Faster Than Light (FTL) im Test
Im Weltall hört dich nicht niemand fluchen
Das über Kickstarter finanzierte Retro-Kleinod FTL lässt uns im Test erleben, wie die Spiele der 80er Jahre motivierten: mit Frust.
Von
Patrick Lück
|
Datum:
23.11.2012
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Der blanke Indie-Horror
Frust – er gilt als »die« Sünde im modernen Spieldesign Spiele sollen durchgehend motivieren, unterhalten, fließen. Folglich sind viele moderne Titel, insbesondere die mit hohem Budget, aus Sicht erfahrener Spieler deutlich zu leicht und anspruchslos.
Das Weltraum-Taktikspiel
FTL: Faster than Light
hingegen erinnert uns im Test an eine Zeit, in der Frust und Niederlagen als Ansporn dienten, das Spiel nochmal von vorne zu beginnen. Schon der Ur-Dungeon Crawler Rogue (1980) schickte seine Spieler immer wieder in zufallsgenerierte Monsterkampf-Schleifen. Das Scheitern auf halbem Wege war da inbegriffen und diente als Triebfeder für weitere Versuche.
Auch Shoot´em Ups wie Xenon 2, Chaos Engine oder Turrican setzten auf den Dreiklang »versuchen, scheitern, neu beginnen«. Spieler der 80er und frühen 90er Jahre kannten oftmals nichts anders, meist gab es noch nicht mal eine Speicherfunktion.
Okay, dafür waren die Spiele kürzer, selbst der Klassiker Prince of Persia dauerte von Anfang bis Ende nur eine knappe Stunde. Doch um Letzteres überhaupt zu erreichen zu, musste man Dutzende Stunden des Übens und Scheiterns investieren. So wie nun in FTL.
Wo kaufen?
FTL gibt es sowohl auf der Homepage der Entwickler als auch auf den Online-Vertriebsplattformen Gog.com und Steam für 9,99 Euro. Abgesehen von der Steam-Variante sind die Versionen DRM-frei.
Rogue und Diablo lassen grüßen
FTL fällt in die Kategorie der »Roguelikes«-Spiele, deren Spielprinzip an den Rollenspiel-Klassiker Rogue erinnert, der einst auch das erste
Diablo
inspirierte. In FTL jagen wir allerdings keine Monster, sondern übernehmen das Kommando über ein Raumschiff, das von einer ganzen Rebellenflotte quer durch die Galaxis gejagt wird.
Unser Raumschiff liefert sich eine Schlacht mit einem Scout der feindlichen Rock-Fraktion. Da wir durch Raketen und Strahlenbeschuss bereits jede Menge Treffer einstecken mussten, ist an Bord Feuer ausgebrochen. Um dieses zu ersticken, öffnen wir die Bordtüren zum Weltall, um den brennenden Räumen die Luft zu entziehen. Unterdessen bekämpft der Großteil unserer Crew ein feindliches Enterkommando während ein Mechaniker die defekte Sauerstoffversorgung repariert.
Letztere wird bei jedem Spielstart neu ausgewürfelt, so dass jeder Anlauf anders verläuft als der vorige. Speicherstände gibt’s dabei nicht (außer beim Verlassen des Spiels) – wer unterwegs das Zeitliche segnet, muss wieder von vorne anfangen
Und das Scheitern gehört durchaus zum Spielprinzip, die wenigsten Anläufe enden mit einem erfolgreichen Endkampf. Doch da ein vollständiger Durchlauf aber nur eine bis zwei Stunden in Anspruch nimmt, bleibt die Motivation zum Neubeginn stets hoch, zumal wir stets dazulernen.
So optimieren wir unsere Strategien, finden neue Quests und Lösungen, probieren andere Waffen aus oder schalten zusätzliche Raumschiff-Typen frei, mit denen sich der nächste Versuch gleich ganz anders spielt. Auch beim zigsten Anlauf wird uns so nicht langweilig, auch dank des happigen Schwierigkeitsgrades, der uns schon auf der niedrigsten Stufe »easy« ordentlich in Schwitzen bringt.