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Amoklauf in Winnenden - Interview mit Angela Ittel

»Gewalt in den Medien führt nicht zu Gewalttaten«

Im Interview mit GameStar spricht die Professorin für Pädagogische Psychologie Angela Ittel über den Einfluss von Gewalt in den Medien auf Jugendliche.

Von GameStar Redaktion |

Datum: 16.03.2009


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Amoklauf in Winnenden - Interview mit Angela Ittel : Angela Ittel, Professorin für Psychologie an der TU Berlin Angela Ittel, Professorin für Psychologie an der TU Berlin Angela Ittel studierte in den USA (Miami und Santa Cruz) Psychologie und ist nun Professorin für Psychologie an der TU Berlin. Dort sind ihre Forschungschwerpunkte: Problemverhalten von Kindern und Jugendlichen, Familiäre Bedingungen des Aufwachsens, Geschwisterbeziehungen, Kinder und Medien, Professionalisierung von Lehrpersonen und Lehr- Lernprozessen. GameStar hat Angela Ittel anlässlich des Amoklaufs in Winnenden befragt.

GameStar: Wieder einmal ist es in Deutschland zu einem Amoklauf gekommen. Gibt es dafür wirklich einen auslösenden Faktor (z.B. Spiele), der einen Menschen zu einer solchen Tat motiviert, oder sind die Gründe doch vielfältiger, als die Massenmedien uns glauben machen wollen?

Angela Ittel: Natürlich ist es nicht so einfach und natürlich sind die Gründe vielfältiger. Es wird immer versucht, eine mehr oder weniger plausible Ursache für eine solche Tat zu finden, da man in den in Massenmedien üblichen Formate (Interviews, hochkarätig besetzte Diskussionsrunden, usw.) keine komplexen Zusammenhänge darstellen kann und diese beim Zuschauer/Zuhörer auch in der Kürze der üblichen Sendezeiten gar nicht aufgenommen werden könnten. Aber zurück zur eigentlichen Frage: Es gibt ganz viele Personen, die mehr oder weniger häufig Killerspiele spielen und nicht gewalttätig werden. Das Spielen allein macht also eigentlich niemanden zum Amokläufer.

Aber: Exzessives Computerspielen ist durchaus ein möglicher Risikofaktor, die Hemmschwelle zur Gewalt zu reduzieren. Vor allem, wenn es in Kombination mit anderen Faktoren wie Einsamkeit, wenig Kommunikation mit Eltern und Freunden, Hilflosigkeit und generell dem Gefühl, nicht genügend Beachtung zu erhalten, einhergeht.

GameStar: Wenn man sich die Amokläufe der letzten Jahre vor Augen führt, lassen sich -- zumindest oberflächlich -- zwischen den Tätern gewisse Parallelen feststellen. Halten Sie es für wahrscheinlich, dass es Persönlichkeitsstrukturen gibt, die sozusagen eine Disposition zur exzessiven Gewalt in sich tragen?

Angela Ittel: Nein, aber es gibt möglicherweise bestimmte Strukturen oder Ereignisse im persönlichen Umfeld, die diese Neigung zu Gewalttaten verstärken. Die so genannte dispositionelle Neigung mag eventuell ein genereller Hang zu Sucht sein. Manche mögen diese Neigung zur Sucht als Teil der Persönlichkeit sehen, doch ich denke, dass diese Neigung eben nicht angeboren ist, sondern sich in der Interaktion mit der Umwelt erst ausbildet. Daher ist es in Interventions- und Präventionsmaßnahmen auch so wichtig, sich nicht nur auf einen Kontext (z.B. Medien) als Risikofaktor in der Ausbildung gewalttätiger Neigungen zu beschränken, sondern einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen; also das gesamte Umfeld der Täter in der Suche nach den Ursachen in Betracht zu ziehen.

GameStar: Welche Rolle spielen Medien ihrer Meinung nach bei der Entwicklung eines jungen Menschen zum Amokläufer? Ist es schlimmer, ein Computerspiel zu spielen bei dem Tötungshandlungen im Vordergrund stehen, als sich einen Actionfilm im Fernsehen oder eine Dokumentation über Kriegsgebiete anzuschauen?

Angela Ittel: Medien können die Hemmschwelle senken, da sie gewalthaltige Inhalte unbegrenzt und ohne reflektierende Kommentierung präsentieren. Personen, die sich also vielen gewalthaltigen Inhalten im Fernsehen oder am Computer aussetzten, empfinden Gewalt als eher »normal« und zum täglichen Leben gehörend als andere Personen. Das heißt aber nicht, dass die Beobachtung von Gewalt in den Medien zu Gewalttaten führt. Wie bereits oben erwähnt müssen hier viele (negative) Faktoren zusammen auftreten, um letztendlich einen Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Medienkonsum und aktiver Gewalt feststellen zu können. Zudem haben viele Studien gezeigt, dass eben die Personen die von vorneherein zu Gewalt neigen auch eher gewalthaltige Inhalte in Medien suchen.

