Vor dem Hintergrund von Massenentlassungen bei diversen Banken, Lohn-Dumping, schlechten Arbeitsbedingungen und Umweltverschmutzung durch andere Firmen mag die zweifache Wahl von Electronic Arts zur »Worst Company in America« in den Jahren 2012 und 2013 etwas übertrieben gewesen sein. Positive Auswirkungen hat sie aber offenbar dennoch gehabt.

Wie Peter Moore in einem umfangreichen Interview mit IGN verriet, hat man die Wahl damals intern zunächst als übertrieben, albern und lächerlich empfunden. Allerdings sei man auch zum Nachdenken angeregt worden und habe nach einiger Zeit eingesehen, dass man vielleicht etwas ändern müsse.

Players-First-Konzept ein Resultat der Kritik

Und geändert hat sich dann laut Moore tatsächlich etwas: Ein eigens dazu aufgestelltes Team durchforstete in den Folgemonaten diverse Online-Foren wie Reddit und NeoGAF. Dadurch wollte die Führungsetage bei Electronic Arts herausfinden, was die Leute tatsächlich über das Unternehmen denken. Und wo es Ansatzpunkte für Verbesserungen geben könnte.

Moores heutige Einsicht:

Wir waren bei einigen Dingen schuldig.

Weiter ins Detail ging der Chief Competition Officer des Publishers und Spielentwicklers zwar nicht. Allerdings verriet er, dass aus dieser Situation heraus das neue Motto bei Electronic Arts entstand: Players First.

Heute gehe es deshalb nicht mehr um den reinen Umsatz, sondern darum, wie Electronic Arts insgesamt von etwas profitieren könne - also auch langfristig und hinsichtlich des eigenen Ansehens in der Öffentlichkeit:

Das Mantra, auf das wir seitdem setzen, basiert auf dem Konzept »Spieler zuerst«. Bis heute, sogar heute Morgen, werden in Meetings immer wieder Fragen gestellt. Was müssen wir hier machen? Wann liefern wir es aus? Welche Spielerfahrung sollte dieses Produkt bieten? - und am Ende fragt immer jemand, ob das [Endprodukt] wirklich »Players First« ist. Und das ist der Moment, an dem wir alle innehalten und nachdenken.

Mehr Beta-Tests und weitere Anpassungen

In den letzten Jahren hat Electronic Arts übrigens damit begonnen, seine Spiele sehr viel früher im Entwicklungsprozess der Öffentlichkeit zu zeigen, deutlich mehr Beta-Tests abzuhalten und Spiele auch mal zu verschieben, sollte es notwendig und für die Qualität förderlich sein.

Außerdem hat das Unternehmen laut Moore den Kontakt zu anderen Konzernen und insbesondere Marketing-Firmen gesucht, die sich in ähnlichen Situationen befunden haben. Auch aus diesen Treffen und Gesprächen habe man sehr viel darüber gelernt, wie das Ansehen und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit seien, so der EA-Manager.

Für Electronic Arts scheint es sich gelohnt zu haben: 2015 verzeichnete der Konzern steigende Umsätze und Gewinne - möglicherweise auch auch dank der neuen Firmenphilosophie.

Electronic Arts sieht eigene Vergangenheit kritisch

Zudem zeigte sich EA in letzter Zeit häufiger geläutert. Unter anderem sah man die Studio-Übernahmen der Vergangenheit durchaus kritisch. Und am aktuellen Trend des schnellen Geldverdienens mit Neuauflagen älterer Spieleklassiker möchte man sich auch nicht beteiligen.

Aktuell hält der Publisher übrigens einen Beta-Test zum kommenden Shooter Battlefield 1 von DICE ab. Weitere anstehende Neuveröffentlichungen sind Titanfall 2 und FIFA 17. Anfang 2017 folgt Mass Effect: Andromeda.

Im Reich des Bösen: Wie schlimm ist Electronic Arts wirklich?

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