Artikel

Die Artikel-Übersicht auf GameStar.de mit Previews, Hintergrund-Berichten, Reports, Kolumnen, Interviews, Kinofilm-Kritiken und mehr.
Seite 1 2

Report: So spielt die Welt - Teil 2

Asien, Japan, China, Indien, Mittlerer Osten

Warum zahlen Asiaten lieber für Items als für Abos? Warum mögen die Japaner die Xbox nicht? Warum sind so viele Chinesen spielsüchtig? Kommen Top-Spiele künftig aus Indien? Welche Rolle spielt der Mittlere Osten für die künftige Spieleentwicklung? Im zweiten Teil unseres Reports befassen wir uns mit Japan, China, Indien und dem Mittleren Osten.

Von Christian Burtchen |

Datum: 21.01.2010


Die Spielebranche ist ein globaler Markt. In vielen Ländern der Erde werden Spiele hergestellt – aber was spielt man in diesen Ländern eigentlich? Denken alle so wie wir Deutschen?

Wir sind auf Forschungstour durch die Spielemärkte der Welt gegangen, haben Fragen gestellt und Antworten gefunden. Die Analysen zeigen, wie regionale Rahmenbedingungen Aspekte der Spielkultur offen oder subtil beeinflussen. Im zweiten Teil unseres dreiteiligen Reports wenden wir uns dem Mittleren Osten und dem asiatischen Markt zu.

» So spielt die Welt #1 (USA, Australien, Kanada, Südkorea)
» So spielt die Welt #3 (Russland, Frankreich, deutsche Spiele im Ausland)

Asien

So spielt die Welt - Teil 2 : Asien Asien Warum zahlen Asiaten lieber für Items als für Abos?

Mit Ausnahme von Südkorea war Asien für PC-Spieleentwickler lange Zeit ein weißer Fleck auf der Landkarte. Die regelrecht absurden Ausmaße der Piraterie machten die Region für traditionelle Verkäufe gänzlich unattraktiv. Schätzungen gehen von teils mehr als 80% urheberrechtswidrig kopierter Software aus, gebrannte oder illegal industriell vervielfältigte Ware findet sich ganz normal auf dem Marktplatz. Gleichzeitig führte die Dauerverfügbarkeit von »Gratis-Software « bei asiatischen Spielern zu einer wesentlich geringeren Bereitschaft, Abo-Gebühren zu zahlen. Folglich war ein Vertriebsweg gesucht, der das etablierte Grundbedürfnis nach kostenlosem Spielen befriedigte, aber trotzdem Profite abwerfen könnte. So setzten asiatische Hersteller schließlich auf den Verkauf von Items. Dabei spielt ihnen in die Hand, dass fernöstliche Spieler großen Wert auf Individualisierung und Wettbewerb legen und folglich bereit sind, für virtuelle Accessoires auch Geld auszugeben. Die Kleinbeträge schrecken isoliert betrachtet weit weniger ab als monatliche Entgelte, und der Spieler fürchtet auch nicht den Ausschluss, wenn ein klammer Monat ansteht. Darauf basieren Free-2-play-Modelle und feiern entsprechende Erfolge: 100 Millionen Spieler zählt etwa Maple Story, die überwältigende Mehrheit davon aus Asien.

Japan

So spielt die Welt - Teil 2 : Japan Japan Warum mögen die Japaner die Xbox nicht?

In Japan herrscht eine große Verbundenheit des Marktes mit dem eigenen künstlerischen Stil und etablierten Marken. Dass Microsoft sich im Kampf gegen Nintendo und Sony so schwer tut, lässt sich auf eine Reihe von Fehlern bei der Einführung der Xbox zurückführen. Es begann mit der Klobigkeit des Endgeräts und Controllers und fand seine Fortsetzung in der falschen Wahl der Spiele zum Verkaufsstart: kein Final Fantasy, keine Dating-Spiele, durch einen Dolmetscher-Fehler (der von Spielen nicht als »Kunst«, sondern als »Spielkram« sprach) zunächst auch keine Produkte von Capcom (Resident Evil, Devil May Cry) – damit waren die Erfolgschancen der Konsole von Anfang an dezimiert. Zudem nutzte Sony seine dominante Stellung aus; Händler berichteten von Drohungen, dass sie nicht mehr beliefert würden, sollten sie die Xbox ins Sortiment aufnehmen. Da konnte auch die wuchtige Marketingkampagne zum Start nichts mehr reißen, mit der Microsoft versuchte, in Fernost Fuß zu fassen. Zwei Millionen Konsolen setzte der Windows-Hersteller insgesamt in ganz Asien ab. Sony kommt allein in Japan auf 21 Millionen Exemplare der Playstation 2. Mit der Xbox 360 sieht es ganz ähnlich aus, hier kommen in Japan auf jedes verkaufte Exemplar mehr als drei Playstation 3.

