Zum Thema Forza Horizon 3 ab 69,99 € bei Amazon.de Bevor jetzt jemand mit Autoreifen nach uns wirft: Nein, mit der Überschrift dieses Artikels (»Genau das hat der PC gebraucht!«) meinen wir nicht den Windows Store, Play Anywhere oder Universal-Windows-Apps. Das Für und Wider dieser drei Zauberworte diskutiert der Hardware-Kollege Nils Raettig ausführlich im entsprechenden Artikel - wir klammern stattdessen Microsofts Plattformpolitik bewusst aus, denn was der PC in unseren Augen wirklich gebraucht hat, ist ein Spiel wie Forza Horizon 3. Ein waschechtes Rennspiel-Meisterwerk mit Open World, das den seit Jahren hungernden PC-Fans von Arcade-Racern wie Need for Speed quasi einen neuen Heiligen Gral in den Schoß legt.

Den sollte man dann aber alsbald gegen ein Gamepad oder Lenkrad tauschen - mit Hunderten von Rennen und Herausforderungen, einer riesigen australischen Spielwelt, einem umfangreichen Multiplayer und einem gigantischen Fuhrpark von über 350 Autos gibt es eine ganze Menge zu tun. Die wichtigste Frage dabei: Macht das auf dem PC genauso viel Spaß wie auf der Konsole (dort gibt der GamePro-Kollege Tobi Veltin eine satte Wertung von 92) und funktioniert es genauso gut? Denn Forza Horizon 3 ist eben nicht nur das erste Horizon für den Rechner, sondern auch ein Flaggschiff von Microsofts Play-Anywhere-Initiative. Wir sind für den Test zig Stunden durchs Outback gedonnert und geben hier unsere Antwort. Aber vorher klären wir für PC-Neulinge, was dieses ominöse Forza, von dem Konsoleros seit Jahren reden, überhaupt ist.

Technik-Probleme mit Forza? Unser Hardware-Artikel bietet einen Überblick - und mögliche Lösungen.

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Die Forza-PC-Jungfernfahrt

Abseits von einem ersten Vorstoß mit Forza Motorsport 6: Apex kamen PC-Spieler bisher nämlich noch bei keinem Forza in den Genuss, es auf ihrer Lieblingsplattform spielen zu können. Dabei ist die Serie auf der Xbox eines von Microsofts stärksten Pferden im Publishing-Stall (wir werden wahrscheinlich noch einige Renn-Metaphern in diesem Test verwenden). Genauer gesagt besteht Forza eigentlich aus zwei Serien. Auf der einen Seite Forza Motorsport, das sich seit 6 Teilen als Liebeserklärung an den vierrädrigen Motorsport und Rennsimulationen versteht, und sich eher an ein Enthusiasten-Publikum mit Faible für knackigeren Realismus richtet. Und in der anderen Ecke steht dessen Spin-Off Forza Horizon, ein »arcadiges« Zelebrieren des Fahrspaßes im ganz großen Stil samt Open World, fetzigem Soundtrack, schicken Flitzern und leichtherziger Atmosphäre. Hier ist jede Facette von Spielwelt und -mechanik auf maximalen Spaß gemünzt. Und dieser Leitlinie verschreibt sich auch Forza Horizon 3 bis ins letzte Detail.

Forza Horizon 3
Am meisten beeindruckt Forza Horizon 3 technisch in der wilden Natur.

Auf den ersten Blick ähnelt das Spiel deshalb in der Ausgangssituation stark seinen Vorgängern: Erneut bereisen wir das Horizon-Festival, quasi eine gigantische Musikparty mit Autorennen, wilden Show-Einlagen und Tausenden von Freestyle-Hipstern, die neue, spektakuläre Fotos für ihre Facebook-Wall brauchen. Kennen Konsolen-Veteranen aus dem Vorgänger. Nur setzen die Entwickler gegenüber Horizon 2 in jedem Aspekt noch eine Schippe drauf. Die Sause findet nicht länger in Südfrankreich, sondern in Australien statt - die Gebiete fallen mit Regenwäldern, Outback, Stadtterrain und Weingegenden nicht nur um rund 50 Prozent größer, sondern auch spürbar vielfältiger aus.

Und wir sind auch nicht einfach irgendein Fahrer, sondern der Boss des Horizon-Festivals. Deshalb haben wir neben möglichst vielen Rennsiegen auch ein ganz besonderes Spielziel: in vier Locations der riesigen Open Worlds Festival-Gebäude aufs Maximum zu erweitern und auszubauen. Viel mehr Story gibt es abseits dieser groben Rahmensituation mit den Festivals übrigens nicht. Gut so, die Leichtherzigkeit von Forza Horizon 3 wirkt ehrlicher und nachvollziehbarer als der bemüht coole Plot des 2015er Need for Speed, das ja als jüngster großer Open-World-Racer für PC viele Fans enttäuscht hat.

