auf die Thematik nach wie vor keinen Anspruch auf wissenschaftlich belegte Nachvollziehbarkeit. Es ist und bleibt eine subjektive Sache, ich kann lediglich versuchen etwas neutraler zu schlussfolgern.

    30 Jahre Erfahrung – und eine echte Lösung ist nicht in Sicht

    Die Herausforderung das Zocken und die Freundin geregelt zu kriegen verfolgt mich nun schon, seit ich 15 Jahre alt wurde. Das neueste Spiel auf dem Mega Drive zu suchten oder aber mit dem Mädel zum Schwimmen zu gehen und dann mit den ganzen Leuten abzuhängen…es war schon damals nicht immer eindeutig zu klären, was man tun will. Es war zur damaligen Zeit ja noch etwas anderes, „social media“ existierte nicht und die Kommunikation fand über Telefonieren, zugesteckte Zettelchen oder motiviert geschriebene Briefe statt. Da seinerzeit die Phasen zwischen Alleinsein und Zeit mit der Freundin deutlicher abgegrenzt waren und man vor Allem nicht ständig erreichbar war, regelte sich Vieles auf diesem Sektor von selbst. Die Schwierigkeiten begannen erst, wenn sie länger – etwas über Nacht – da war und man in der Zeit ihrer Anwesenheit Bock hatte eine Runde zu spielen…meistens war das ein kurzes Vergnügen, im Grunde gewann immer die Freundin gegen die Hardware.

    Älter zu werden macht’s nicht einfacher…

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    Der Optimum? Ein Paar spielt zusammen, man teilt sich das Hobby und verbringt dabei Zeit zusammen... (Quelle: girlgamergalaxy)

    Der Zeitaufwand für anstehende Schulabschlüsse, Ausbildungsbeginn, Prüfungen und andere berufliche Dinge war nicht gerade gering. Dazu kam dann, dass man ja neben Beruf, Freundin und Zocken auch noch andere Hobbies hatte. Bei mir waren das Fußball, Kickboxen und Motocross fahren. Im Nachhinein und mit dem Abstand der Jahre ausgestattet frage ich mich ehrlich, wie ich das Ganze überhaupt hinbekommen habe. Schlafen und Essen musste ich ja schließlich auch irgendwann mal.

    Wie in den meisten Fällen wenn die Zeit knapper und der Aufwand größer wird, blieben Dinge auf der Strecke. Motocross fahren war irgendwann völlig raus und auch das Zocken – ja wirklich – wurde deutlich weniger für eine ganze Weile. Damals ging das noch deutlich einfach, die Spielerei fand ja ausschließlich offline statt und Leistungsdruck oder Gruppenzwang waren im Grunde überhaupt nicht vorhanden. Es war zwischen 16 und 19 eigentlich recht einfach, sich einzuschränken was Gaming angeht.

    Interessant wurde es wieder, als das N64 erschien. Und zwar deswegen, weil mit dem Ding 4 Leute gleichzeitig spielen konnten und es auch die passenden, wirklich lohnenden Spiele gab. Für mich und meine Freunde waren das vor Allem „Goldeneye“ und „WCW vs nWo Revenge“. Nach dem Training im Fußball oder bei der Wasserwacht (da war ich auch noch dabei…) endete der Abend fast immer bei mir zuhause im Wohnzimmer, wo trotz Arbeit am nächsten Tag bis früh um 2 gespielt wurde…oder noch länger. Zu dem Zeitpunkt lebte ich bereits mit meiner Freundin zusammen in meiner ersten eigenen Wohnung außerhalb vom Hotel „Mama“. Die Gute fand das am Anfang noch lustig, bei uns war immer was los. Die Tatsache, dass wir kaum noch Zeit allein hatten fiel ihr erst nach einer Weile auf – und als Balkanlady hatte sie auch kein Problem damit, das deutlich und sehr vehement kund zu tun.

