Die Generation Z verliert eine wichtige Fähigkeit, die wir seit 5.500 Jahren besitzen: Viele beherrschen das Schreiben per Hand nicht mehr [Best of GameStar]

Immer mehr Bildungseinrichtungen warnen davor, dass junge Menschen sich mit dem handschriftlichen Schreiben zunehmend schwertun.

Junge Menschen wachsen heutzutage längst mit Handys und PCs auf, was wenig überraschend negative Folgen für die Fähigkeit zum Schreiben per Hand haben kann. (Bild: stock.adobe.com - Krakenimages.com) Junge Menschen wachsen heutzutage längst mit Handys und PCs auf, was wenig überraschend negative Folgen für die Fähigkeit zum Schreiben per Hand haben kann. (Bild: stock.adobe.com - Krakenimages.com)

Zu der Generation Z gehören junge Menschen, die je nach Definition von 1995 bis 2010 oder von 1997 bis 2012 geboren wurden. Sie werden auch als Digital Natives bezeichnet, weil sie als erste Generation von frühester Kindheit an das Internet, Handys und soziale Netzwerke kennen.

Doch der Fokus auf digitale Technik macht sich wohl mehr und mehr in einem analogen Bereich bemerkbar.

  • Es geht um das handschriftliche Schreiben, das wir durch das Tippen auf dem Handy und an PCs immer seltener brauchen.
  • Allgemein wird angenommen, dass wir diese Fähigkeit seit etwa 5.500 Jahren besitzen – auch wenn es sogar Vermutungen gibt, dass noch viel früher die ersten Menschen damit begonnen haben, zu schreiben.
  • Damals war das zwar nur ein sehr früher Anfang, aber möglicherweise zeichnet sich heute dagegen langsam ein Anfang vom Ende ab. Dabei werden dieser Fähigkeit gleichzeitig viele positive Effekte nachgesagt, was sie bis heute wichtig macht.

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Stimmen aus verschiedenen Ländern

  • Großbritannien: Zu dem Problem mit der Handschrift äußert sich etwa ein Bericht des britischen The Telegraph von Ende 2024 folgendermaßen:

Die Handschrift von Kindern ist inzwischen so schlecht, dass Teenager in der Sekundarstufe Unterricht brauchen, haben Experten gewarnt. [...] Die zunehmende Nutzung von Bildschirmen innerhalb und außerhalb des Klassenzimmers wird dafür verantwortlich gemacht, dass Kinder im Vergleich zu früheren Generationen immer seltener und immer schlechter schreiben können.

  • Deutschland: Eine Beobachtung, die auch in anderen Ländern inklusive Deutschland teils bestätigt wird. Der Titel der Webseite zu der STEP-Studie 2022 des Verbands Bildung und Erziehung lautet beispielsweise Erhebliche Probleme beim Handschreiben. Konkreter heißt es dazu im Artikel:

Insgesamt meldete gut ein Drittel der befragten Lehrkräfte aus dem Primarbereich und gut die Hälfte der Lehrkräfte aus dem Sekundarbereich zurück, dass sie mit der Entwicklung der Handschrift ihrer Schülerinnen und Schüler nicht oder gar nicht zufrieden sind.

  • USA und die Türkei: Im Rahmen der letzten US-Wahlen gab es Berichte darüber, dass Menschen aus der Gen-Z Probleme damit hatten, mit ihrem Namen zu unterschreiben.

Ende 2024 befasste sich außerdem Türkiye Today ausführlich mit wachsenden Schwierigkeiten junger Menschen bei der Handschrift.

Warum Handschrift immer noch wichtig ist

Es ist naheliegend, dass man immer weniger per Hand schreibt, wenn man viel Zeit mit dem Handy und an PCs verbringt. Ein Umstand, der letztlich alle Generationen mehr oder weniger betrifft.

Doch verschiedene Studien sagen dem handschriftlichen Schreiben wichtige positive Effekte nach. Eine davon hat Dr. Anabela Abreu Malpique für die Edith Cowan Universität in Australien durchgeführt. Sie sagt dazu gegenüber Thesector.com.au Folgendes:

Wir sind der Meinung, dass es von entscheidender Bedeutung ist, die Handschrift in den ersten Schuljahren zu lehren und die Entwicklung der Handschrift in der gesamten Primar- und Sekundarstufe weiter zu fördern. Handschriftliche Fähigkeiten sind mit einer verbesserten Rechtschreibung und einer größeren Fähigkeit verbunden, längere und hochwertigere Texte zu schreiben. Handschrift fördert auch die Fähigkeit, zu lernen und sich Informationen einzuprägen.

Das bestätigen auch die Macher der STEP-Studie gegenüber der Webseite Schreibkultur.de, indem sie unter anderem sagen Was wir handschriftlich notieren, können wir uns besser merken.

Stift und Papier gegen die Tastatur

Interessant sind auch die Ergebnisse der Wissenschaftler Ruud van der Weel und Audrey van der Meer von der norwegischen Universität für Naturwissenschaften und Technologie, auch wenn sie mit 36 Studenten auf einer geringen Zahl an Probanden basieren.

Demnach war die Hirnaktivität größer, wenn mit Stift und Papier geschrieben wurde als beim Tippen auf der Tastatur.

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Digitales und analoges Schreiben kombinieren

Die positiven Effekte der Handschrift lassen manche Länder im Hinblick auf Digitalisierung wieder zurückrudern, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtete. Das betrifft demnach Schweden und Norwegen, die deshalb wieder zum analogen Schreiben zurückgekehrt seien.

Letztlich kommt es wohl auf eine gesunde Mischung an, wie es auch beim BR heißt:

Die digitalen Geräte ganz aus den Klassenzimmern verbannen, das wollen die meisten Bildungsforscher aber trotzdem nicht. Sie sehen in der Kombination von analogen und digital unterstützten Lernmethoden die beste Lösung für einen Schulunterricht der Zukunft.

Wie wichtig die Verknüpfung des analogen mit dem digitalen Schreiben ist, betont auch Professor Friedrich Schönweiss, Gründer des Lernserver-Instituts, indem er sagt:

Wenn man den angeblichen Umweg über die Handschrift für überflüssig hält, verbaut man Kindern die Eroberung der digitalen Welten. Der Zugang zur Schriftsprache über die Handschrift ist das Fundament für alles Weitere.


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Es bleibt abzuwarten, wie sich die handschriftlichen Fähigkeiten junger Menschen in Zukunft weiter entwickeln. Dass es grundsätzlich wichtig ist, diese Fähigkeiten beizubehalten, wird indes wohl vielfach so angesehen.

Wie oft schreibt ihr noch Dinge per Hand auf und wie leicht fällt euch das? Habt ihr außerdem das Gefühl, euch Dinge so besser merken zu können oder andere positive Effekte davon bemerkt? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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