Deutscher Computerspielpreis - Jury-Mitglieder weisen Vorwurf der Unstimmigkeit zurück

Mitglieder der DCP-Jury weisen nach dem Eklat während der Verleihung den Vorwurf von Unstimmigkeiten zurück: »Das war eine demokratische Wahl.«

von Sandro Odak,
28.04.2017 15:40 Uhr

Eklat beim Deutschen Computerspielpreis 2017: Angeblich soll es Unstimmigkeiten bei der Wahl gegeben haben. Jurymitglieder weisen diese Kritik jedoch zurück. (Foto: Getty Images/Quinke Networks)Eklat beim Deutschen Computerspielpreis 2017: Angeblich soll es Unstimmigkeiten bei der Wahl gegeben haben. Jurymitglieder weisen diese Kritik jedoch zurück. (Foto: Getty Images/Quinke Networks)

Der Deutsche Computerspielpreis 2017 endete am Mittwochabend mit einem Eklat: Das Münchener Studio Mimimi Productions (Shadow Tactics: Blades of Shogun) gewann den mit 40.000 Euro dotierten Preis für Bestes Game Design.

Doch statt eine Dankesrede zu halten, lehnte Dominik Abé, Creative Director bei Mimimi, den Preis ab. »Wir können heute Abend leider keine Preise annehmen.« Eine Stellungnahme, weshalb das Studio den Preis nicht annehmen will, gab das Unternehmen erst zwei Tage später ab. Der Grund war, dass es Unstimmigkeiten gegeben haben soll:

"Dies betrifft zum einen die Durchführung der Wahl selbst, wir verweisen an dieser Stelle auf das Statement des GAME. Zum anderen gibt es ernstzunehmende Bedenken, dass die Wahl durch die Hauptjury einer vernünftigen Auseinandersetzung mit den eingereichten Spielen nicht gerecht wurde. "

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GAME kritisiert Unstimmigkeiten - Jury weist Kritik zurück

Der deutsche Entwicklerverband GAME verschickte schon vor der Verleihung eine vertrauliche Information an seine Mitglieder, in der von Unstimmigkeiten bei der Jurywahl gesprochen wird. Der Verband kritisiert, dass Enthaltungen und abwesende Jury-Mitglieder nicht ausgezählt worden waren. Weil in drei Kategorien die Ergebnisse sehr knapp gewesen sein sollen, hinterfragen die Entwicklervertreter nun offenbar den Verbleib der restlichen Stimmen. Eine neue Wahl hätte womöglich zu einem anderen Ergebnis führen können.

Berichten zufolge hatten GAME-Mitglieder nach der Abstimmung Neuwahlen gefordert. Dies sei jedoch von der Jury ablehnt worden. Jury-Mitglieder, mit denen GameStar in Berlin vor Ort und telefonisch gesprochen hat, können diese Kritik zum größten Teil nicht nachvollziehen. Die meisten berichten von einem völlig normalen Ablauf:

"»Es war eine ganz normale, demokratische Abstimmung.« - anonym"

"»Wir hatten vor Ort kein schlechtes Gefühl.« - anonym"

"»Wir haben die Neuabstimmung diskutiert und uns dagegen entschieden. Das war auch für alle okay.« - anonym"

Über den Ablauf der Wahl hat Petra Fröhlich, Mitglied der Jury und Chefredakteurin des Online-Magazins gameswirtschaft.de, in einem Artikel aufgeklärt. Darin schreibt sie, dass der Vorgang seit Jahren unverändert sei und die Stimmabgabe nur in seltenen Fällen zu 100% erfolge:

"»Es gibt regelmäßig Enthaltungen - etwa bei Interessenskonflikten. [...] Bundestagsabgeordnete huschen zwischenzeitlich für ein Stündchen zum Reichstag oder in die Fraktionen und kehren dann wieder zurück. Gezählt werden aber stets nur die Handzeichen für ein bestimmtes Spiel, nicht die Abwesenheiten und Enthaltungen. Es gibt also keine Gegenprobe, die Diskrepanzen aufzeigen könnte.« - Petra Fröhlich"

Weil die Beschlussfähigkeit der Jury erreicht ist, wenn mindestens zwei Drittel des Gremiums am Wahlgang teilnimmt, hat es entschieden, die Wahl nicht zu wiederholen - die Entscheidung sei demokratisch gefallen.

Die Schirmherrschaft über den Deutschen Computerspielpreis übernehmen Bundesminister Alexander Dobrindt und Staatssekretärin Dorothee Bär - sie äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. (Foto: Getty Images/Quinke Networks)Die Schirmherrschaft über den Deutschen Computerspielpreis übernehmen Bundesminister Alexander Dobrindt und Staatssekretärin Dorothee Bär - sie äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. (Foto: Getty Images/Quinke Networks)

Zweifel an der Kritik

Während es am Abend der Veranstaltung noch viel Lob und Sympathie in sozialen Medien für die schmallippige Ablehnung des Preises regnete, kippte die Stimmung schon auf der After-Show-Party. Unter Mitgliedern und Gästen machten sich Theorien über Mauscheleien und Absprachen breit.

Ein Mitglied der Jury setzte den Protest der Entwickler mit dem »Verlieren« des Hauptpreises in Verbindung: Obwohl viele munkelten, dass Shadow Tactics den Preis für das beste Spiel des Jahres bekommen würde, gewann das Actionspiel Portal Knights von Keen Games. Dem Münchener Studio entgingen so 110.000 Euro, die angeblich nur mit kleiner Stimmenmehrheit zustande kamen.

"»Es gab aber gute Gründe, sich für Portal Knights zu entscheiden - etwa die Plattformen. Shadow Tactics ist bislang nur für den PC erschienen, Portal Knights auch für alle aktuellen Konsolen*. Gerade, wenn es um Erfolg auf dem internationalen Markt geht, ist das entscheidend.« - anonym"

* Anmerkung der Redaktion: Portal Knights ist entgegen dieser Aussage noch nicht final veröffentlicht. Auf dem PC ist der Titel im Early-Access, auf Konsolen gibt es nur eine Demo-Version. Der Release soll am 23. Mai 2017 erfolgen.

Ein anderes Mitglied der Jury geht sogar so weit, die Glaubwürdigkeit des GAME Bundesverbandes anzuzweifeln:

"»Johannes Roth, der Geschäftsführer von Mimimi Productions, ist gleichzeitig auch Mitglied des Vorstands im GAME Bundesverband. Er und sein Team hatten auf der Bühne die Möglichkeit und ein großes Publikum, um mögliche Missstände in der Vergabepraxis des Deutschen Computerspielpreises offenzulegen. Das ist nicht geschehen. Es erweckt bei mir eher den Eindruck, dass ein Entwickler die Entscheidung der Jury gegen sein Spiel nicht akzeptieren will und den Verband als Ausrede vorschiebt.« - anonym"

Alle Stimmen und Zitate von Jury-Mitgliedern wurden uns unter Zusicherung der Anonymität gegeben. Über den Inhalt der Jury-Sitzung dürfen sie eigentlich nicht öffentlich sprechen.

In eigener Sache
Die GameStar-Redakteurin Petra Schmitz war Mitglied der diesjährigen DCP-Jury. Sie war allerdings ausschließlich in den Fachjurys aktiv und hat nicht an der separat stattfindenden Sitzung der Hauptjury teilgenommen, bei der es zu den Unstimmigkeiten gekommen sein soll.

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