    Auch das ließ sich regeln. Die nächste Bewährungsprobe ergab sich eine ganze Weile später. Die Freundin war noch die Gleiche, die Hardware änderte sich. Nach einer längeren Zeit ohne PC kaufte ich mir wieder einen brauchbaren PC – und meine Freunde taten es mir gleich. Im Keller eines dieser Freunde war die erste LAN-Location meines Lebens, damals noch mit der vermaledeiten BNC-Technik, die teilweise Stunden brauchte, um richtig zu funktionieren. Star Craft, Total Annihilation und vor Allem der Multiplayer von Half Life waren angesagt…und nach einer weiteren Weile tauchten die ersten Betas eines Spiels namens „Counter Strike“ auf. Zu dem Zeitpunkt änderte sich im Grunde alles, was Gaming für mich bedeutete.

    Meine Freundin unterstützte mich so gut sie konnte und ermöglichte mir sehr viel, weil sie ein loyaler und wirklich lieber Mensch war. Unsere Beziehung nahm dennoch Schaden, weil ich sie extrem weit an die Seite schob und hinter Job, Zocken und Sport als selbstverständlich betrachtete. Dies war das erste Mal, dass ich diesen mehr als dummen Fehler begangen habe. Er sollte sich später wiederholen.

    Eine Komplizin taucht auf…

    Meine Beziehung endete dann aber aus einem ganz anderen, total klassischen Grund: ich lernte eine andere Frau kennen und lieben – und es kam zu einer neuen Beziehung. Das war von Anfang an anders. Die „Neue“ war mitten im Studium, deutlich selbstbewusster als meine Ex und vor Allem interessiert an neuen Dingen. Ihr gefiel mein Hobby, die LAN-Parties und sie freundete sich mit meinen Gaming-Kumpels an. „Dark Age of Camelot“ war ihr Einstieg in die Welt des Online-Zockens…sie folgte mir in diverse Spiele, nur mit Shootern konnte sie nur selten was anfangen. Wenn sie keinen Bock hatte, spielte sie diverse Singleplayer-Games und war zufrieden, auf diese Weise Teil der Sache zu sein. 7Jahre ging das gut, mit einer Pause mittendrin…am Ende brach‘ uns - auch klassisch – ein MMO den Hals. Der Zeitaufwand, den ich in „World of Warcraft“ betrieb war irgendwann nicht mehr mit einer vernünftigen Beziehung vereinbar. Sie hielt mir lange die Stange, irgendwann war das Maß jedoch voll.

    Obwohl unsere Beziehung 2006 endete, sind wir uns bis zum heutigen Tag in einer tiefen Freundschaft verbunden, wir sind in der gleichen Community unterwegs, sprechen uns regelmäßig im Discord und spielen auch immer wieder neue Games zusammen. Es war zumindest möglich, eine Freundschaft zu „managen“.

    Die Haltung musste sich ändern…

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    Die Werbung zeigt das Bild öfter, die Realität dürfte zumeist anders aussehen. Eine komplette Familie zockt zusammen...eher selten möglich, alle unter einen Hut zu bekommen was Zeit, Vorliegen und Eignung der Spiele angeht. (Quelle: Pinterest)

    Im Jahr 2006 fand nicht nur eine Trennung statt, ich lernte auch meine zukünftige Ehefrau kennen. Die hatte mich Zocken sowas von gar nichts am Hut, und bis auf kleinere Ausnahmen wie „Peggle“ oder „Zuma“ hat sich das in den Jahren die folgten nie geändert.

    Meine Frau kannte meine Leidenschaft und durch ihre Arbeit auch das Suchtpotential, dass unzweifelhaft vorhanden ist. Sie hat nie versucht mich zu ändern, mich teilweise sogar unterstützt in dem sie mir Spiele oder sogar eine Konsole geschenkt hat. Sie hat aber auch sehr eindeutig formuliert, wann es genug war.

    Sie konnte gut verbalisieren, dass es ganz nett wäre, wenn ich mal was mit ihr unternehmen würde. Da wir beide gearbeitet haben – ich war inzwischen in ihr „Gewerbe“ gewechselt – waren gemeinsame freie Tage sowieso selten gesät und wir einigten uns darauf, mindestens einmal in der Woche einen „analogen“ Tag einzulegen, an dem wir essen gehen, zum Bowling oder Billard oder einfach nur ins Kino. Für mich war das ok, ich hatte sehr oft die Möglichkeit zu zocken, wenn sie arbeiten war oder schon im Bett. Für sie war das dann ok. Im Gegenzug war sie oft bei ihrer besten Freundin oder zusammen mit dieser auf Konzerten, ich hab die beiden sogar hingebracht und wieder abgeholt.

