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Report: Die Akte Ascaron

Große Hits, große Reinfälle

Der Gütersloher Spielehersteller Ascaron hat große Spiele wie Sacred hervorgebracht, und mindestens ebenso groß waren seine Reinfälle. Mit der Pleite im April endet eine Ära - auch eine von Pfusch und Nachlässigkeit. Die Geschichte einer schleichenden Katastrophe.

Von Christian Schmidt |

Datum: 31.08.2009


Am Tag, an dem es zu Ende geht, ruft Holger Flöttmann seine Projektleiter einzeln zu sich ins Büro. Sie hören seine Mitteilung ohne Überraschung; dann tragen sie sie in ihre Teams. Für einen der Programmierer ist es der erste Arbeitstag, frisch eingestellt hört er die Neuigkeit: Sein Arbeitgeber ist Pleite. Am 31. August 2001 beantragt die Ascaron Software Publishing GmbH beim Amtsgericht Bielefeld die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Es ist Ascarons erster Konkurs. Acht Jahre später wird eine zweiter folgen, und diesmal ist er endgültig. Die Zeit dazwischen erzählt eine Geschichte, die auf ihre Weise eine Antwort gibt auf die Frage, warum die größten Videospiele-Verlage der Welt aus den USA und Japan und Frankreich und England kommen, aber Deutschland, der drittwichtigste Spielemarkt der Welt, bis heute keinen Publisher von globalem Rang hervorgebracht hat. Es ist eine Parabel über die hiesige Branche, und sie handelt von einer Firma, die klangvolle Marken aufbaute und dann ruinierte. Die, wenn sie Geld hatte, es verpulverte. Der es nie am Willen zur Größe mangelte, aber oft an der Kompetenz. Die davon lebte, dass die Spieler in diesem Land Zumutungen ertragen.

Bis es irgendwann nicht mehr ging.

» Alle Ascaron-Spiele in der Übersicht

Der Patrizier (1992) - Das erste eigene Werk wird aus dem Stand ausgesprochen populär und begründet Ascarons Ruf als Entwickler solider Handelssimulationen.

Ascaron heißt Ascon

Die Geschichte von Ascaron beginnt mit Holger Flöttmann. Flöttmann ist Westfale, Jahrgang ’66, ein robuster Mann, der auch im Anzug leger wirkt; er könnte Fußballtrainer sein. Er raucht Kette, die Stimme ist tief.

Flöttmann ist ein Gewächs der deutschen Spielebranche. Er war bei Rainbow Arts, Ende der 80er der bedeutendste deutsche Spielehersteller. 1988 gründet er seine eigene Firma, Thalion. Da ist er 21. Thalion macht gute Spiele, am bekanntesten werden Amberstar und Ambermoon, aber der kommerzielle Erfolg bleibt aus. Flöttmann verkauft Thalion an Ariolasoft.

Die Akte Ascaron : Ascaron hieß zunächst nur Ascon, musste sich danach aber umbenennen. Ascaron hieß zunächst nur Ascon, musste sich danach aber umbenennen. Die Geschichte seiner zweiten Firma beginnt auf dem Bett. An einem Sonntagnachmittag im Jahr 1991 liegt Flöttmann in seinem Schlafzimmer in Gütersloh und denkt sich Namen aus. Am Ende bleibt er bei Ascon hängen. Die Adresse, so geht die Legende, sollte möglichst weit vorn im Telefonbuch stehen, deshalb das A. Der Rest ist Fantasie. Fünf Jahre später muss er sie umbenennen, weil der Schweizer Telekommunikations-Konzern Ascom die Namensähnlichkeit beklagt. So wird aus Ascon Ascaron.
Holger Flöttmann bleibt bei Ascaron vom ersten bis zum letzten Tag, 18 Jahre lang. In der deutschen Spielebranche ist das eine Ewigkeit. Er hat das Schicksal der Firma bestimmt, zweifellos. Es ist nur nicht ganz klar, ob das eine gute Sache war oder eine schlechte.

Flöttmann sei ein genialer Produzent, sagen die einen. Ein Theoretiker, ein Visionär. Man sagt ihm Überzeugungskraft nach, er kann Leute mitreißen. Ein kreativer Kopf, kein Mann der Praxis. Wenn er sich entspannen will, spielt er im Büro Gitarre. Wenn er planen soll, wird er philosophisch, abstrakt. Details liegen ihm nicht. Er selbst sieht sich als Entwickler; am liebsten, sagt er, hätte er weiter Spiele entworfen, statt sich nur um das Geschäft zu kümmern. Holger Flöttmann trägt die Schuld daran, dass die Dinge bei Ascaron aus den Ruder liefen, sagen ehemalige Führungskräfte. Holger Flöttmann sei eher Opfer als Täter, sagt sein späterer Geschäftsführer Heiko tom Felde. Zu viele Menschen seien ihm auf der Nase herumgetanzt. 18 Jahre lang.

Den größten Hit verdankt Ascaron einer Pleite. Im Jahr 2001 trudelt der Aachener Entwickler Ikarion ( Demonworld, Hattrick ) in die Insolvenz. Ikarions Insolvenzverwalter ist mit der Abwicklung der bankrotten Computerkette Vobis ausgelastet, die kleine Spielefirma läuft unter dem Radar. So kann Holger Flöttmann aus der Konkursmasse günstig einen großen Teil der Ikarion-Mannschaft und eines der Projekte herauskaufen. Das heißt Armalion .

