Zum Thema Watch Dogs 2 ab 13,41 € bei Amazon.de Watch_Dogs 2 für 47,99 € bei GamesPlanet.com Ubisoft schafft mit Watch Dogs 2 das Kunststück, dass wir als PC-Spieler ein gutes Gefühl bekommen, bevor wir das Hacker-Abenteuer überhaupt starten. Denn bereits bei der Installation werden wir gefragt, ob wir neben dem Hauptprogramm auch das High-Res-Pack installieren wollen, das besonders hoch auf gelöste Texturen implementiert. Und ob wir das wollen!

Ja, das Open-World-Epos hat auch auf dem PC einige Schwächen, die nicht wegzudiskutieren sind. Dafür kann es dank einer vorbildlichen Portierung seine größte Stärke auf unserer Lieblings-Spieleplattform besonders gut ausspielen: die ebenso wunderschöne wie atmosphärische Spielwelt. Denn wenn sich die Neon-Lichter auf dem Highres-Asphalt spiegeln und sich die Golden Gate Brigde aus dem besonders dichten PC-Nebel schält, dann wird selbst eine PlayStation 4 Pro schwarz vor Neid.

Update: Mittlerweile ist auch der Technik-Check zu Watch Dogs 2 inklusive vieler Benchmarks und Videos mit Grafikvergleichen fertig. Darin bestätigt sich unser positiver Eindruck von der PC-Version des Spiels.

Wenn Coolness zum Problem wird

Ob San Francisco seine volle Magie entfalten kann, hängt in erster Linie davon ab, wie gut Sie mit den Helden von Watch Dogs 2 klarkommen. Denn die Hacker von Dedsec sind vor allem eines: zu cool für diese Welt. Allerdings nicht mehr auf die Art, wie es im ersten Teil der Fall war. Aiden Pierce und Konsorten waren vor zweieinhalb Jahren noch düstere Rächer, die außerhalb des Gesetzes agierten und sich mit anderen Kriminellen anlegten. Schnell war klar, mit den Datemanipulatoren ist nicht zu spaßen und im Kampf gegen das alles überwachende Datennetz ctOS ist jedes Mittel recht - auch wenn man dafür selbst die Daten der Menschen missbrauchen muss.

Während der Datenklau und die Datenschutzproblematik im ersten Teil dafür noch ausgeklammert wurden, sind sie in Watch Dogs 2 jederzeit präsent - hier hat Ubisoft die Kritik zum Vorgänger angenommen und stellt unsere vermeintliche digitale Zukunft im Griff von Technikkonzernen wie Facebook und Google sogar gleich in den Mittelpunkt. Zu einer bedrohlichen Orwell-Fantasie hat es allerdings trotzdem nicht gereicht, denn unsere Hacker sind mittlerweile keine düsteren Gesellen am Rande der Gesellschaft mehr, sondern ein nervig-quirliger Rebellentrupp der Hipster-Generation, der sich über Sabotagepläne genau so lässig unterhält wie über TV-Serien und Kinofilme. Und das ist bei weitem nicht jedermanns Sache.

Watch Dogs 2
Typische Sehenswürdigkeiten, scharfe Texturen, tolle Weitsicht: Die Lombard Street kommt auf dem PC besonders malerisch daher.

Geschichte, Look, Charaktere und Atmosphäre zeichnen das Bild einer jungen und hippen Generation, die sich in den Medien bewegt, wie ein Fisch im Wasser - und überzeichnet sie ohne jede Selbstironie. Im Gegenzug werden aber auch viele aktuelle Streitfälle rund um Datenschutz und Popkultur aufs Korn genommen, Datenkrake Google wird zu »Nudle« und unser Gegenspieler ist ein in Sachen Privatsphäre skrupelloser Yoga-Hipster. Das macht es nicht ganz einfach zu sagen, was man in Watch Dogs 2 nun ernst nehmen soll und was nicht, zumal die Helden selbst nicht gerade zimperlich mit Datenschutz und -manipulationen umgehen. Wer sich daran nicht stört und sich auf die schräge Achterbahnfahrt einlässt, erlebt aber auch, wie Ubisoft es schafft, sich spielerisch endlich wieder der Formelhaftigkeit früherer Open-World-Titel zu entziehen.

Reizüberflutung ahoi!

