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Stories Untold im Test - Der Geheimtipp(er)

Das Horror-Adventure Stories Untold ist eine Hommage an die goldene Textadventure-Ära und überrascht uns im Test mit seiner Experimentierfreudigkeit. Ein Geheimtipp – nicht nur für Nostalgiker.

von Manuel Fritsch,
30.12.2017 00:01 Uhr

Stories Untold ist in vier Kapitel aufgeteilt. Im ersten Abschnitt spielen wir ein Spiel im Spiel – ein Textadventure auf einem alten, 80er-Jahre Heimcomputer.Stories Untold ist in vier Kapitel aufgeteilt. Im ersten Abschnitt spielen wir ein Spiel im Spiel – ein Textadventure auf einem alten, 80er-Jahre Heimcomputer.

Der Cursor blinkt und wartet auf meine Eingabe. Das flackernde Licht des Röhrenmonitors erhellt die staubige Tastatur des alten Futuro 128K. Ich gebe dem stillen Drängen des Cursors nach und tippe die Buchstabenfolge »open door« in die Befehlszeile. Das markant mechanische Klacken der Tasten versetzt mich direkt zurück in die 80er und erinnert mich an die Faszination, als ich mich als Kind mit großen Augen und rudimentären Englischkenntnissen an den ersten Textadventures probierte. Es lässt sich schwer in Worte fassen, aber irgendwas ist dann doch anders als früher. Eine Vorahnung, dass nach dem Absenden des Befehls zum Türöffnen etwas Schlimmes passieren könnte, lässt mich zögern. Habe ich das Knarzen der Treppenstufen im Hausflur eben wirklich gehört, oder geht meine Fantasie mit mir durch? Mir ist, als steht jemand direkt hinter mir, während ich diese Zeilen tippe ...

Geschichten aus der Gruft

Lange vor dem Siegeszug der Grafikadventures von LucasArts und Sierra spielte die Fantasie der Spieler in klassischen Textadventures die wichtigste Rolle. Keine Grafik, keine Maus, keine klickbaren Verben oder Icons - jede Aktion muss Buchstabe für Buchstabe in die Befehlszeile eingegeben und abgeschickt werden. Wird eine Wortkombination im Stile von »use key«, »open door« oder »go upstairs« vom so genannten Parser erkannt und verstanden, gibt es als Belohnung die nächsten Sätze der interaktiven Geschichte.

Je nach Thema der Episode unterscheiden sich auch die Computerprogramme, die auf der Technik der 80er-Jahre basieren.Je nach Thema der Episode unterscheiden sich auch die Computerprogramme, die auf der Technik der 80er-Jahre basieren.

Das Entwicklerteam No Code nimmt sich diese Ära als Inspirationsquelle und strickt eine Sammlung von Kurzgeschichten rund um die Idee textbasierter Gameplaymechaniken. Stories Untold ist dabei jedoch kein reines Textadventure, sondern eine Mischung aus Hommage und Neuinterpretation des Genres. Es nutzt die audiovisuellen Stärken von 3D-Adventures und lässt uns aus der Ego-Perspektive auf die Szenerie blicken. Das zentrale Spielelement der Episoden ist aber ein Computerbildschirm, in den Befehle klassisch per Tastatur eingegeben werden.

In der ersten Geschichte spielen wir so das Horror-Adventure »House Abandon« als Spiel im Spiel auf einem Dachboden eines verlassenen Hauses. In den folgenden Episoden finden wir uns auf einer Wetterstation während eines Eissturms sowie in einem Forschungslabor inmitten eines geheimnisvollen Experiments wieder. Die vierte Episode schließlich verbindet in einem packenden Finale alle drei vorherigen Kapitel eindrucksvoll miteinander.

Wie in einer TV-Serie beginnen die Episoden mit einem sehr schicken Intro, bei dem Objekte in Nahaufnahme gezeigt werden.Wie in einer TV-Serie beginnen die Episoden mit einem sehr schicken Intro, bei dem Objekte in Nahaufnahme gezeigt werden.

Stranger Stories

Die fiktiven Computersysteme arbeiten passend zum 80er-Setting komplett textbasiert. Mit unserem »echten« Mauscursor können wir lediglich Geräte wie eine Infrarot-Kamera oder Sensoren im Labor ein- und ausschalten. Ein freies Bewegen oder Umschauen im Raum ist nicht möglich. Per Tabulator-Taste dürfen wir immerhin zwischen zwei fixen Kamerapositionen hin und her wechseln, um beispielsweise auf der Wetterstation ein Lesegerät für Mikrofilme zu bedienen. Vereinzelt wird der sehr statische Spielablauf mit Szenen aufgelockert, die etwas mehr von der Umgebung preisgeben, als nur den Blick auf den Schreibtisch.

Zusätzlich zu den Texteingaben gilt es auch, die richtigen Geräte und Frequenzen einzustellen für die aktuelle Aufgabenstellung.Zusätzlich zu den Texteingaben gilt es auch, die richtigen Geräte und Frequenzen einzustellen für die aktuelle Aufgabenstellung.

Mehr werden wir aus Spoilergründen nicht verraten, aber es stecken einige wirklich coole Überraschungen in dem auf den ersten Blick eher wenig aufregend wirkendem Konzept. Im Gegensatz zu reinen Textadventures funktioniert Stories Untold nicht nur über das geschriebene Wort, sondern auch stark audiovisuell. Das Flackern einer Nachttischlampe im richtigen Moment, das peitschende Geräusch des Schneeregens am Fenster oder das Quietschen einer sich langsam öffnenden Tür: Diese Sound- und Lichteffekte tragen viel zur Atmosphäre bei und haben uns den einen oder anderen wohligen Schauer über den Rücken gejagt.

Kollegen und Vorgesetzte erteilen uns Befehle über Funk und erkundigen sich auch mal nach unserem Wohlbefinden. So gehört es zu unseren Aufgaben, eine bestimmte Radiofrequenz einzustellen, um ein Notsignal zu empfangen. Oder wir sollen an anderer Stelle im Computer nachschlagen, wie das Röntgengerät im Labor korrekt eingestellt wird.

Leider nicht nur Fiktion: An vielen Monitoren deutscher Büros klebt tatsächlich eine Notiz mit dem echten Passwort.Leider nicht nur Fiktion: An vielen Monitoren deutscher Büros klebt tatsächlich eine Notiz mit dem echten Passwort.

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