    Ende 2015 endete meine Ehe leider, die Gründe hatten mit Gaming nichts zu tun. Uns fehlte einfach für die Zukunft ein weiterer gemeinsamer Plan. Auch mit meiner (Ex-)Frau verbindet mich ein inniges, freundschaftliches Verhältnis. Für mich gehört sie – wie für meine Geschwister – nach wie vor zur Familie.

    Level 40…gratz

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    Gaming ist in den allermeisten Fällen eine Angelegenheit für eine einzelne Person - zumindest "vor Ort". Partner beschäftigen sich anders, geraten unter Umständen in den Hintergrund. Konflikte sind oft die Folge. (Quelle: shutterstock)

    Ich war kurz vor meiner Trennung ja auch schon 40 geworden und ohnehin in einer gewissen Sinnkrise, was das Gaming anging. Es kam der Wechsel des Wohnortes und der Arbeitsstelle – zusätzlich verstarb meine Mutter parallel zur Trennung und mein kleiner Bruder (ein ECHTER Nerd) fiel in ein tiefes Loch. Er ist auch Zocker, hatte aber im Gegensatz zu mir kein echtes reales Leben neben seiner Arbeit. Für mich war es wichtig, den „Kleinen“ auf die Beine zu stellen – seine Existenz führte mir die extremen Auswüchse eines Zockerlebens vor Augen. Schlafen, Arbeiten, Zocken…mehr war da nicht. Das musste sich nicht nur ändern für ihn, für mich war es ein Weckruf – so wollte ich nicht enden.

    Seit meiner Scheidung hatte ich ein paar Beziehungsversuche, die sich aber bis vor Kurzen als nicht zukunftsfähig erwiesen haben. Das hatte ganz unterschiedliche Gründe, Gaming hatte dabei von keiner Seite Gewicht. Mir war trotzdem klar, dass ich diese Seite von mir nicht würde verbergen können – eine Frau muss ja nur in meine Bude kommen. Bei mir ist es sauber und aufgeräumt…aber Konsolen und der Gaming-PC sprechen eine mehr als deutliche Sprache.

    Wenn ich heute mit einer Frau spreche, sage ich ihr direkt, dass Motorrad und Gaming in meiner Welt neben meiner Arbeit viel Raum einnehmen. So kann eine Lady direkt zu Beginn entscheiden, ob das für sie Sinn ergeben würde. Merkwürdig ist, dass es für unerwartet viele Frauen ok ist. Offenbar gilt, dass wer zockt keinen anderen Scheiß bauen kann wie sich zu betrinken oder gleich Drogen zu nehmen… ;)

    Next Levelup incoming…

    In weniger als 3 Monaten werde ich nun 45 Jahre alt, seit kurzer Zeit habe ich wieder eine Beziehung, die diese Bezeichnung auch verdient. Wie im anderen Beitrag erwähnt ist meine Freundin ein gutes Stück jünger als ich und lebt bisher auch ziemlich weit weg. Sie ist ein ordentlicher, toleranter Mensch mit einem sehr großen Herz. Das macht es mir einfach, in bestimmten Dingen auch den einen oder anderen Schritt auf sie zuzugehen. Das betrifft auch das Thema Gaming.

    Sie ist jemand, der von sich aus sagt, dass man sich nicht die ganze Zeit gegenseitig „entertainen“ kann. Man muss sich auch mal alleine beschäftigen können. Auch in ihrer Anwesenheit ist es mir möglich, mal für Stunden meinem Hobby zu frönen. Sie malträtiert dann die Switch, daddelt mit ihrem neuen Handy oder nutzt Prime oder Netflix, um sich zu beschäftigen. Oberflächlich betrachtet könnte man nur sagen, ich habe einfach Glück gehabt, so eine entspannte Frau abgekriegt zu haben…

    Wie man sich bettet…

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    Krankhafte Auswüchse, die fehlende Fähigkeit vernünftige Prioritäten zu setzen...all diese Dinge haben schon ohne Partnerschaft das Potential ein Leben ins Wanken zu bringen. Mit zwischenmenschlicher Komponente sind die Ergebnisse teilweise noch dramatischer - mit oft sehr unschönem Ende, dass mehr als eine Person unglücklich zurück lässt. (Quelle: wccftech)