Dieserr Tapetenwechsel zieht sich tatsächlich durch das ganze Spiel und schickt uns statt ins eher drückende Chicago wi ins fröhlich sonnige San Francisco, wo wir unsere Hackerkarriere mehr oder weniger besoffen am Strand beginnen. Wir sind Marcus Holloway, ein junger schwarzer Hacker, der vom Hackerkollektiv »Dedsec« beobachtet und schließlich in die eigenen Reihen aufgenommen wird, nachdem wir uns im Tutorial mal eben in den Server des ctOS gehackt haben. Und das muss gefeiert werden!

Das Überwachungsprogramm des Unternehmens Blume geht der Bande nämlich ziemlich gegen den Strich, weshalb man kurzerhand beschließt, dem Konzern das Handwerk zu legen. Der machte schließlich schon Aiden Pierce das Leben in Chicago schwer. Eigentlich löblich, wirklich schnell kommen wir allerdings nicht dazu, den Datendieben den Stecker zu ziehen. Es gibt einfach viel zu viel am Wegesrand zu tun.

Und das meinen wir wörtlich: Wenn wir durch San Francisco fahren, poppen jederzeit überall um uns herum Symbole auf - dagegen wirken stellenweise selbst die Karten von Assassin's Creed und Co. wie leergefegt. Wir können Skins oder Forschungspunkte finden, Taximissionen mit dem augenzwinkernden Namen »Driver: San Francisco« annehmen, Operationen im Koop spielen, shoppen gehen, Rennen fahren, Sehenswürdigkeiten besuchen (und davor Selfies schießen) und so ziemlich alles hacken, dessen Akku bei drei nicht leer ist - Handys, Ampeln, Autos und sogar Gullideckel. Hinzu kommen spezielle Multiplayer-Events wie Kopfgeldjagden oder Hackerinvasionen anderer Spieler, die ohne Vorankündigung auftauchen. Und natürlich folgen wir ganz nebenbei auch noch einigen Neben- und Hauptmissionen, wenn wir denn dazu kommen.

Fix aus der Formel gehackt

Erfreulicherweise entspricht aber nichts davon der mittlerweile als Ubisoft-Standard verschrieenen Open-World-Formel. Da so ziemlich alle Missionen auf das Hacken oder Fahren im Spiel ausgelegt sind, bleiben wir von Sammelaufgaben und Funkturm-Befreiungen verschont. Die sehr unterschiedlichen Aufgaben sorgen für Abwechslung und greifen so clever ineinander, dass sie sich nicht nutzlos anfühlen - alles ist darauf ausgelegt, uns als Hackerorganisation Dedsec zu mehr Bekanntheit zu verhelfen, gerade die Fahrmissionen ergänzen sich so wunderbar mit den Hacking-Aufträgen. Das mit der Bekanntheit ist hier tatsächlich wörtlich zu verstehen, denn unsere Erfahrungspunkte werden ganz im Stil moderner Social-Plattformen in Followern gemessen und für die legen wir uns ordentlich ins Zeug.

Das Gefühl dafür etwas abzuarbeiten hatten wir aber lediglich bei einer Nebenmission, die uns durch die ganze Stadt schickt, um Dedsec-Graffiti zu sprühen. Wir müssen dazu an immer höhere und schwerer erreichbare Orte gelangen, was nicht nur verdächtig nach gewissen Türmen klingt, sondern irgendwann auch am Geduldsfaden zehrt - so viel Aufwand sind die zugegebenermaßen sehr schicken Bildchen einfach nicht wert.

Immerhin lohnt sich das Gekraxle aber in Zahlen: Für die Graffiti-Kletterei bekommen wir ordentlich Follower. Je mehr interessante Aktionen wir ausführen, desto mehr Leute werden Dedsec-Fans und desto größer wird unser Einfluss. Wirklich spürbar ist das allerdings nicht. Wir verdienen über die Follower zwar Forschungspunkte und schalten so über die Forschungsapp auf unserem Smartphone neue Fähigkeiten und Hacking-Optionen frei, erobern aber keine Gebiete wie einem Syndicate oder spüren die positive Stimmung uns gegenüber in Sprüchen der Passanten. Besondere Aktionen innerhalb der Hauptmissionen werden aber immerhin in Radio und Fernsehen kommentiert - oder von dem ein oder anderen Passanten auf der Straße. Zwar hätten wir uns etwas mehr Einfluss auf die Welt um uns herum gewünscht, so kommen wir aber immerhin auch nicht in Versuchung, stumpf Gebiet um Gebiet abzuarbeiten, um uns dort Narrenfreiheit zu verschaffen.