Armalion sollte ein Rollenspiel mit der Lizenz der Fantasy-Reihe Das Schwarze Auge (DSA) werden. Als Ascaron den Titel übernimmt, ist er etwa zur Hälfte fertig. Flöttmann gründet in Aachen eine Tochterfirma von Ascaron, benannt Studio 2. Dort soll Armalion fertig gestellt werden, ohne DSA-Lizenz, als Action-Rollenspiel. Und unter neuem Namen: Sacred .

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Avatar sirsims
sirsims
#1 | 31. Aug 2009, 18:39
"Die Akte Ascaron" ist für mich zu einem eurer besten Reports geworden!
Ein Lob auch an Herr Schmidt.
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Avatar DoubleFloat
DoubleFloat
#2 | 31. Aug 2009, 18:47
Lob auch von meiner Seite!
Schade, dass es mit Ascaron zu Ende gegangen ist, Sacred und auch Sacred2 sind zwei meiner liebsten RPGs und ich hab schon einige gespielt.
Hoffen wir mal, dass die bisherigen Mitarbeiter alle nen neuen Arbeitsplatz finden und auch weiterhin ihre Kreativität in der deutschen Spielebranche einbringen.
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Avatar Jul!an
Jul!an
#3 | 31. Aug 2009, 18:53
Ein sehr guter, interessanter und aufschlussreicher Report! Ich selbst habe mich - wie viele andere leser - sehr häufig gefragt, wie es möglich ist, dass ein Studio wie Ascaron schließt. Mit Hits wie Sacred/Sacred 2...
Ich selbst war sehr erschrocken, als ich las, dass das kleine Spiel Ballerburg 1 Millionen Mark gekostet haben soll! Ähnliche kleine Spiele werden heutzutage immernoch von Hobbyentwicklern gebastelt....


Allerdings dachte ich der Reportwäre schon einmal erschienen??
Oder war das nur im Heft und jetzt ist er das erste Mal online?
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Avatar OneofOne
OneofOne
#4 | 31. Aug 2009, 18:55
Etwas einseitig geschrieben, da nicht mal einer von Studio 2 zum Thema Sacred zu Wort kommt. Und auch sonst sind wohl einige Aussagen unter den Tisch gefallen, die nicht ganz so negativ waren - aber wohl nicht zur gewollten Aussage passten. Aber trotzdem ganz guter Bericht. Man sollte sich aber auch mal die andere Seite in den offiziellen Foren anhören, um einen Gesamteindruck zu bekommen.
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Avatar Razortec
Razortec
#5 | 31. Aug 2009, 19:06
Das ist ein, für meinen Geschmack, guter Bericht, wo ich das Cover von Port Royale gesehen hab, musste ich an vergangene Zeiten denken. Schade finde ich es, trotz aller Unkenrufe, das es Ascraon/Studio II nicht mehr gibt. Ich hab mich eine Zeitlang im offiziellen Sacred Forum rumgetrieben und man konnte förmlich spüren, das die meisten der Jungs Engagement gezeigt haben, eine gewisse Ehre Ice & Blood gut und vollständig auf den Markt zu bringen. Es tut mir auch leid, das einige hochmotivierte und spezialisierte Leute auf dem Arbeitslosenmarkt "rumgondeln". Wer auch immer schuld hat, Arbeitslos, will glaub ich, keiner sein.
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Avatar FKFlo
FKFlo
#6 | 31. Aug 2009, 19:07
Stand das nicht schon im Heft?,,ahja seh greade japp stand es,.wusste doch das es mir bekannt vorkam :D
Naja hatte shcon überlegt nen Leserbrief los zu schicken,aber das kann ich mir ejtzt ja spaen und es euch heir sagen:
SUPER REPORT,.eines der besten die ich je bei euch gelesen habe,.
dickes Lob an euch.
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Avatar ck001
ck001
#7 | 31. Aug 2009, 19:14
große hits, große reinfälle - im ersten moment musste ich an looking glass denken, denen es ganz ähnlich erging. war da nicht mal ein artikel in einer gs?
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Avatar Tezcatlipoca
Tezcatlipoca
#8 | 31. Aug 2009, 19:26
Ich finde solche Hintergrundberichte unglaublich interessant. Endlich erfährt man mal klipp und klar, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat.

Computerspielentenwicklung ist schon ein sehr hartes Geschäft, trotzdem Schade um Ascaron.
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Avatar FKFlo
FKFlo
#9 | 31. Aug 2009, 19:26
Zitat von ck001:
große hits, große reinfälle - im ersten moment musste ich an looking glass denken, denen es ganz ähnlich erging. war da nicht mal ein artikel in einer gs?


Hehe wusste garnicht das sie außer The Dark Project I und Teil 2 noch andere Spiele entwicklet haben, aber demnach das sie auch Flops hatten oder Spiele die man schelcht hätte nennen können werden sie wohl wirklcih noch andere Titel entwicklet haben,.denn bei Dark Project (Thief) kann man ja wohl nicht von einem schelchten SPiel reden!!
Man wie ich mich auf Teil 4 freue :)
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Avatar itistoolate
itistoolate
#10 | 31. Aug 2009, 19:29
Schöner Artikel.
Es ist schade um Ascaron.
Flöttman hätte wahrscheinlich jemand anderem das Management anvertrauen und sich selbst um das Kreative kümmern sollen.
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