Medien machen also nicht gewalttätig, aber sie bedeuten ein Risiko für diejenigen Personen, die sich diesen Inhalten gegenüber nicht genügend schützen können. Der Computer -- im Gegensatz zu anderen Medien -- birgt das besondere Risiko, dass man typischerweise allein und auch unbegrenzt davor sitzen kann, ohne dass die Personen im persönlichen Umfeld genau wissen, was man da tut. Man muss auch nicht drüber sprechen. Was man da am Computer macht untersteht also nicht der gleichen sozialen Kontrolle, wie etwa das Fernsehverhalten und birgt daher größere Risiken für ohnehin gefährdete Personen.

Lesen Sie auf Seite 2 mehr über Vorzeichen, Mithilfe in der Bevölkerung und Spiele-Verbote

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Avatar Sok4R
Sok4R
#1 | 16. Mrz 2009, 14:14
"Mann muss auch nicht drüber sprechen. "
Frau auch nicht?
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Avatar Raet
Raet
#2 | 16. Mrz 2009, 15:00
Gut das an dem Thema dran geblieben wird, hoffe das auch die geschätzen allgemeinen Medien und Politiker von einer rein populistischen Hexenjagdt absehen und sich mehr beschäftigen.
U.a. dank solcher Berichte sollten es den Politikern doch leicht sein einen anderen Blickwinkel zu erhaschen. Wenn sie dann auf eine Medienwirksame Idee kämen sich serios mit einer neutralen oder Gegenstimme gegen diese Hexenjadt zu stemmen könnte sich ihnen ein bisher noch eher unangetasteter Pool an Wählerstimmen öffnen.

Im Gegensatz zu den Konjunkturpaketen, Preisbildungen zb. bei Strom, Krankenkassenbeiträgen oder den Mindestlohngesetz rechnet der Pessimistische Betrachter aber eher damit das ein Solcher Einsatz erfolgreich mit einen Lobbyisten-Verdacht niedergeschmettert werden könnte.

Aufmerksamkeit wäre aber Gewiss, und eine Demonstration dafür, das sich unsere Politik mit allen Seiten auseinandersetzt und die Meinungsfreiheit schätzt und fördert.
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Avatar Trille
Trille
#3 | 16. Mrz 2009, 16:01
Zitat von Sok4R:
"Mann muss auch nicht drüber sprechen. "
Frau auch nicht?

Gut aufgepasst, wird schon korrigiert.
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Avatar deadbird13
deadbird13
#4 | 16. Mrz 2009, 16:10
Meinungen sind wie Arschlöcher... jeder hat eins... und bei Psychologen und Gutachtern ist es halt ganz genau so... du kannst 100 Psychologen fragen, was sie davon halten und du wirst 100 völlig unterschiedliche Antworten kriegen... Frag doch mal 100 Ernährungsexperten, ob für eine ausgewogene Ernährung Fleisch nötig ist... ist im Prinzip genau das gleiche. jeder wird was anderes sagen... Und der eine Psychologe findet ganz klare Zusammenhänge zwischen CounterStrike und nem Amoklauf und ein anderer wird dir erklären, wie toll intelligent die meisten CS Spieler sind, weil ja da Regionen im Gehirn trainiert werden, usw...
Es ist meiner Meinung nach wissenschaftlich nicht festzustellen, ob der Amokläufer aus Winnenden Amok gelaufen ist, weil er Far Cry gespielt hat... vielleicht ist es so... vielleicht hat er gedacht "geil, das mach ich morgen auch mal"... vielleicht war er auch ein "ganz normaler" Gamer, der halt dann zufällig Amok gelaufen is...
Also im Prinzip macht die GameStar genau das gleiche, wie die pösen Medien, nur halt andersrum, sprich bloß kein Eingeständnis, dass es in manchen Fällen doch sein könnte, dass es einen Zusammenhang gibt... immer "Spiele sind toll, Zeitungen sind doof, weil die nicht wissen, wie toll Spiele sind"
Allein die NEWS hier... im Titel steht "Amoklauf in Winnenden - Interview mit Angela Ittel - »Gewalt in den Medien führt nicht zu Gewalttaten« " ... nix für Ungut, aber die gute Frau zeigt definitiv parallelen auf, von wegen "wenn massiv genutzt und kombiniert mit usw.", aber Hauptsache erst ma "Leute, wir sind ausm Schneider..."

