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Report: Wieder die »Killerspiele«

Argumentationsleitfaden für die Debatte

Wir nehmen uns die häufigsten Argumente der »Killerspiele«-Gegner vor und vergleichen Vorurteile und Realität.

Von Christian Schmidt, Gunnar Lott |

Datum: 12.03.2009


In GameStar/dev (inzwischen: Making Games Magazin) Ausgabe 01/2007 hatten wir den nachfolgenden Artikel als Argumentationsgrundlage für die aufflammende Killerspiel-Debatte erstmals veröffentlicht. Aus gegebenem Anlass möchten wir Ihnen den Leitfaden noch einmal ans Herz legen.

Argument: Diese Spiele sind doch widerlich, da bekommt man Punkte für besondere Brutalität.

Wieder die »Killerspiele« : Disziplin und Konzentration beim E-Sport. Disziplin und Konzentration beim E-Sport. Analyse: »Sie müssen auf einen Knopf drücken. Dadurch wird etwa ein Arm mit einer Kettensäge abgetrennt. Diese Handlung wird zudem positiv bewertet, wenn man sein Opfer zuvor quält. Fürs Arm-Abtrennen gibt es 100 Punkte, fürs Kopf-Abtrennen 1000 Punkte.« Und es wird »gefoltert und getötet«, sogar »in brutalster Form«. All das sagte Uwe Schünemann, Innenminister von Niedersachsen, in einem Interview mit dem Stern. Schlimm wäre das, wenn's denn stimmen würde. Stimmt aber nicht. Wir kennen kein in Deutschland frei erhältliches Spiel, in dem derlei Dinge passieren. Deutschland hat seit vielen Jahren strengere Maßstäbe als andere Länder, die Hersteller sind sensibilisiert, der Handel hat Angst vor schlechter Presse -- die Liste der Spiele, die in, beispielsweise, der Schweiz erscheinen, in Deutschland aber nicht, die ist lang. Im gleichen Interview gibt Herr Schünemann übrigens folgendes zu: »Ich habe nicht gespielt, sondern ich habe mir diese Szenen aus mehreren Spielen zeigen lassen.«

Argument: Wer Gewalt spielt, übt auch Gewalt aus.

Analyse: »Das ist eine voreilige Schlussfolgerung, die impliziert, dass die bloße Übung einer Handlung bereits dazu führt, dass man diese Handlung danach auch real ausführt. Dem ist natürlich nicht so. Ob man in einer Weise handelt, wie man es vorher geübt hat, hängt von vielen Faktoren ab.« (Peter Vorder, Diplom-Psychologe, Berkeley)

Argument: Die USK ist zu lasch, das ist ja nur ein Schutzveranstaltung, ein Feigenblatt der Spieleindustrie.

Wieder die »Killerspiele« : TZ München, im November 2006. TZ München, im November 2006. Analyse: In der Debatte um das Aussortieren von jugendgefährdenden Spielen ist es vor allem die USK, die Prügel bekommt. Die Kontrollen seien zu lax, polterte etwa Innenminister Uwe Schünemann, in TV-Kommentaren wurde das System als »Lachnummer« abgefertigt. Schuld daran mögen teilweise Missverständnisse sein, etwa um den Begriff der Selbstkontrolle (das Gremium ist unabhängig von der Spieleindustrie) oder dem Unterschied zwischen Altersfreigabe (USK) und Indizierung (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, BPjM). Bei den Zweiflern stößt aber vor allem eine Regelung auf Unverständnis: Bekommt ein Spiel ein Prüfsiegel, kann es nicht mehr indiziert werden, selbst wenn sich Jugendämter beschweren sollten. Den Kritikern gilt das Bollwerk Indizierung damit als durchlöchert.

Die USK verteidigt sich: Der europäische Vergleich zeige, dass der Jugendschutz in Deutschland wesentlich restriktiver reagiere als in allen Nachbarstaaten. Diese Meinung wird auf der Fachebene (und wenn die Kameras aus sind) durchaus geteilt. Als Wolf-Dieter Ring, der Präsident der Kommission für Jugendmedienschutz, Ende November auf einer Podiumsdiskussion in Berlin vehement das System der Selbstkontrolle verteidigte, widersprach von den Politiker am Tisch -- Michaela Noll (CDU), Hans-Joachim Otto (FDP), Christa Stewens (CSU) -- keiner. Das wäre auch inkonsequent, denn die USK ist durchaus keine Veranstaltung der Spiele-Publisher, sondern politisch kontrolliert: Ein Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (der so genannte »Ständige Vertreter«) sitzt mit am Tisch, wenn über Alterskennzeichnungen entschieden wird.

