Verzicht auf Streaming: 1 Woche habe ich Fernsehen wie früher geschaut – Es hat mich gebrochen und zu einem völlig anderen Medium verführt

Digital Detox geht auch am TV. Sieben Tage lineares Fernsehen haben mich vom Bildschirm vergrätzt.

Ohne Bares für Rares wäre ich wirklich fast durchgedreht. (Bildquelle: ZDF, Maxe S., GameStar) Ohne Bares für Rares wäre ich wirklich fast durchgedreht. (Bildquelle: ZDF, Maxe S., GameStar)

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Es war ein Abstieg in den Wahnsinn mit Ansage. Im Rahmen unserer Digital-Detox-Woche habe ich mich einem neuen Selbstexperiment verschrieben.

Schaffe ich es, eine Woche lang nur lineares TV zu schauen?

Spoilerwarnung: Nein, ich habe es nicht geschafft.

Begleitet mich auf einer Reise, die am Bildschirm begann, aber beim Papier endete und mich zwischendrin an meinem Verstand zweifeln ließ.

Falls euch meine Erkenntnisse wichtiger sind als der Weg, dann springt hier zum Fazit meines Selbstexperiments: Fazit: Klassisches Fernsehen bleibt für mich begraben

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Bei Maxe läuft der TV nahezu jeden Tag für zwei bis drei Stunden. Streaming und Zocken gehören zu seinem Alltag wie das Abendessen; im Hause Schwind wird der Fernseher noch ausgiebig genutzt.

Bevor wir loslegen, erkläre ich euch die Regeln, die ich mir vergangene Woche selbst auferlegt habe.

  • »Fernsehen wie früher« lautete meine Devise. Das bedeutete, ich habe nur geschaut, was zum aktuellen Zeitpunkt im TV lief.
  • Erlaubt habe ich mir weder Streaming noch andere Apps.
  • Keine Aufnahmefunktion
  • Das Selbstexperiment lief vom 19. bis 26. Juli.

Ich schaue nur ganz selten Free-TV – und wenn, dann nehme ich es zu 99 Prozent auf, um die Werbung überspringen zu können.

Ich wusste also, dass das Unterfangen eine bittere Pille für jemanden wird, der …

  • … fast ausschließlich streamt.
  • … nur zwei Sendungen im Jahr als »Guilty Pleasure« schaut: Das Dschungelcamp und Kitchen Impossible.
  • ... live im Fernsehen nur alle zwei Jahre große Fußballturniere der Männer verfolgt.

Eigentlich hatte ich geplant, den Artikel wie ein Tagebuch aufzubauen. Weil das Selbstexperiment am Ende allerdings aus den Fugen geriet, gehe ich anders vor. Wir starten bei den hoffnungsvollen Anfängen über den Wahnsinn bis zu meinem sicheren Hafen, der nicht mal ein Display hat.

Episode 1: Eine neue Hoffnung

Alles fing so gut an – auch, weil mir die Umstände in die Karten gespielt haben. Am 19. Juli fand nämlich das Finale der Fußballweltmeisterschaft der Männer statt. Das Event hätte ich mir so oder so angeschaut (wenngleich ich es dieses Jahr mehr aus Pflichtbewusstsein getan habe nach dieser von der FIFA verkorksten WM).

Sprich: Der erste Tag meines Experiments lief ziemlich gut! Man könnte mir vorwerfen, dass ich es mir einfach gemacht habe, indem ich an einem Tag starte, bei dem ich ohnehin lineares TV schauen würde. Allerdings dräute das Unheil schon am Horizont, dessen ich mir bereits vor dem Start dieses Experiments schmerzhaft bewusst war.

Gönnt mir also den kleinen Kickstart.

Am darauffolgenden Montag hatte ich ebenfalls Glück. Meine Frau und ich hatten entschieden, in Die Odyssee von Christopher Nolan zu gehen. Mit Kino und Dinner blieb der TV an diesem Abend also schlichtweg aus, weil ich nicht zuhause war. Für mich hätte den Film an diesem Abend ohnehin nichts toppen können.

Video starten 2:24 The Odyssey: Fans lassen am finalen Trailer von Christopher Nolans neuem Historien-Epos kein gutes Haar

Episode 2: Eine dunkle Bedrohung

Fun Fact über mich: Ich habe drei Jahre lang beruflich die TV-Spalten von Wochenzeitschriften der Regenbogenpresse befüllt, also diese langen Säulen, die einem von morgens bis abends sagen, was in der Glotze läuft. Jup, ist tatsächlich so spannend, wie es sich anhört.

Zum ersten Mal seit 2016 habe ich wieder ins TV-Programm geschaut – und gleich ein Highlight entdeckt. ZDF Neo zeigt noch immer Bares für Rares von 18.30 bis 20.15 Uhr im Vorabendprogramm, nice! Eine zeitlang habe ich das immer mitlaufen lassen, weil es so schön entschleunigend ist und ich Horst Lichter einfach sympathisch finde. Und das Beste: keine Werbung! Von Dienstag bis Freitag wurde Bares für Rares also mein Ritual.