btw. ich bin kein durchgeknallter "Spiele sind böse" - Typ, ich meine nur, dass mans von beiden Seiten betrachten sollte, und das passiert hier genauso wenig, wie in Medien, wie der Bild Zeitung :o)

Ach ja, dass auf der GameStar.de schon Verteidigungsargumente für Shooter gepostet waren, bevor was in der Zeitung war, find ich schon irgendwie lustig...
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Avatar MasterHNeu
MasterHNeu
#5 | 16. Mrz 2009, 16:18
Interessante Ansichten und meiner Meinung nach auch nahezu vollkommen korrekt. Was ich allerdigns aus diesem Interview herauslese, ist, dass die Frau - so wirkt es auf mich - ebenfalls sich noch nie intensiv mit Spielen im Allgemeinen auseinandergesetzt hat. Das muss man natürlich nicht erwarten, allerdings ist es doch ein zu beachtender Punkt, wenn man gerade bei Schlagzeilen wie "Verbietet Computerspiele!" seine Meinung preisgibt. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass von Grund auf das gesamte Sozialsystem was die Erziehung betrifft nochmal überarbeitet werden sollte, denn es ist wirklich an der Zeit für eine solche Tat. An den vielen Schulen herrscht Lehrermangel und teilweise sind selbst die Lehrer nicht mehr auf dem neuesten Stand der Dinge. Hinzu kommen noch all die Problematiken in sozialen Randgruppen oder ganz einfach in jeder Familie, in der die Eltern mit der Erziehung überfordert sind.
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MaluanMK
#6 | 16. Mrz 2009, 16:58
Wer Spiele mit der Realität verwechselt,oder z.B GTA IV "nachspielen"will,diese Person/en ticken schon,bevor sie überhaupt ein "Videospiel" gesehen haben,nicht richtig.

Das Problem ist oft,daß Eltern nicht einsehen wollen,sei es aus Scham oder Blindheit,daß ihr Kind krank ist.

Im aktuellen Fall ist es nicht anders.
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Avatar HAlbert
HAlbert
#7 | 16. Mrz 2009, 17:06
Amokläufe gibt es immer wieder im Sommer und im Winter. Ihr Psychologen ihr könnt nichts tun. Die Psychos sind nicht so dumm wie ihr meint die sind euch überlegen meilenweit. Sie müssen kein langes Studium machen. Was nütz langes Studium, deswegen könnt ihr den Psychos auch nicht in die Birne schauen. Die wissen sich anzupassen. Bedenke jeder von uns könnte ein Amok-Läufer sein. Vom Pfarrer, Arzt, Bundeskanzler etc. Wenn das Hirn aussetzt dann Gnade Gott. Ich könnte auch dich ganz nett anlächeln und 10 Sekunden später dir in die Birne schiessen und es geniessen. Schauspielerei ist dem Menschen in die Wiege gelegt, das ist belegt. Ich sag nur traue keinem 100 % nicht mal deiner Krankenschwester. Aber auch das nützt dir nichts. Falscher Zeitpunkt falscher Ort, geschehen kann überall ein Mord.
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Avatar NoMad2048
NoMad2048
#8 | 16. Mrz 2009, 17:33
Zitat von Sok4R:
"Mann muss auch nicht drüber sprechen. "
Frau auch nicht?

Haha du hast 133 Minus Bewertungen bekommen :D
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Avatar Michael Obermeier
Michael Obermeier
#9 | 16. Mrz 2009, 17:34
Zitat von deadbird13:

Ach ja, dass auf der GameStar.de schon Verteidigungsargumente für Shooter gepostet waren, bevor was in der Zeitung war, find ich schon irgendwie lustig...


Was genau meinst du damit?
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Avatar destruktiv
destruktiv
#10 | 16. Mrz 2009, 18:16
@Raet: da kann ich dir im großen und ganzen nur zustimmen.

was ich des weiteren sehr bedenklich in dieser hinsicht finde, ist der drohende vertrauensverlust von jugendlichen/ jungen erwachsenen gegenübern politikern, der sich aus der momentanen (überwiegend) populistischen diskussion ergibt. den politikern müsste doch eigentlich klar sein, dass sich ihre potenzielle wählerschaft nicht nur von ihnen selbst, sondern im ungünstigsten fall komplett vom aktiven beitrag zur mitwirkung an unserer demokratie/ politik abwendet. aber naja... liest ja doch keiner von denen...
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