Am Rande: Wenn man böse Absichten unterstellen mag, könnte man sich fragen, aus welcher Richtung das Sperrfeuer auf die USK kommt. Der Hannoveraner Connection Schünemann-Dr. Pfeiffer jedenfalls könnte ein Eigeninteresse am Untergang der USK unterstellt werden -- wenn die USK abgeschafft würde, müsste sie ersetzt werden. Das wäre eine Chance für die Hannoveraner, öffentliche Gelder an Land zu ziehen.

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Avatar worgul
worgul
#1 | 12. Mrz 2009, 11:36
Und hier die erste Meldung von Spiegel-online keine 24 Stunden nach dem Amoklauf:
"Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter-Strike oder Crysis lernen können", sagte der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung, Hans-Dieter Schwind, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und sprach sich für ein totales Verbot von Computer-Gewaltspielen sowie eine weitere Verschärfung des Waffenrechts aus.

Was soll man dazu noch sagen, außer den Kopf zu schütteln über solche Aussagen?!
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Oneal Redux
#2 | 12. Mrz 2009, 11:42
SWR.de Präsentiert gleich das:

WinnendenAmokläufer spielte Killerspiele am PC

Nach dem Amoklauf mit 16 Todesopfern hat die Polizei "einen ersten Anhaltspunkt" für ein Motiv des 17-Jährigen. Der Amokläufer habe sich in letzter Zeit viel mit Killerspielen beschäftigt. Zu seinen Hobbys gehörte auch das Schießen mit Softairwaffen, bestätigte ein Polizeisprecher am Morgen in Waiblingen.

__________________________________________ ___________________

Dabei wird nachher in dem Bericht selbst das gar nicht mehr aufgegriffen oder begründet. Total banal.
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BloodyWorld
#3 | 12. Mrz 2009, 11:48
Zitat von worgul:
Und hier die erste Meldung von Spiegel-online keine 24 Stunden nach dem Amoklauf


Hab ich auch gerade gelesen. Es ist nichts bekannt, es wurden Spiele gefunden (wie in jedem Kinderzimmer auch) und schon gelten Spiele wieder als die Instrumente, mit der man einen Amoklauf plant und sich so die Verhaltensweisen aneignet. Ich denke bis heute abend sind Spiele (Das Wort mit K meide ich) wieder die alleinigen Auslöser.
Das seine Eltern vermutlich nie Zeit hatten, er von seinem Vater als Waffennarr aufgezogen wurde, usw spielen wieder nur eine Untergeordnete Rolle.
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Fisto
#4 | 12. Mrz 2009, 11:49
hier ein sehr gutes interview
[url]http://www.stern.de/wissenschaft/mens ch/:Amoklauf-Schulen-Es-Warnsignale/657475.htm l[/url]

eine schlimme tat ja aber spielen die schuld zuzuweisen is das letzte!
vorallem wenn der täter sogar den eltern einen paar wochen vorher einen brief schreibt das er nicht mehr kann und mit sich nimma klar kommt!
mein deutlicheres zeichen gibts doch ned das was ned stimmt!

da wird mal wieder unsre kack gesellschafft durch die bösen killerspiele geschützt
armes deutschland :no:
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Magistrat
#5 | 12. Mrz 2009, 11:51
In diesem Fall ist es einfach nur lächerlich: Der Daddy hat 16 Knarren im Haus und baut dem Sohnemann einen Schießstand zum Üben im Keller - aber wenn dieser dann rausgeht und Amok läuft, sind wieder mal die Computerspiele schuld.

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Avatar bastibln
bastibln
#6 | 12. Mrz 2009, 11:52
Und die Tatsache das der Typ an soviel Munition samt Waffe gekommen ist wird mal wieder völlig ausser Acht gelassen. Gerade eben wieder im Radio... "Der Täter hat in seiner Schule mindestens 40 Schüsse abgegeben. Auffällig dabei ist das er es fast nur auf Frauen und Mädchen abgesehen hat." Keine Ahnung woher er die Waffe hatte aber wenn die von seinem Vater war dann gehört dem mindestens die Hälfte der Schuld und er gehört sofort eingesperrt!
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Venkman
#7 | 12. Mrz 2009, 11:54
Was erschreckt ist, dass auch eigentlich zuverlässige Medien wie die Schweizer Tagesschau auf Ihrer Homepage unter der Amok-Meldung einen Link "Dossier: Games und Gewalt" platziert hat ohne das entsprechende Hinweise auf ein Spielegebrauch vorgelegen haben. Das hat für mich schon Volksmanipulative Grundzüge. Die Frage ist, in wievielen Haushalten findet man Games und in wievielen findet man Waffen?
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th4n4t0z
#8 | 12. Mrz 2009, 11:56
Wenn ich sowas schon wieder höre...

