Ein clever platzierter Airtag führt Journalisten zu einem versteckten Amazon-Warenhaus. Dort werden unzählige Bücher abgeliefert, um sie dann nie wieder zu verlassen

Ein AirTag-Experiment von 404 Media deckt auf: Amazon betreibt ein geheimes Warenhaus, das alte Bücher für KI-Trainingsdaten scannt und danach vernichtet.

Amazon kauft laut eines Berichts viele Bücher auf, um sie für das KI-Training zu nutzen. (Bildquelle: Amazon) Amazon kauft laut eines Berichts viele Bücher auf, um sie für das KI-Training zu nutzen. (Bildquelle: Amazon)

Amazon ist weltweit als einer der größten Versandhändler bekannt, der täglich Millionen von Büchern bis an die Haustür liefer - doch was passiert, wenn die Reise der Literatur in die exakt entgegengesetzte Richtung verläuft?

Um das herauszufinden, haben Journalisten des US-Tech-Portals 404 Media ein Paket mit seltenen Büchern mit einem Apple AirTag ausgestattet und auf die Reise geschickt.

Die digitale Schnitzeljagd führte sie zu einer unscheinbaren Amazon-Halle, aus der keine Pakete an Kunden gesendete werden. Stattdessen werden Bücher dort von Amazon massenhaft digitalisiert, um Amazons künstliche Intelligenz mit neuen Informationen zu füttern. Oft endet der Prozess dabei mit der vollständigen Zerstörung der Originale.

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Die Reise des Peilsenders: Von der Postfiliale bis zum Amazon-Lager

Um Amazon auf die Schliche zu kommen, fügten Reporter von 404 Media einer Sendung teils seltener Bücher einen Apple AirTag hinzu und sendeten sie an Amazon.

Die Tage-dauernde Reise des Pakets konnte online über eine ganze Reihe von Logistikzentren und Verteilernetzen verfolgt werden, bis schlussendlich das Ziel erreicht wurde. Es war kein gewöhnliches Verteilzentrum für Endkunden, sondern eine spezialisierte Anlage, die auf den ersten Blick wenig mit dem klassischen E-Commerce-Geschäft des Konzerns zu tun hat.

Die Recherchen der Journalisten ergaben: Hier enden Bücher nicht in den Regalen von Lesern, sondern als Lesefutter für den unstillbaren Durst nach Daten von Amazons KI.

Gekaufte Literatur dient nur einem Zweck

Um gigantische Sprachmodelle (Large Language Models) effizient zu trainieren, benötigt künstliche Intelligenz riesige Mengen an qualitativ hochwertigen Texten. Bücher gelten hierbei als eine der wichtigsten Quellen.

Da das manuelle Scanne der Bücher zu lange dauern würde, bedient sich Amazon der Technik des »destruktiven Scannens«. Hierbei wird der Buchrücken entfernt, um die dann losen Blätter mit Hochleistungsscanner zu digitalisieren. Die Buchreste werden nach dem Prozess entsorgt.

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KI-Branche kauft Antiquariate leer

Laut einer Recherche des WDRs sollen KI-Firmen allein in Deutschland geschätzt 700.000 Titel gekauft und in die USA zum Scannen geschickt haben. Weltweit soll die Zahl bei rund drei Millionen Exemplaren liegen.

Gekauft werden vor allem Fach- und Sachbücher, die oftmals längst vergriffen sind. Laut dem Bericht ist die Praxis zwar auch in den USA umstritten, dort aber wohl legal, nachdem ein US-Bundesrichter diese für rechtens erklärt hatte: »Wer ein Buch legal kauft, darf es zerschneiden, scannen und den Text für das KI-Training nutzen«.


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