Rund 300-mal teurer als behauptet: DeepSeek kostete wohl über eine Milliarde Dollar

Die chinesische KI DeepSeek hat letzte Woche die Aktienmärkte geschockt: Sie sei genauso gut wie ChatGPT, zu einem Bruchteil der Kosten. Jetzt bestätigen Untersuchungen erste Zweifel.

Die Kosten für DeepSeek liegen wohl deutlich höher als behauptet. (Bildquelle: BoOm, Adobe Stock) Die Kosten für DeepSeek liegen wohl deutlich höher als behauptet. (Bildquelle: BoOm, Adobe Stock)

Ein Forschungsinstitut für KI-Anwendungen hat eine Untersuchung zum gehypten KI-Chatbot DeepSeek gemacht. Das Ergebnis: Die Entwicklung des KI-Chatbots war deutlich teurer als behauptet.

Hintergrund: Der Chatbot DeepSeek hat letzte Woche die KI-Welt in Aufruhr versetzt: Ein chinesisches Unternehmen soll für gerade einmal rund 6 Millionen Dollar ein effizienteres ChatGPT entwickelt haben. Und das ohne Zugriff auf die neuesten Grafikprozessoren. Das hat die Nvidia-Aktie zum Einsturz gebracht und die Konkurrenz aus dem Silicon Valley, darunter OpenAI mit ChatGPT, herausgefordert.

Video starten 40:10 ChatGPT am Ende? Das kann DeepSeek wirklich

Teure Hardware und Millionengehälter

Schon früh gab es Zweifel, ob die Entwicklung des KI-Modells tatsächlich so günstig war wie von wem behauptet.

Nun hat das unabhängige Forschungsinstitut SemiAnalysis eine erste Schätzung über die tatsächlichen Kosten veröffentlicht. Statt der kolportierten 5,6 Millionen Dollar kommt das Institut auf Gesamtkosten von 1,6 Milliarden. Damit ist DeepSeek rund 285-mal teurer als behauptet.

Folgende Posten fließen in die Berechnung mit ein:

  • Das auf KI-Einsatz im Hedgefonds-Bereich spezialisierte Unternehmen hinter DeepSeek, High Flyer, hatte schon 2021 massiv in GPUs investiert.
    SemiAnalysis schätzt, dass DeepSeek Zugang zu etwa 50.000 Hopper-GPUs von Nvidia besitzt. Das sind Grafikkarten, die speziell für KI-Anwendungen entwickelt wurden. Allein daraus lassen sich Investitionskosten von 500 Millionen US-Dollar ableiten.
  • Dafür benötigt man Rechenzentren und weitere Hardware, die auch hohe laufende Betriebskosten verursachen: Darunter fallen Strom-, Wartungs- und Personalkosten und sie sollen sich auf etwa 944 Millionen US-Dollar belaufen.
  • Darunter fallen auch überdurchschnittliche Gehälter. DeepSeek soll beim Anwerben von Mitarbeitern hohen Wert auf Innovation-versprechende Fähigkeiten wie Neugier gelegt haben. Für Schlüsselpositionen sollen Gehälter von über 1,3 Millionen US-Dollar gezahlt werden.
  • Ingesamt errechnet SemiAnalysis Kapitalausgaben (CapEx) von etwa 1,6 Milliarden Dollar.

Die Behauptung von 5,6 Millionen US-Dollar dürfte sich dem Institut nach zufolge lediglich auf die Kosten für das Training von DeepSeek V3 beziehen.

Dadurch gerät das Narrativ von der kosteneffizienten KI ins Wanken. In vielen Medien sei laut SemiAnalysis oft behauptet worden, DeepSeek sei lediglich ein Nebenprojekt des auf KI und Investmentstrategien spezialisierten Unternehmens High Flyer.

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Geopolitisches Kräftemessen

Der kometenhafte Aufstieg von DeepSeek markiert nicht nur ein Kräftemessen um technische Innovation. Die Erzählung von der günstigen KI aus China, die genauso leistungsstark ist wie die hoch dotierten Riesen aus dem Silicon Valley, spielt auch eine Rolle in der geopolitischen Auseinandersetzung zwischen den USA und China.

2022 haben die USA Exportbeschränkungen für bestimmte Hochleistungs-GPUs nach China verhängt. Insofern erschütterte die Innovation aus China nicht nur die Nvidia-Aktie. Branchenkenner sprechen in diesem Kontext von einem Sputnik-Moment.

Denn mit einer solchen Entwicklung wird sowohl die Übermacht von US-amerikanischen Unternehmen auf dem KI-Markt infrage gestellt, als auch die Kontrollmacht der US-amerikanischen Regierung über die benötigte Hardware.

Die KI-Modelle von DeepSeek sind technisch zweifelsohne innovativ. Allerdings wird das Märchen vom kleinen Underdog, der den Mächtigsten der Welt mühelos trotzt, durch die Berechnungen von SemiAnalysis ein wenig entzaubert.

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