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Die Geschichte der Rundenstrategie - Teil 2: Ein Genre erobert die Welt

Nach der abenteuerlichen Frühzeit verbreitet sich die Rundenstrategie in der ganzen Welt - auch in Deutschland, wo ein wahrer Klassiker entsteht.

von Heinrich Lenhardt,
04.06.2016 08:00 Uhr

Der erste Teil unserer Rundenstrategie-Historie hat uns zu den Ursprüngen des Genres zurückgeführt, nun folgen seine wilden Jahre. Also, zumindest wild für Rundenstrategie-Verhältnisse. Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des rundenweisen Eroberns spielt Chris Crawford, ein Entwicklerpionier, in dessen Wohnzimmer 1987 die erste Game Developers Conference stattfinden wird.

Anfang der Achtziger ist das natürlich noch Zukunftsmusik, seinerzeit arbeitet Chris Crawford bei Atari - nicht als Spieledesigner, sondern im technischen Support: Er schreibt Dokumentationen und dreht Lehrvideos für die Nutzer von 8-Bit-Computern. In seiner Freizeit allerdings programmiert er an einem Hobbyprojekt, das Geschichte schreiben wird: Eastern Front (1941).

Chris Crawford an seinem Arbeitsplatz Anfang der Achtzigerjahre. Für dieses Pressefoto zu Eastern Front (1941) setzte er extra Stahlhelm und grimmigen Blick auf.Chris Crawford an seinem Arbeitsplatz Anfang der Achtzigerjahre. Für dieses Pressefoto zu Eastern Front (1941) setzte er extra Stahlhelm und grimmigen Blick auf.

Crawford entwickelt das Rundenstrategiespiel im Alleingang, weil die Kollegen aus der Spieleabteilung nichts damit zu tun haben wollen. Dort entwickelt man lieber klassische, staubtrockene Wargames. Crawford will das Altherren-Genre zugänglicher machen und plant die technische Revolution, ein Kriegsspiel mit einer - Achtung! - scrollenden Map! Bisher mussten Strategiespiele ihre Schlachtfelder nämlich komplett auf dem Monitor darstellen, und waren deshalb auf kleinere Karten beschränkt.

Im Januar 1981 beginnt Crawford mit der Entwicklung seines Hobbyprojekts. Er kommt auf eine Spielidee zurück, die er 1979 auf dem Commodore PET ausgebrütet hat: eine strategische Simulation des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg mit dem Arbeitstitel »Ourrah Pobieda« (Russisch für »Hurra, Sieg!«).

Auf dem leistungsschwachen PET musste Crawford kapitulieren, doch die bessere Atari-Hardware spornt ihn zu einem erneuten Feldzug an. Im Alleingang knabbert er lange an der KI und ertüftelt Details wie Truppenmoral, Terrain und Wettereffekte. Im August 1981 erscheint das nunmehr Eastern Front (1941) getaufte Programm für den Atari 800. An einen Erfolg glaubt nicht mal der eigene Arbeitgeber - Rundenstrategie, wer will denn sowas spielen? Crawford geht deshalb den Umweg über eine Abteilung namens Atari Exchange Program, die Software von Hobby-Entwicklern vertreibt.

Eastern Front (1941) hat eine scrollende Karte - für damalige Verhältnisse ist das revolutionär.Eastern Front (1941) hat eine scrollende Karte - für damalige Verhältnisse ist das revolutionär.

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