JoWooD - Insider reden über Fehler des Publishers

In dem deutschen Börseforum regen sich ehemalige Mitarbeiter von JoWood über dämliche Entscheidungsträger und unverständliche Firmenstrategien auf.

von Peter Smits,
02.04.2011 10:37 Uhr

Anfang des Jahres musste der Publisher JoWooD zum wiederholten Male Insolvenz anmelden. Mit Titeln wie Gothic 2 oder Die Gilde hat sich die Traditionsfirma in Deutschland einen Namen gemacht, auch wenn die neusten Spiele des Publishers häufig mit einigen Spielfehlern zu kämpfen hatten. Gothic 3 hatte darunter besonders zu leiden, das Add-On Götterdämmerung trotz anderslautender Versprechungen ebenfalls. Mit Arcania: Gothic 4 versuchte JoWooD eine Neuausrichtung der Serie, die spielerisch (GameStar-Werung: 69%) und finanziell wenig überzeugte.

Zur Zeit des Insolvenzverfahrens trifft es JoWooD natürlich besonders hart, dass die Add-Ons Arcania: Fall of Setarrif und Spellforce 2: Faith in Destiny auf unbestimmte Zeit verschoben werden mussten. In dem Forum der Internetseite Boerse-Express.com diskutieren einige selbsternannte Insider über die aktuelle Lage der Firma und die Fehler, die JoWooD im Laufe der Geschichte gemacht haben soll. Zu Wort kommen unter anderem die User »Background«, der laut eigener Aussage bei JoWooD "involviert" gewesen ist, »MysterY«, der selber "Mitarbeiter bei JWD" war und »steckibo«, der mit Albert Steckenborn in Verbindung gebracht wird, dem Leiter des Entwicklungsteams für die Söldner -Spiele. Johann Ertl, ehemaliger Community Manager von JoWooD, bestätigt den Usern das Wissen von internen Betriebsabläufen im entsprechenden Forumsthread der Fanseite World of Gothic.

Die Nutzer aus dem Börse-Forum finden harte Worte für ihren ehemaligen Arbeitgeber. So seien laut »Background« "kritische Mitarbeiter die das aktuelle Handeln in Frage stellten niedergeschrien und mit Rausschmiss bedroht" worden. »MysterY« bestätigt dies und fügt hinzu, dass man "nie in Frage stellen [durfte] was andere, 'abteilungsfremde' Personen, über den eigenen Kopf hinweg entschieden haben". Er sei außerdem der Meinung, dass "oft die falschen Leute Entscheidungen getroffen haben".

Arcania 4: Gothic brachte nicht die Einnahmen, die JoWooD erhofft hatte.Arcania 4: Gothic brachte nicht die Einnahmen, die JoWooD erhofft hatte.

Dies habe jedoch nichts damit zu tun, dass es dem Unternehmen an fähigen Mitarbeitern gemangelt hätte, laut »Background« haben "viele Leute gute Arbeit geleistet". Nur habe dies auch nichts gebracht, da auch die fähigen Leute "in einem Zug gesessen [haben], der vom Lokführer und seinen beratenden Schaffnern mit 200 Sachen gegen die Wand gefahren wurde." Abgesehen davon seien fähige Leute wie Robert Hernler, Michael Paeck und Johann Ertl entweder gegangen oder vergrault worden, was laut Meinung der Diskussionsteilnehmer ebenfalls zu der jetzigen Situation JoWooDs geführt habe.

Es werden jedoch nicht nur firmeninterne Prozesse kritisiert, auch die Informationspolitik des Publishers wird angeprangert: "Es ist gut und schön, die Community einzubinden, aber es kann keinen dauerhaften Erfolg geben, wenn man versucht, diese Leute zu veräppeln, was JoWooD sowohl bei Gothic als auch bei Söldner gemacht hat. Insgeheim wurde sich dann über diese Narren der Community lustig gemacht", so der User »steckibo«.

Johann Ertl weist im entsprechenden World of Gothic-Thread darauf hin, dass die zitierten Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind. Auch Ertl hat mal bei JoWooD gearbeitet, er habe aber kein schlechtes Verhältnis zu seinem ehemaligen Arbeitgeber. Ertl, der im WoG-Forum unter dem Namen »CrazyIvan« unterwegs ist, warnt vor Verklärung und Frust, die die geschilderten Vorgänge verzerren könnten. Im WoG-Forum hat sich eine Paralleldiskussion entwickelt, an der sich neben teilweise frustrierten Kunden auch besagter Johann Ertl, sowie JoWooDs Head of Publishing Stefan Berger und Michael Rüve, der Geschäftsführer von Piranha Bytes, beteiligen.


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