DLCs vs. Addons :

In einer besseren Welt, in einer Welt, die maßgeblich in meinem Kopf existiert, übertrifft jede Erweiterung ihr Basisspiel, merzt dessen Schwächen aus und gewährt zahllose Stunden neuer Spielerfahrung. Klar, das ist idealistisch, weil es noch nie so war und nie so sein wird – es sollte aber so sein. Von diesem Ideal sind wir allerdings weit entfernt.

Mit großem Vergnügen habe ich XCOM 2 verschlungen, aber wegen ein paar Soldatenanpassungen im ersten DLC Anarchy's Children spiele ich's garantiert kein zweites Mal durch. Und auch die neuen Hausbauteile des Wasteland Workshop für Fallout 4 reizen mich nun nicht gerade dazu, noch mal ins Ödland zu reisen. Natürlich bleiben solche Mini-Inhalte optional und halbwegs günstig, niemand zwingt mich zum Kauf. Ich kann aber trotzdem nur den Kopf darüber schütteln, für welches unnötige Zeug man hier Geld sehen will. Kundenbindung geht anders. Und guter DLC auch.

DLCs vs. Addons : Der Autor
Reiner Hauser ist frischgebackener GameStar-Trainee und vergräbt sich in seiner Freizeit gerne im berüchtigten Zeitfresser Europa Universalis 4 und fiebert nach über 1.000 Spielstunden noch immer jeder neuen Erweiterung entgegen, weil sich die Entwickler nicht zu schade sind, in ihren DLCs auch grundlegende Gameplay-Mechaniken anzufassen. Ein riskantes, aber lobenswertes Verhalten, das mit einer ungemein treuen Community belohnt wird.

Wie man's macht - und wie nicht

DLCs vs. Addons : Seine hervorragenden Addons machen Civilization 5 zum Dauerbrenner. Seine hervorragenden Addons machen Civilization 5 zum Dauerbrenner. Dass die Utopie in meinem Kopf nicht von ungefähr kommt, zeigt ein Blick auf die Filetstücke unter den DLCs. Über fünf Jahre nach Release hält sich etwa ein Civilization 5 weiterhin tagtäglich unter den zehn meistgespielten Titeln auf Steam. Wäre der Strategiespiel-Dauerbrenner heute noch so erfolgreich, wenn sich die Entwickler bei ihren Erweiterungen auf Map-Packs und zusätzliche Völker beschränkt hätten? Wohl kaum, deshalb brachten die Addons Gods & Kings und Brave New World eben auch neue, sinnvolle Spielsysteme, von den Religionen bis zu den Ideologien. Sie fügten Civ 5 mehr hinzu als nur das berüchtigte »Mehr vom Gleichen«.

Mit Addons zum Meisterwerk: So gut ist die Civilization 5 Collection

Einen schönen DLC-Gegensatz bilden hingegen die Strategie-Epen Total War und Europa Universalis. Beide Titel gehören zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Doch im Gegensatz zu den diversen Total-War-Ablegern ist Europa Universalis 4 mit seinen DLCs über die Jahre gewachsen und hat sich kontinuierlich verbessert. El Dorado brachte neue Mechaniken rund um die Eroberung Amerikas, Res Publica baute die Regierungsformen aus, und Art of War änderte einfach mal das halbe Spiel und erweiterte es an allen Ecken und Enden. Der Entwickler Paradox weiß offensichtlich, wie guter DLC auszusehen hat. Und er bietet zwar auch kleine Sound- und Einheitenpakete an – aber die kann ich ja getrost ignorieren, weil die »großen« Addons schon so viel Neues bringen.

DLCs vs. Addons : Seit dem Release 2013 hat Paradox Europa Universalis 4 schrittweise ausgebaut. Seit dem Release 2013 hat Paradox Europa Universalis 4 schrittweise ausgebaut. Ein Total War: Rome 2 lindert seine diversen Schwächen zwar mit der kostenlosen und an sich absolut löblichen Emperor Edition - aber eben nicht komplett. Die größten Änderungen (etwa spürbare KI-Fortschritte und durchdachtere Menüs) wurden hingegen auf das alleine lauffähige Total War: Attila ausgelagert. Wer hingegen Rome-2-DLCs kauft, bekommt statt sinnvoller Innenpolitik oder vernünftiger Belagerungs-KI haufenweise separate Feldzüge sowie neue Völker, die für die Hauptkampagne kaum irrelevanter sein konnten.

Nur weil ich mit Spartanern statt Römern dabei zusehen kann, wie sich die Gegner zu Tausenden vor meinen Mauern zusammenschießen lassen, kaufe ich keinen DLC – unabhängig vom Preis. Creative Assembly sollte sich künftig darauf konzentrieren, sein Spiel sinnvoll zu pflegen. Für ein vernünftig ausgebautes Politiksystem oder gar eine erweiterte Karte für die große Kampagne hätte ich bei Rome 2 beispielsweise gerne ein paar Euro hingelegt und mit einem neuen Volk noch mal von vorne angefangen.

Spiele als Service

Richtige DLC-Politik bindet den Spieler dauerhaft und steigert im Idealfall die Meinung vom Entwickler sowie seinem Produkt. In diesem Zusammenhang spricht die Branche derzeit gern und häufig von »Spielen als Service«. Doch was für ein Service ist das, der Mängel ignoriert und mich mit Mini-DLCs überschwemmt? Gebt mir ein Addon, das die Spielerfahrung tatsächlich verbessert oder ausweitet, und ich bin jederzeit bereit, auch größere Beträge dafür auszugeben!

Vielleicht hat das mittlerweile auch Creative Assembly verstanden, die – abgesehen vom kontroversen Chaos-Preorder-DLC – beim kommenden Total War: Warhammer die Witcher 3-Karte ziehen, DLC-Kleinkram verschenken und für die richtigen Addons einen fairen Preis verlangen wollen. Das klingt für mich nach einem ordentlichen Deal - vorausgesetzt die richtigen Addons sind mehr als nur ein größerer Haufen Kleinkram.

Ich erwarte von einem Spiel, dass es sich kontinuierlich verbessert - oder es wenigstens versucht. Im Idealfall mit kostenlosen Patches wie bei den Survival-Modi zu Fallout 4 und Far Cry: Primal, bei größerem Aufwand aber gerne auch mit Bezahl-DLCs. Immerhin ist das der Grundgedanke hinter dem Service. Doch um das Bestmögliche aus einem Spiel herauszuholen, braucht es eben auch Zeit, Geld und damit ein wenig Mut. Mut, den man selten findet und der mir viel zu selten gewürdigt wird.

Deshalb ist Civilization 5 so ein Dauerbrenner (Plus)