Vor 14.400 Jahren erkundeten fünf Menschen und ein Hund mit einer überraschend simplen Methode eine tiefe Höhle und hinterließen Spuren für die Ewigkeit

Forscher analysierten die Holzkohle aus der italienischen Grotta della Bàsura: Bündel brennender Kiefernzweige reichten aus, um den Weg zu leuchten.

Spuren im Lehm erzählen die Geschichte einer mutigen Höhlenbegehung aus der Altsteinzeit – begleitet von überraschender Technik und womöglich einem Hund. (Bildquelle: Arobba et al., Quaternary International 2026) Spuren im Lehm erzählen die Geschichte einer mutigen Höhlenbegehung aus der Altsteinzeit – begleitet von überraschender Technik und womöglich einem Hund. (Bildquelle: Arobba et al., Quaternary International 2026)

Vor etwa 14.400 Jahren machten sich fünf Menschen im heutigen Norditalien auf, um tief in die Grotta della Bàsura einzudringen.

Warum sie das taten, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Forschende vermuten, dass sie die Höhle gezielt erkunden und womöglich einfach nur ihre Neugier befriedigen wollten.

Fest steht jedoch: Die Gruppe bestand aus zwei Erwachsenen, einem Jugendlichen und zwei kleinen Kindern.

Und wahrscheinlich wurden sie von einem Hund begleitet.

Im damals feuchten Boden der Höhle haben sich ihre Fuß-, Hand- und Pfotenspuren durch komplexe Prozesse bis heute erhalten.

Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, wie sich die Gruppe ihren Weg durch die Dunkelheit der Höhle gebahnt haben könnte: mit dünnen, brennenden Kiefernzweigen.

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Teilweise ging es nur auf allen vieren weiter

Dass diese fünf Menschen überhaupt gemeinsam unterwegs waren, ist den Forschenden jedoch schon seit 2019 bekannt.

Man ist sich auch darüber einig, dass es sich keineswegs um einen kurzen Abstecher in die Höhle gehandelt haben kann. Denn die Spuren führen weit in die Höhle hinein, bis zum sogenannten Saal der Mysterien, in dem sich auch die Handabdrücke erhalten haben.

Um dorthin zu gelangen, musste sich die Gruppe teilweise gebückt oder auf allen vieren weiterbewegen – einige Passagen waren schlicht zu niedrig, um aufrecht zu gehen.

Die Holzreste waren auffällig dünn

Die jüngsten Erkenntnisse stammen von einem internationalen Forschungsteam, das bereits geborgene Holzkohlereste aus der Höhle heuer noch einmal genauer unter die Lupe nahm.

Viele stammten von Kiefern. Noch auffälliger war jedoch ihre Größe: Die verbrannten Holzstücke waren überwiegend sehr dünn. Der Durchmesser betrug meist weniger als zwei bis drei Zentimeter.

Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass es sich eher nicht um große, langlebige Fackeln handelte.

Stattdessen verwendete die Gruppe wohl einzelne Zweige oder kleine Bündel aus dünnem Kiefernholz.

Kleine Lichtquellen reichten offenbar

Um diese Theorie zu überprüfen, stellten die Forscher die Situation in einem Experiment nach.

Fünf Personen bewegten sich mit brennenden, dünnen Kieferholzstücken durch eine dunkle Höhle. Interessanterweise reichten bereits zwei kleine Lichtquellen aus, um der Gruppe ausreichend Orientierung zu geben.

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Schon nach einer kurzen Phase der Anpassung der Augen an die Lichtverhältnisse konnten sie rund zehn Meter weit sehen.

Das klingt vielleicht nach wenig. Aber in einer Höhle, in der es sonst gar kein Licht gibt, macht das einen gewaltigen Unterschied zwischen Zurechtfinden und Verirren.

Ein großer Vorteil der dünnen Zweige: Im Rahmen des Experiments entwickelten sie beim Verbrennen vergleichsweise wenig störenden Rauch und blendeten auch weniger als große Fackeln.

Für die Menschen der ausgehenden Altsteinzeit, genauer des Epigravettiens, waren die dünnen Kiefernzweige damit eine erstaunlich praktische Lichtquelle.

Der Nachteil liegt aber auf der Hand. Sie brannten schnell ab.

Im Experiment verbrannten pro Minute etwa vier Zentimeter Holz. Die Forschenden gehen daher davon aus, dass 20 Zweige mit einer Länge von etwa 30 Zentimetern für Hin- und Rückweg genügten.

Ganz unvorbereitet konnte die steinzeitliche Gruppe also kaum gewesen sein. Immerhin drangen sie mindestens 400 Meter in die Höhle ein und verließen sie auch wieder.

Wahrscheinlich war auch ein Hund dabei

Auch die Pfotenspuren werden inzwischen anders bewertet als früher.

Denn eine 2025 veröffentlichte Untersuchung deutet stark darauf hin, dass sie von einem einzigen großen Caniden stammen – einem Tier aus der Familie der Hundeartigen (Canidae). Nach Ansicht der Forscher spricht daher viel für einen domestizierten Hund.


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Ganz ausschließen lässt sich ein wilder Wolf allerdings nicht.

Womöglich liegt aber genau darin der Reiz der Geschichte. Die Spuren erzählen nicht von gottgleichen Herrschern, Kriegen oder monumentalen prähistorischen Bauwerken.

Stattdessen zeigen sie eine nur allzu menschliche Szene von vor über 14.000 Jahren. Menschen, die gemeinsam mit Kindern und womöglich sogar einem Hund in eine dunkle Höhle vordringen und ihre Neugier befriedigen.


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