»Warte!«, schreit der Mann und winkt panisch, »Halt an! Stopp!« Unser Jeep bremst, neben uns kracht ein Betonbrocken auf den Asphalt. »Bitte hilf mir! Sie ist gleich hier!« Hinter ihm die Treppe zur U-Bahn, Flammen, Trümmer, eine Frau unter einem Stahlträger. Auch sie kreischt: »Hilf mir!« Es regnet Buchstaben, Teile einer Leuchtreklame, die Erde bebt, großer Gott, neben uns kippt ein Wolkenkratzer! Der Fahrer tritt aufs Gas, bloß weg hier, weg! Hinter uns stürzt das Hochhaus donnernd in sich zusammen, begräbt die Treppe, den Mann, die Frau, die Hoffnung. Es wird dunkel – und still. Ein Logo erscheint: Crysis 2.

Zum Thema » Video Die E3-Präsentation in HD » Video Alien-Jagd in New York Crysis 2 ab 6,02 € bei Amazon.de Crysis 2: Maximum Edition für 19,99 € bei GamesPlanet.com Puh, durchatmen. Was ist da gerade passiert? Das erfahren Sie auf den folgenden Seiten, mit dieser dramatischen Zwischensequenz endet nämlich die E3-Version des Shooters, die wir als einziges deutsches Magazin selbst spielen durften. Und zwar außer in normalem 2D auch in 3D! Moment: Sind heutzutage nicht fast alle Spiele dreidimensional, abgesehen von einer Handvoll ewiggestriger Adventures? Nein, in diesem Fall meinen wir echtes 3D mit räumlicher Tiefe, wie im Schlumpfindianer-Kinofilm Avatar. Abgesehen vom Dimensionssprung haben wir bei unserem Ausflug ins verheerte New York – und unserem anschließenden Interview mit dem Chefentwickler Cevat Yerli noch viele weitere Neuigkeiten erfahren, die nur einen Schluss zulassen: Crysis 2 kann seinen grandiosen Vorgänger (GameStar-Wertung: 94 Punkte) noch übertreffen, auch in Sachen Inszenierung. Die oben beschriebene Szene ist da schon ein guter Anfang. Beziehungsweise ein beklemmendes Ende.

Crysis 2 :

Mehr Handlung bitte!

Doch beginnen wir von vorne. Die Handlung von Crysis 2 sollte sich inzwischen selbst bei Shooter- Abstinenzlern herumgesprochen haben: Außerirdische überrennen New York, als Supersoldat Alcatraz blasen wir zur Jagd auf die Schleimbeutel. Außerdem legen wir uns mit einer menschlichen Splitterfraktion an. Wer die ist, möchte der Entwickler Crytek noch nicht enthüllen, im Interview verrät uns Cevat Yerli nur, dass die schießfreudige und bestens ausgerüstete Truppe etwas von Alcatraz will. Etwa den futuristischen Nano-Anzug, der ihm übermenschliche Kräfte verleiht? Später könnten die Angreifer allerdings die Seiten wechseln, Yerli kündigt mehrere Story-Wendungen an. Nicht umsonst arbeitet Crytek diesmal mit dem Science-Fiction-Autor Richard Morgan zusammen. Gut so, schließlich ließ sich die Handlung des ersten Crysis locker in ein paar Sätzen zusammenfassen.

Crysis 2 : In Crysis 2 ziehen die Aliens vom Tropendschungel in den Großstadtdschungel. In Crysis 2 ziehen die Aliens vom Tropendschungel in den Großstadtdschungel. Wendungen in der Handlung sind auch dringend nötig, denn zu Beginn von Crysis 2 läuft der Alien-Krieg gar nicht gut, die Menschheit droht unterzugehen. Unsere Probepartie beginnt auf einer Straßenbrücke, die zur Grand Central Station führt, dem wuchtigen Bahnhof im Wolkenkratzer-Viertel Manhattan. Dort wogt das Chaos, überall türmen sich Trümmer, Flammen züngeln, durch den Nachthimmel zischen die Leuchtgeschosse der Alien-Artillerie und schlagen Löcher in Hochhaus- Fassaden. US-Soldaten rennen an uns vorbei, bellen Befehle. Crytek versteht es einfach meisterhaft, eine packende Schlachtfeld-Atmosphäre zu erzeugen. Unser Auftrag: Wir sollen ein Hochhaus sprengen, um den Vormarsch der Außerirdischen zu stoppen. Die Bombe ist bereits gepflanzt, dummerweise liegt der Auslöser samt seinem leblosen Besitzer in einem nahen Gebäude. Wie wir dorthin kommen, entscheiden wir selbst, wie in Crysis bieten die an sich linearen Levels viel Bewegungsfreiheit. Zum Beispiel können wir unter einer Brücke hindurch gehen oder drüber laufen, beides hat Vor- und Nachteile, die eine mehr oder weniger aggressive Spielweise nötig machen. Wir entscheiden uns für den direkten Weg: Attacke!

Deckungsystem und neue Sichtmodi

Kaum stapfen wir los, zischen uns schon Energiegeschosse um die Ohren. Außerirdische! Weil die computergesteuerten US-Truppen wie in Crysis nur als Statisten dienen, knöpfen wir uns die Invasoren selbst vor.

Crysis 2 : Alcatraz bekommt es auch mit menschlichen Gegnern zu tun. Wer die sind und was die wollen, verrät Crytek bislang noch nicht. Alcatraz bekommt es auch mit menschlichen Gegnern zu tun. Wer die sind und was die wollen, verrät Crytek bislang noch nicht. Als wir losfeuern, hechten die bulligen, tentakelköpfigen Alien-Soldaten hinter Hindernisse. Gute Idee, wir gehen ebenfalls in Deckung. Wenn wir uns in der Nähe eines Hindernisses ducken – etwa einer Brüstung oder einer Säule –, dann lehnt sich Alcatraz dagegen. Nun können wir dahinter hervorlugen und Feinde gezielt ausknipsen. Allerdings sind einige der Deckungen zerstörbar, aus Brüstungen brechen Steinbrocken, Kisten zerfallen in Einzelteile. Dafür liegen auf der Brücke Metallplatten herum, die wir als Instant-Schutzschilder einsetzen: Wir stellen sie auf und ducken uns dahinter. So können wir dank des Deckungssystems mehr mit der Umgebung anstellen, das Terrain wird interaktiver als in Crysis. Weil die Feinde gerne mal die Deckung wechseln und uns im Trümmerfeld eh der Überblick fehlt, schalten wir in den neuen Taktik-Sichtmodus. Dann können wir zwar nicht schießen, dafür werden erspähte Gegner automatisch markiert.

Als wir wieder zur Waffe greifen, sehen wir die Umrisse des anvisierten Außerirdischen immer noch – auch, wenn er in Deckung geht. Wir schauen uns um: Da hockt er hinter einem Autowrack, Granate rein, erledigt. Ein Bösewicht kraxelt auf die Brücke und springt in eine dunkle Ecke. Wir schalten in den zweiten neuen Sichtmodus, die Wärmebild-Kamera, und erledigen den Fiesling, als er hinter einem Trümmerhaufen hervorlugt. Alternativ hätten wir auch Alcatraz' Nachtsichtgerät einsetzen können.