    Ich bin mir nicht sicher, ob „Glück“ die richtige Umschreibung ist. Es ist in so vielen Dingen wichtig, welche Entscheidungen man trifft. Ich denke, dass Offenheit von Beginn an eine ziemlich gute Grundlage ist. Gaming ist kein Hobby mehr für Außenseiter, dennoch gibt es noch mehr als genug Leute, die die Stirn runzeln und am Ende eine völlig falsche Vorstellung von diesem Zeitvertreib haben. Nun kann man sich die Zeit nehmen und mit etwas Energie vielleicht schaffen, die betreffende Person zu überzeugen, dass das Ganze weder kindisch noch uninteressant ist. Vielleicht kann man aber auch nur erreichen, dass man selbst die Sache in Ruhe betreiben kann. Und in manchen Fällen erreicht man unter Umständen nicht einmal das…

    Es sind ziemlich viele Faktoren, die darüber entscheiden, wie viel Zeit und auch Geld man in sein Hobby stecken kann. Die Toleranz des Partners, Arbeitszeiten, Freundeskreis, finanzielle Möglichkeiten, schwindendes Interesse…so vieles spielt hinein. Bisher ertappe ich mich noch immer dabei, wie ich stundenlang dasselbe Spiel zocken kann, ohne mich danach schlecht zu fühlen, weil ich vielleicht Zeit „verschwendet“ haben könnte. Ich kann mich immer noch auf Releases freuen, dafür Frei oder sogar Urlaub nehmen in gewissem Rahmen – noch ist dieser Virus in mir nicht verschwunden.

    Und dennoch, ich habe schon das Gefühl der Veränderung. Ich würde mir heute gut überlegen, ob ich für dieses Hobby auf Biegen und Brechen zum dritten Mal sehenden Auges eine Beziehung über die Klinge springen lasse. Ich hatte lange Jahre nicht unbedingt eine gesunde, erwachsene Einstellung dazu – und ich würde gerne sagen, dass es das Alter war, das mir nun dazu verholfen hat.

    Aber in Wahrheit waren es zwischenmenschliche Verluste und persönliche Erfahrungen, die etwas bewegt haben an meiner Haltung. Eine Empfehlung kann man da niemandem geben, ebenso wenig ist es möglich, eine seriöse Schlussfolgerung zu ziehen. Zu unterschiedlich sind die Individuen, die in den jeweiligen Fällen an der Geschichte beteiligt sind. Wenn man dann unbedingt ein „Fazit“ ziehen will nach solchen Gedanken, dann vielleicht dieses:

    Ehrlichkeit, Offenheit, die Motivation im entscheidenden Moment den Menschen an die erste Stelle zu setzen…all das kann dazu führen, dass man viel mehr Freiraum für sein Hobby erhält als man vielleicht für möglich gehalten hat. Es ist wie in fast allen Dingen auch hierbei ein Geben und Nehmen. Wenn das Pendel zu sehr in die eine oder andere Richtung ausschlägt ist es entweder purer Egoismus oder unangebrachte Selbstaufgabe. Und keins dieser beiden Extreme ist angebracht oder gar erstrebenswert.

    Der Blick in die Runde…

    Soweit es mich selbst betrifft kann ich sagen, dass ich nur wenige Schwierigkeiten hatte, Beziehung und Gaming unter einen Hut zu bekommen. Das lag einerseits an meiner jugendlichen Ignoranz, in der ich dann einfach Fehler gemacht habe, die mir zu der Zeit nicht klar gewesen sind – und später lag es daran, dass ich einfach Partnerinnen hatte, die mir da nicht im Wege stehen wollten und mich sogar unterstützt haben.

    In meinem Freundes- und Zockerkreis stehen die Dinge dann teilweise schon deutlich anders. Diese Menschen sind für mich der einzige Referenzpunkt, auf den ich über den Daumen gepeilt Bezug nehmen kann. Mein bester Freund spielt mit nur extrem selten alleine, zumeist beschränken sich die Sessions auf FIFA-Runden mit meinem 7jährigen Patenkind. Zusammen spielen wir im Grunde nie, ganz selten mal eine Runde FIFA, in der er dann heftig auf den Sack bekommt. In komplizierteren Spielen wie taktischen Shootern kann er nicht mithalten, er versucht auch gar nicht mehr wirklich dort Fuß zu fassen.