Bares für Rares und Horst Lichter sollten rückblickend mein einziger Lichtblick dieses Experiments bleiben. (Bildquelle: ZDF) Bares für Rares und Horst Lichter sollten rückblickend mein einziger Lichtblick dieses Experiments bleiben. (Bildquelle: ZDF)

Die wahre Geduldsprobe fing mit der Primetime an. Am Dienstag, den 21. Juli, lief Schlag den Star im TV, eine Show, die ich zwar nie verfolgt, aber in Ermangelung an Alternativen eingeschaltet habe. Was kann man mit einer Spielshow schon großartig falsch machen, richtig?

Bis hierher habe ich den Begriff versucht zu vermeiden, weil sich viele von euch sicher denken können, welcher Mammutbaumast mir in die Fahrradspeichen gesteckt werden würde.

Ja, richtig geraten: die Werbung.

Diese gottverdammte, vermaledeite, ultranervige, lebenszeitraubende Werbung!

Gerade zur Hauptsendezeit innerhalb der ersten anderthalb Stunden gab es drei (!) Werbeblöcke, die jeweils acht bis zehn Minuten dauerten. Erschwerend kommen dann auch immer wieder sendereigene Werbeeinblendungen hinzu, die schlicht und ergreifend nerven.

Ich hatte überhaupt keinen Spaß an der Show, weil durch die ständigen Unterbrechungen kein Flow aufkam; ich kam überhaupt nicht rein. Ab 22 Uhr rum wurde die Werbung zwar weniger, aber das hat den initialen Ärger nicht gedämpft. Irgendwann habe ich den TV einfach ausgemacht und bin frustriert ins Bett.

Ein weiterer, richtig räudiger Pferdefuß ist die Bildqualität. Die Öffentlich-Rechtlichen zeigen ihr Gschmarri wenigstens in 720p, aber private Sender dümpeln 2026 immer noch bei SD-Qualität mit 480p herum – wie vor 25 Jahren. Das darf man eigentlich niemandem erzählen.

Am Mittwoch ereignete sich dasselbe Spiel. Im Vorabendprogramm habe ich mit Horst Lichter gechillt und so viel positive Energie aufgesogen, wie ich nur konnte. Immerhin: Kabel1 zeigte um 20.15 Uhr Forrest Gump, ein Film, den man sich immer wieder anschauen kann …

… wenn im Free-TV nicht wieder die Werbung dazwischen grätschen würde. Zwar hat es mich nicht so frustriert wie bei Schlag den Star, weil ich den Film natürlich kenne, aber die Geschichte konnte man so einfach in die Tonne kloppen. Wenn ich mich auf eine Story einlasse – ganz gleich welches Medium –, will ich nicht immer wieder herausgerissen werden. Schon gar nicht von der immerselben Werbung.

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Irgendwann habe ich entnervt bei den öffentlich-rechtlichen Nischensendern nach etwas gesucht, dann aber schließlich den TV vorzeitig ausgemacht und mich mit einem Manga ins Bett gelegt. Achtung, das ist Foreshadowing.

Episode 3: Das Erwachen der Macht

Es hat keine zwei Tage gedauert, bis ich auf TV im Grunde keine Lust mehr hatte. Ohne Streaming-Dienste oder YouTube und mit Werbung war das lineare Fernsehen für mich keine Option, ganz egal, was es mir anbot.

Nach Bares für Rares haben wir also gezockt, meine Frau am TV, ich auf dem Steam Deck. Ich habe aber bemerkt, dass ich es mir damit zu leicht mache. Klar, Daddeln ist für uns Spielerinnen und Spieler immer eine Alternative zu Film und Fernsehen, aber für mich fühlte es sich wie schummeln an.

Am vergangenen Freitag hatten wir uns spontan freigenommen und haben in der Nürnberger Innenstadt ein wenig gebummelt. Da fiel mir das Buch Dungeon Crawler Carl vor die Füße, ein Fantasybuch, das von der Zielgruppe seit Jahren gehypt wird.

Da wusste ich, was ich statt klassischem Fernsehen machen würde.

Hat garantiert keine nervige Werbung: das gute alte Taschenbuch. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Hat garantiert keine nervige Werbung: das gute alte Taschenbuch. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Pro7 zeigte am Freitagabend übrigens Prey, einen hervorragenden Film aus dem Predator-Universum, den ich mir auf jeden Fall nochmal anschauen würde – aber dann im Streaming ohne Werbung.

Für mich hieß ab Freitag dann eben: Fernseher aus und lesen – und es war befreiend. Weg von der Glotze, hin zum analogen Spaß. Jetzt werden einige von euch sagen »weiß ich schon lange« und ich tue das auch, aber sich wirklich eigene Limits setzen und daran halten, schafft Freiräume, von denen ich vorher keine Notiz genommen habe.

Und so endete das Selbstexperiment dann auch entsprechend ohne Fernseher und mit Buch in der Hand.

Lineares Fernsehen hat mich dazu gebracht, wieder mehr zu lesen.

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Ich werde schlussendlich öfter zum Buch oder Manga greifen. Außerdem suche ich mir die Inhalte, die ich mir anschauen will, ab jetzt gezielter aus.

Und mein einziger Lichtblick fürs lineare Fernsehen ist und bleibt der freundliche Mann mit dem beachtlichen Schnauzer – und Werbung gibt’s da auch keine.

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