Interview mit Professor Dr. Jo Groebel : Professor Dr. Jo Groebel leitet das Deutsche Digital-Institut in Berlin. Professor Dr. Jo Groebel leitet das Deutsche Digital-Institut in Berlin. Das Interview wurde im Rahmen der Recherche für den Report Bauer sucht Spiel geführt.

GameStar: Herr Groebel, warum spielt jemand Berufssimulatoren?

Professor Dr. Jo Groebel: Zum einen geht es um ein spielerisches Vorwegnehmen von Realität. So wie das bei Kindern nicht unüblich ist, wenn man sie fragt, was sie später gerne werden wollen, und sie das bei der Antwort gedanklich durchgehen. Außerdem ist eine massiv physiologische Komponente beteiligt: Spielen hat enorm entspannende Funktion, damit können wir so ziemlich jeden Stress verarbeiten. Die dritte zentrale Funktion ist die soziale, man baut Kommunikation zu Anderen auf.

GameStar: Die meisten Simulatoren spielt man alleine.

Professor Dr. Jo Groebel: Selbst dann findet eine simulierte Kommunikation statt. Aber eine große Rolle spielt auch der indirekte Kommunikationseffekt: Dass man mitreden kann, sich mit anderen darüber unterhalten. Man ist auf der Höhe der Zeit und kann so durchaus auch Prestige erwerben. Viele Spiele haben eine weitere Funktion, nämlich dass sie eine Vorstellung von Realität vermitteln. Das passt zu den Simulatorspielen: Menschen spielen sie, um sich mit Informationen zu versorgen, in diesem Fall eben über ein Berufsbild.

GameStar: Berufssimulationen sind virtuelle Berufsberater?

Professor Dr. Jo Groebel: Man kann Spielen als ein Vorbereiten auf ein späteres, reales und dann auch ernsthaftes Handeln begreifen. Bei Tieren ist das eindeutig so: Wenn sie sich spielerisch balgen, sind das Vorbereitungen auf Kämpfe. Das ist lose auf Menschen übertragbar, es passt besonders zu Berufssimulationen. Für manche stellen sie eine Auseinandersetzung mit dem dar, was sie eines Tages auch ernsthaft betreiben wollen.

Interview mit Professor Dr. Jo Groebel : Landwirtschafts Simulator 2009 Landwirtschafts Simulator 2009

GameStar: Warum spielen Landwirte den Landwirtschafts-Simulator, wo sie doch dieser Betätigung schon real nachgehen?

Professor Dr. Jo Groebel: Ein Musiker, der in seiner Freizeit gern Musik hört -- da wird jeder sofort sagen: klar, logisch! Das erwartet man. Beim Sprengmeister oder Landwirt scheint es nicht so selbstverständlich. Doch auch hier steht dahinter, mit welcher Begeisterung und mit welchem Enthusiasmus jemand seinen Beruf ausübt, sodass er ihn im Spiel fortsetzt. Es kommt allerdings etwas hinzu, das nicht zu unterschätzen ist: Spiele verfügen über eine Verdichtung, eine größere Dramatik, es wird also mehr Spannung aufgebaut. Insofern peppt es die eigene Tätigkeit und Beschäftigung noch mal auf. Und jemand, der sich in einem Metier auskennt, ist schneller und besser in seinen Entscheidungen. Mit anderen Worten, er verschafft sich schnell Erfolgserlebnisse. Wenn Leute nach Feierabend spielerisch weitermachen, wo sie im Job aufgehört haben, ist das also nicht absurd.

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