    Mein „Dauergegner“ für abendliche FIFA-Runden ist ein Freund, der in München lebt mit Freundin und Kind. Er arbeitet als Systemadmin und hat eine sehr ausufernde Arbeitszeit. Er spielt ausschließlich FIFA, meist 2 Stunden abends, wenn seine Partnerin im Bett ist. Von 20 Spielen gegen mich gewinnt er eins oder zwei, auch er hat nicht die Zeit in dem Spiel eine wirkliche Routine zu entwickeln.

    Generell habe ich im engeren Freundeskreis eigentlich gar keine Personen mehr, die mit mir anspruchsvollere Spiele spielen würden. Der einzige Zocker auf meinem „Niveau“ ist ein 21jähriger Krankenpflegeschüler, der mein Nachbar im Wohnheim ist. Mit ihm spiele ich regelmäßig „Call of Duty“ – er begeht dabei in etwa die gleichen Fehler in Bezug auf seine Freundin wie ich sie auch begangen habe in dem Alter.

    Wenn ich nun die Arroganz überwinde von meiner persönlichen Situation auszugehen, dann zeichnet sich für mich schon das Bild, dass der durchschnittliche Erwachsene ab einem gewissen Zeitpunkt Probleme hat, Gaming und Partnerschaft bzw. Familie unter einen Hut zu bekommen. Im Beruf Verantwortung zu tragen, der Beziehung und evtl. vorhandenen Kindern Rechnung zu tragen, Freundschaften zu pflegen…all das hat Gewicht. Dazu kommt, dass man mit einer Familie im Rücken vielleicht auch nicht mehr einige hundert Euro pro Monat in dieses Hobby buttern kann oder will.

    Nun kann man natürlich sagen, dass es trotzdem möglich ist, weiter zu zocken. Wenn eben die Zeit dafür „übrig“ ist. Für mich ist das aber eine deutliche Einschränkung, auch bei der erlebten Qualität. Wenn ich jahrelang einer von den Spielern war, die bei Rundenende oben standen und eine ausgezeichnete K/D hatten, dann werde ich wenig Freude dran haben, aufgrund fehlender Übung und Routine als besseres Kanonenfutter zu dienen, wenn ich dann mal eine Stunde oder sogar zwei zum Spielen komme. Singleplayer-Games fallen aus demselben Grund vielleicht sogar ganz aus. Es macht keinen Sinn, ein Spiel wie „Read Dead Redemption 2“ oder „Witcher 3“ zu spielen, wenn ich im Monat vielleicht nur drei oder vier Stunden an Zeit investieren kann. Da kommt man in die Geschichte kaum rein, vergisst die Hälfte der Story bis zum nächsten Mal wieder und steht dann da wie der Ochse vorm Berg.

    Es wird mit Sicherheit Zocker geben, die all diese Dinge supertoll unter eine Kappe gequetscht kriegen…oder die zumindest damit protzen, dass es so wäre. Ich persönlich glaube, dass man ausgeprägte Freiheiten dieser Art auf jeden Fall an anderer Stelle bezahlen muss. Vielleicht nicht sofort – auf jeden Fall aber dann mit einer gewissen Verzögerung.

    Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er – oder sie natürlich – bereit ist, Opfer zu bringen. Sei es auf der Seite des Gaming oder eben auf allen anderen Seiten, die im Zweifelsfall auf der anderen Seite der Waage stehen.

    Über den Autor

    Roadwarrior
    1975 auf die Welt losgelassen bekam ich 1981 von meinen Eltern zu Weihnachten ein Atari 2600 überreicht - seitdem nahm die Spirale ihren Lauf. Ich bin seit inzwischen etwa 38 Jahren "ingame". Durch verschiedene Berufe, Beziehungen, eine Ehe, Wohnorte und Weltanschauungen hindurch waren in meinem Leben in den letzten 25 Jahren nur 3 Sachen konstant: Motorräder. Heavy Metal. Gaming.

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