Aber ein Gespräch zwischen zwei Müttern (beide Anfang 30) und einer älteren Frau, das ich heute zufällig mitbekommen habe, hat mich dann doch sehr positiv überrascht. Alle waren sich erst einmal einig, dass es nicht allein an Computerspielen liegen kann. Eine der Frauen hat sich sogar sehr darüber aufgeregt, dass jetzt wohl wieder viel auf die Spiele geschoben werden wird. Sie hat eingeräumt, dass diese Spiele durchaus Auswirkungen haben *können*. Aber sie hat auch hinzugefügt, dass es in der Verantwortung der *Eltern' liege, die Kinder richtig zu erziehen, sollte heißen, sich auch darum zu kümmern, was sie spielen, und vor allem wie lange und evtl. mit ihnen darüber reden (Ihre Anmerkung war hier, dass man es den Kindern ja nur sehr schwer komplett verbieten kann, da diese es bei Freunden oder so sonst sowieso kennen lernen, daher auch mit ihnen darüber reden).
Für solche Fälle wie der von gestern wären, da waren sich alle einig, viel mehr die Gesellschaft als ganzes.

Hut ab musste ich da sagen, diese Unterhaltung hat mich dann doch sehr positiv gestimmt, in Deutschland ist noch nicht alles verloren.

Die Unterhaltung ging noch weiter. Geschimpft haben sie dann viel mehr über den Waffenbesitz des Mannes. Schützenverein sei ok, doch Waffen in einem Haushalt mit Kindern eine andere Sache.
Da Stimme ich ihnen zu, vor allem der unverantwortungslose Umgang mit den Waffen ist beschämend. Die Waffen, oder doch zumindest die Munition, sollte sicher verwahrt sein, so dass der kleiene Sohnemann da nicht rankommen kann.

Dass der Junge softair gespielt haben soll- meine Herren, wer macht das nicht mal? Daran ist absolut nichts schlimmes. Kleine Kinder schießen schon mit Wasserpistolen aufeinander. Sind das auch alles potentielle Amokläufer? Als solcher fühle ich mich nämlich nicht, und ich Spiele auch besagte Spiele und habe im Kindesalter Platzpatronpistolen und Wasserpistolen gehabt.


Eine interessante Sache wollte ich hier noch anmerken: Die alten Griechen, die ja immer als so weise dargestellt werden, hätten diese Sache ganz anders eingeschätzt. Damals redeten diese von einer "Katharsis" durch Darstellung von Leid. Durch Betrachten von Schmerzen u.ä. (was u.a. Mitleid erzeugen sollte) sollte der Betrachter zu einer inneren Reinigung kommen.
Ich sage nicht, dass ich dem zustimme, ich finde es nur interessant, wie sich die gesellschaftlichen Ansichten ändern können.
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Avatar Magistrat
Magistrat
#9 | 12. Mrz 2009, 11:58
@bastibln: Genau das wollte ich ja mit meinem Post sagen. Der Täter kommt aus einem Familienumfeld wo Waffen alltäglich sind und - zumindest für den Vater, das wichtigste Rollenvorbild eines jungen Menschen - einen positiven Lebensmittelpunkt darstellen.

Ob der dann Computerspiele, Tischtennis oder Sudoko spielt ist zweitrangig - die Prägung zum Waffengebrauch und die Gelegenheit (verfügbarkeit) hat er vom Vater.
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Avatar Mey1988
Mey1988
#10 | 12. Mrz 2009, 12:00
Vielleicht will man ja die Spielergemeinschaft zu öffentlichen Demonstrationen gegen diese Argumentationen bewegen, um dort, wie so oft üblich, kleinere Gruppen Gewaltstifter einzuschläußen und dann, nach provoziertem Gewaltausbruch, endgültig die Spielergemeinschaft als Übel der Gesellschaft abzustempeln:rolleyes:

Ne, im Ernst...
Der Staat sucht doch nur einen Sündenbock, um nicht zugeben zu müssen, dass das Schulsystem scheisse ist, immer weiter amerikanisiert wird und vor allem, damit er kein Geld für Bildung und Gesellschaft, sondern weiter für verfassungswidrige Auslandskriege ausgeben kann.
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