China

So spielt die Welt - Teil 2 : China China Warum sind so viele Chinesen spielsüchtig?

Internetcafés sind in der Volksrepublik seit Jahren ein boomender Wirtschaftszweig. Über hunderttausend davon gibt es bereits. Besonders jüngere Männer suchen sie häufig auf, weil es die günstigere oder einzig mögliche Lösung ist, an einen PC zu gelangen. Einer der Hauptzeitvertreibe dabei: Spiele. So weit nicht verwunderlich; doch für viele Chinesen hat das Spielen besorgniserregende Ausmaße angenommen. Jeder sechste chinesische Jugendliche gilt als gefährdet für Internet-Abhängigkeit, die Hauptursache sind Online-Rollenspiele. Mehr als 300 Entwöhnungslager nehmen Kinder ratloser Eltern auf und versuchen, die Spielsucht zu brechen, oft mit rabiaten Methoden. Die chinesische Regierung belegt Online-Spiele seit Jahren mit Einschränkungen: Wer spielen will, muss sich mit seiner Ausweisnummer anmelden, nach einigen Stunden wird der mögliche Fortschritt im Spiel verlangsamt oder gar gestoppt. Warum ist das Suchtproblem gerade im totalitären China so präsent? Gegenwärtig wächst die Generation der Ein-Kind-Politik heran, der gesellschaftliche Druck im bevölkerungsreichsten Land der Erde ist gigantisch. Den Alltag erleben viele chinesische Jugendliche als Mischung aus Verhätschelung und Drill, Konformität und Unterordnung werden erwartet. Spiele mit ihren offenen, abenteuerlichen Welten, dem bunten Sozialgefüge und individualisierten Helden erscheinen im Kontrast wesentlich einladender als die Realität.

INHALTSVERZEICHNIS

Seite 1
Seite 2
Diesen Artikel:   Kommentieren (13) | Drucken | E-Mail
Sagen Sie Ihre Meinung (» alle Kommentare)
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten!
» Zum Login

Sie sind noch nicht in der GameStar-Community angemeldet?
» Zur kostenlosen Anmeldung
Erster Beitrag  |  » Neuester Beitrag
Avatar Teralon
Teralon
#1 | 21. Jan 2010, 17:21
Gut gemacht! Ich fand den ersten Artikel ziemlich enttäuschend, dieser hier ist deutlich besser.
rate (9)  |  rate (0)
Avatar Stuggy
Stuggy
#2 | 21. Jan 2010, 18:29
seh ich genauso wie Teralon.

Daumen hoch.
rate (1)  |  rate (1)
Avatar 1aSchnitzel
1aSchnitzel
#3 | 21. Jan 2010, 18:36
jep, dieser hier ist um einiges besser.
rate (0)  |  rate (0)
Avatar Odradek
Odradek
#4 | 21. Jan 2010, 18:37
Ihr berichtet über Asien genauso als wäre es ein einzelnes Land und bringt dann im Anschluss nochmal China und Japan alleine. Ist der Bericht über Asien eine Art Einleitung die für gsamtasien, also China wie Japan und andere gilt und Japan und China habt ihr dann nochmals seperat unter die Lupe genommen? Was diese beiden, abgesehen von dem was schon über Asien gesagt wurde, individuell auszeichnet? Versteh ich das richtig?
Wenn es so stimmt dann bringt mich der Satz:
"Dabei spielt ihnen in die Hand, dass fernöstliche Spieler großen Wert auf Individualisierung und Wettbewerb legen" in Hinblick auf China doch stark zum schmunzeln. Spiele als das ausleben westlicher Individualitätsgedanken und kapitalistischem Wettbewerb? Am ende besiegen Spiele noch den Kommunismus.
rate (3)  |  rate (0)
Avatar Gehirne essen
Gehirne essen
#5 | 21. Jan 2010, 19:08
Zitat von Odradek:
Ihr berichtet über Asien genauso als wäre es ein einzelnes Land und bringt dann im Anschluss nochmal China und Japan alleine. Ist der Bericht über Asien eine Art Einleitung die für gsamtasien, also China wie Japan und andere gilt und Japan und China habt ihr dann nochmals seperat unter die Lupe genommen? Was diese beiden, abgesehen von dem was schon über Asien gesagt wurde, individuell auszeichnet? Versteh ich das richtig?
Wenn es so stimmt dann bringt mich der Satz:
Dabei spielt ihnen in die Hand, dass fernöstliche Spieler großen Wert auf Individualisierung und Wettbewerb legen in Hinblick auf China doch stark zum schmunzeln. Spiele als das ausleben westlicher Individualitätsgedanken und kapitalistischem Wettbewerb? Am ende besiegen Spiele noch den Kommunismus.


