Der Mensch existiert schon ziemlich lange auf der Erde. Der moderne Homo sapiens soll vor rund 300.000 Jahren aufgetaucht sein; das heutige Europa soll er vor etwa 40.000 Jahren besiedelt haben.
Im Vergleich erscheint ein über 7.000 Jahre alter Brunnen gar nicht mal alt – und doch ist er die wohl älteste Holzkonstruktion der Menschheitsgeschichte.
Entdeckt wurde er bereits 2018, und zwar in keinem allzu fernen Land: Bei einem Autobahnbau in der Tschechischen Republik stießen Bauarbeiter auf den verfallenen Bau.
Warum das interessant ist? Es markiert einen wichtigen Punkt in der Menschheitsgeschichte. Außerdem haben die Archäologen eine Technik zum Bestimmen des Alters angewendet, die jeder von uns kennen dürfte.
Was ist das für ein Brunnen?
Auf den ersten Blick ist der gar nicht mehr als solcher zu erkennen, aber seht selbst:
Nachstehend ein paar wichtige Daten zum Brunnen gemäß dem Artikel im Journal of Archaeological Science.
- Fundort: Ostrov
- Grundfläche: 80 x 80 Zentimeter
- Höhe: 140 Zentimeter
- Holzart: Eiche
- Alter: 5256/5255 vor Christus
Überrascht waren die Forscher vor allem von der strukturellen Präzision des Brunnens. In der Jungsteinzeit bestanden Werkzeuge vor allem aus Stein, Knochen, Horn und Holz.
So wurde das Alter des Baus bestimmt
Die Forscher nutzten sogenannte Dendrochronologie – oder einfacher ausgedrückt: Sie zählten die Ringe des Eichenholzes.
Ganz so einfach ist es aber nicht, denn die Ringe zählen nur zum Zeitpunkt des Baumfällens. Eine wichtige Rolle spielen Abstände der Ringe zueinander sowie der Vergleich mit bekannten Mustern.
Dabei kamen sie zum Schluss, dass das Holz, aus dem der Brunnen besteht, zwischen 5266 und 5255 vor Christus geschlagen worden sein musste. Das war vor ungefähr 7.275 Jahren.
Dabei stießen die Wissenschaftler auf zwei interessante Fakten:
- Zwei der Holzstämme sind älter als der Rest. Das lässt den Schluss zu, dass das Baumaterial für den Brunnen vorher für etwas anderes genutzt wurde.
- Eine der Holztafeln ist deutlich älter als die anderen. Das deutet darauf hin, dass der Brunnen möglicherweise nachträglich repariert wurde, was für die damalige Zeit eher ungewöhnlich war.
Der Erhaltungszustand des Brunnens war dank des feuchten Untergrunds und der Konservierung mit Saccharose möglich. So kam wenig Luft an das Gebilde und die Temperatur blieb weitestgehend stabil, wodurch der Verfall stark verlangsamt wurde.
Verfallen ist allerdings die Titanic, die 1912 sank. Ein Scan hat jetzt neue Informationen zutage gefördert.
Sollte sich bestätigen, dass der Brunnen von Ostrov tatsächlich das älteste Holzbauwerk der Welt ist, könnte dies das bisherige Verständnis über die Fähigkeiten früherer europäischer Völker grundlegend verändern.
Bei fachgerechter Konservierung könnte der Fund eines Tages öffentlich ausgestellt werden und zu einem der bedeutendsten Relikte der europäischen Urgeschichte werden.

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