Fahrspaß-Workaholic

Apropos Fans: Auch zum Ausbau des Horizon-Festivals brauchen wir vor allem Leute, die Bock auf unseren Racing-Event haben. Die sammeln wir durch jede gemeisterte Herausforderung - je spektakulärer, desto mehr Zuwachs an Followern. Und wie peppt man ein Rennen in puncto Opulenz auf? Richtig, mit immer krasseren Karren. Die schalten wir mit Credits (also Geld) frei und durch Erfahrungspunkte, die wir ebenfalls für fast jede Aktion in der Spielwelt bekommen, erhöhen wir unsere Multiplikatoren, die dann wiederum mehr Kohle in unsere Taschen scheffeln. Mit diesen drei Währungen - Fans, Geld-Credits und Erfahrung - basteln die Entwickler ein Konglomerat an Belohnungsspiralen, die uns für Dutzende Stunden bei der Stange halten.

Wo steckt der Multiplayer?
Zum Testzeitpunkt waren die Mehrspieler-Server zwar schon online, man konnte Drivatar-Daten synchronisieren, Leaderboards vergleichen und zwischen PC und Xbox One Speicherstände transferieren, die Matches gegen Fremde und Freunde waren auf PC allerdings noch nicht möglich. Trotzdem können wir jetzt schon sagen, dass Forza Horizon 3 einen umfangreichen Multiplayer bietet, allerdings komplett online. Wir können mit Freunden in der Open World rumfahren, Clubs gründen, die Karriere im Koop angehen oder Playlists mit verschiedenen Rennen angehen. Die komplette Spielersuche lässt sich per Matchmaking automatisieren, alternativ suchen wir uns unsere eigene Horizon-Gruppe zusammen. Der Kollege Tobias Veltin konnte für den GamePro-Test bereits mit den Entwicklern fahren und berichtet, dass all diese Modi reibungslos liefen und erwartungsgemäß viel Spaß machen. Wir sind also optimistisch, dass auch Horizon 3 auch im Mehrspieler für lange Zeit unterhalten kann.

Dass das auch Spaß macht, gewährleisten die unzähligen Herausforderungen, die wir in der gigantischen Open World Australiens angehen können. Die klassischen Rund- und Punkt-zu-Punkt-Rennen gehören da schon zum Standardinventar, darüber hinausschlittern wir stilvoll durch Drift-Challenges, passieren mit möglichst viel Tempo Blitzer-Anlagen, fordern KI-Fahrer in der Spielwelt zu schnellen Matches heraus, suchen spektakuläre Sprünge, entdecken in verlassenen Scheunen geheime Autos, schauen uns die Sehenswürdigkeiten Australiens an und, und, und. Ein besonderes Highlight ist die sogenannte Löffelliste, eine Zusammenstellung von diversen Spezialrennen. Da muss man zum Beispiel mit einem Warthog-Militärjeep aus Halo zu den Klängen der entsprechenden Titelmelodie durch den Dschungel brettern oder im Cockpit eines Königsegg-Prototypen lächerlich hohe Geschwindigkeiten erreichen (und wir erwähnen hier aus Spoiler-Gründen nur die harmloseren Missionen).

Getoppt wird das in Sachen Spektakel nur von den fünf Schaurennen, in denen wir gegen einen Helikopter, eine Sportboot-Staffel und andere Kuriositäten antreten. Bei all diesen Events entscheiden wir größtenteils selbst, in welcher Reihenfolge und mit welcher Fahrzeugklasse wir an den Start gehen wollen. Wir können beispielsweise zuerst das Outback als Location aufrüsten und dort immer mehr Rennen freischalten, oder wir verteilen die Ressourcen gleichmäßig und pflastern die gesamte Spielwelt mit Herausforderungen. Eine tolle Sache, allerdings läuft die Spielerführung nicht ganz ideal: Die ersten fünf Spielstunden werden wir komplett zugebombt mit neuen Aspekten des Spiels, die wir auch bitte direkt angehen sollen (oft lässt uns Forza dabei keine Wahl) - andere, ebenfalls wichtige Facetten verschweigt uns das Spiel. Wie man eine Kolonne mit anderen Autos für mehr Geld bildet zum Beispiel. Wie das Tuning im Detail funktioniert. Und auf welche Aspekte, Rennmodi und Fahrzeugklassen man sich als Anfänger am besten konzentrieren sollte.

Auf Seite 2 lesen Sie alle Details zu den PC-Problemen und erfahren, warum Forza Horizon 3 trotzdem wahrscheinlich das beste Rennspiel des Jahres ist.