Spiele nicht, aber die Freihe Meinungs- und Redefreiheit
Was meinst du warum es 300 sogenannte Entwöhungslager in China gibt, in denen man eher zu roher Gewalt greift. In Online Spielen können sich rießige Menschen Massen zur selben Zeit treffen...dort entbrennen schnell mal Diskussionen...bestimmt auch welche, die gegen die Regierung sind...
Und Kommunistische(nennt mir einen Kommunisten-Staat, der Rede und Meinungsfreiheit+Individualität unterstützt) Staaten dulden sowas nicht
rate (1)  |  rate (1)
Avatar GDI121
GDI121
#6 | 21. Jan 2010, 19:10
Im Heft ist der Artikel am besten^^
rate (2)  |  rate (0)
Avatar Falkum
Falkum
#7 | 21. Jan 2010, 21:01
Zitat von Odradek:

Wenn es so stimmt dann bringt mich der Satz:
Dabei spielt ihnen in die Hand, dass fernöstliche Spieler großen Wert auf Individualisierung und Wettbewerb legen in Hinblick auf China doch stark zum schmunzeln. Spiele als das ausleben westlicher Individualitätsgedanken und kapitalistischem Wettbewerb? Am ende besiegen Spiele noch den Kommunismus.


Jaja unsere Demokratie ist das Maß aller Dinge :P Naja, man muss sicherlich immer vorsichtig sein mit Berichten über China, weil sie immer mit einem bestimmten Bild im Hinterkopf geschrieben sind...
rate (1)  |  rate (1)
Avatar A_N_D
A_N_D
#8 | 22. Jan 2010, 00:23
Finde auch diesen Artikel wesentlich interessanter und informativer als den ersten zu diesem Thema.

Meiner Meinung nach hat aber der letzte Abschnitt eine falsche Überschrift. Da die Türkei erwähnt wird, ist hier wohl eher der Nahe Osten gemeint. Der Mittlere Osten (meinem Eindruck nach ist dieser Begriff im Deutschen sowieso eher seltener) beginnt erst ab dem Iran und schließt Indien mit ein, das ja schon einen eigenen Abschnitt hat.

Oder wurde aus einer englischen Quelle abgeschrieben? ;) "Mid East" heißt auf Deutsch "Naher Osten".
rate (1)  |  rate (0)
Avatar yoman87
yoman87
#9 | 22. Jan 2010, 01:50
Wieso erwähnt ihr nicht Afrika. Auch wenn es wenig ist.
In Marokko werden Ubisoft Spiele hergestellt. Vorallem für DS z.b. Prince of Persia: The Fallen King. Außerdem soll die Idee hinter Assassins Creed von dort stammen.
rate (1)  |  rate (0)
Avatar GuraxDax
GuraxDax
#10 | 22. Jan 2010, 11:04
Zitat von Falkum:


Jaja unsere Demokratie ist das Maß aller Dinge :P Naja, man muss sicherlich immer vorsichtig sein mit Berichten über China, weil sie immer mit einem bestimmten Bild im Hinterkopf geschrieben sind...


Das mag sein, aber allein dass du hier in diesem Forum deine kritische Meinung frei und ohne Angst äußern darfst, macht unsere Demokratie doch tausendmal besser als ein Leben in China.
rate (1)  |  rate (1)

PROMOTION
 
Sie sind hier: GameStar > Artikel > Reports > So spielt die Welt > Teil 2
top Top
Werde Fan von GameStar auf FacebookFacebook Aboniere den YouTube-Kanal von GamestarYouTube Besuche Gamestar auf Google+Google+ GameStar auf Twitter folgenTwitter Alle RSS-Feeds von GameStar.deRSS-Feeds Jetzt GameStar-Newsletter bestellenNewsletter
© IDG Entertainment Media GmbH - alle Rechte vorbehalten