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Kinokritik zu Chappie - Nummer 5 weint

Warum wir uns nach Chappie nicht mehr darüber freuen, dass Dirstrict-9-Regisseur Neill Blomkamp demnächst Alien 5 drehen soll, erklären wir in der Kinokritik zum Robo-Film.

von Sarah Schindler,
06.03.2015 18:03 Uhr

Chappie - Trailer: Wie menschlich dürfen Roboter sein? 2:01 Chappie - Trailer: Wie menschlich dürfen Roboter sein?

Neill Blomkamp, bekannt geworden mit dem Überraschungsblockbuster District 9 und verantwortlich für Elysium, kehrt nun mit Chappie zurück in seine Heimat Johannesburg. Ähnlich wie in District 9 geht es ihm vor allem um subtile Gesellschaftskritik. Dumm nur, dass er sich dabei völlig übernimmt und verzettelt. Und als wäre das nicht schon genug, hat er auch noch die Rave-Rap-Band Die Antwoord, als »Eltern« für den Androiden Chappie auserkoren. Keine gute Idee.

Der Mensch in der Maschine

Deon (Dev Patel) arbeitet für Tetravaal, einen Rüstungskonzern, der Roboter für die Polizei von Johannesburg baut. Deons Modelle sind ein voller Erfolg und tragen zur Sicherheit in der Stadt bei. Aber das reicht dem jungen Forscher nicht, er möchte mehr. Eine echte Künstliche Intelligenz, die selbst denken und fühlen und somit ein Bewusstsein entwickeln kann - das ist sein Ziel. Die Software dazu hat er in nächtlichen Progammiersessions geschrieben, es fehlt nur noch ein geeigneter Körper. Als die Konzernchefin (Sigourney Weaver) Deon keinen Androiden zur Verfügung stellen will, entscheidet er sich kurzerhand dafür, einen zu kidnappen. Nur um dann selbst, samt Roboter, von einer Bande Krimineller (Die Antwoord) entführt zu werden.

Das durchgeknallte Gangsterpärchen Ninja und Yo-Landi wollen ihre neue Errungenschaft nämlich für den Überfall auf einen Geldtransporter zweckentfremden. Doch der neue Titan-Freund, auf Chappie getauft, muss erst einmal lernen. Viel lernen - denn Chappie ist zwar, dank Software, mit einem Bewusstsein ausgerüstet, die Informationen müssen aber erst noch ihren Weg ins Chappies Kopf finden. Sind die Zieheltern und Deon der Aufgabe gewachsen das stählerne Riesenbaby aufzuziehen?

Die Antwoord auf keine Frage

Blomkamp hat ein Faible für die Rap-Raveband Die Antwoord. So sehr, dass er sie bereits für Elysium verpflichten wollte und das jetzt in Chappie umgesetzt hat. Dabei sind die beiden, Ninja (Watkin Tudor Jones) und Yo-Landi zwar gewohnt durchgeknallt und assi, wirken aber oft deplatziert. Wenn man weiß, dass sie sich in der Regel selbst nicht zu ernst nehmen, ermöglicht das einen Blickwinkel, der sich auf den unterschwelligen Humor konzentriert, der aber zu künstlich und platt wirkt.

Die anfängliche Idee der beiden Kleinkriminellen, Chappie in einen Hilfsgangster zu verwandeln ist zwar nett und lustig anzuschauen, nervt aber spätestens dann, wenn die Geschichte und Chappies Entwicklung fortschreitet. Statt sich auf Chappie, dessen Entwicklung und Gewissenskämpfe zu konzentrieren, verzettelt sich Blomkamp mit der Masse an unterschwelligen Botschaften und der Film tendiert in undefinierte Langatmigkeit.

Chappie - Bilder zum Kinofilm ansehen

Die stereotypen Figuren, wie den übermäßig aggressiven Ex-Soldaten Vincent (Hugh Jackman), der um jeden Preis seine eigene Entwicklung auf den Markt bringen will, den Programmiernerd Deon (Dev Patel) und nicht zuletzt die zwei White-Trash-Gangster Ninja und Yo-Landi, lassen Chappie zur Farce werden. Einziger Lichtblick, neben Sharlto Copleys Synchronisations- und Motion-Capture-Leistung für Chappie, ist Sigourney Weaver, die gewohnt routiniert und überzeugend die eiskalte Chefin des Konzerns mimt.

Chappie zwischen den Welten

Yo-Landi Visser, Frontfrau der Band Die Antwoord, übernimmt eine der Hauptrolle in Chappie.Yo-Landi Visser, Frontfrau der Band Die Antwoord, übernimmt eine der Hauptrolle in Chappie.

Wer schon immer mal nach Johannesburg reisen wollte, wird es sich nach Chappie nochmal überlegen. Bereits in District 9 arbeitete Blomkamp die Probleme, die nach wie vor in Südafrika herrschen, heraus und knüpft mit Chappie daran an. Slumähnliche Zustände in manchen Stadtteilen, Kriminalität und Rassismus dominieren das Stadtbild in Blomkamps Filmen. Chappie wird immer mehr Teil dieser Gesellschaft und ist einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

Hin- und hergerissen zwischen Gut und Böse, entwickelt sich der noch lernende Androide zu einem Gangster mit Gewissen. Ihm wird erst nach und nach bewusst, dass ihn seine Zieheltern nur benutzen und seine Naivität für ihre Zwecke missbrauchen.

Deon, sein Erschaffer, hat Chappie zwar schon früh klar machen wollen, dass er einen gefährlichen Weg einschlägt, aber wie alle Kinder, muss auch Chappie seine Erfahrungen selbst machen. Leider sind diese, absolut überzeugende Momente des Zweifelns, zu selten. Blomkamp zeigt nämlich genau hier seine Stärke: Die subtile Kritik und seine Fähigkeit Charaktere und deren Entscheidung fein säuberlich herauszuarbeiten. In diesen Momenten haucht er Chappie Leben und Glaubwürdigkeit ein. Mehr davon und weniger Pseudo-Gauner-Slaptstick-Einlagen und Chappie wäre ein toller Film geworden.

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