80,7 Milliarden US-Dollar Minus bei Anthropic: KI-Kosten allein erklären den Rekordverlust nicht

Laut dem Anthropic-Börsenentwurf macht das KI-Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar – 90 Prozent davon sind reine Bewertungseffekte.

Anthropic meldet laut S-1-Entwurf 80,7 Milliarden Dollar Verlust – was bei Weitem nicht an Computing-Kosten liegt. (Quelle: Dilok via Adobe Stock Anthropic) Anthropic meldet laut S-1-Entwurf 80,7 Milliarden Dollar Verlust – was bei Weitem nicht an Computing-Kosten liegt. (Quelle: Dilok via Adobe Stock / Anthropic)

Wer in den USA an die Börse will, reicht ein Registrierungsdokument namens S-1 ein – darin legt ein Unternehmen seine Finanzen und Risiken offen. Die Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 aus Anthropics Entwurf sind seit dem 20. Oktober bekannt, die das Wall Street Journal und Reuters eingesehen haben.

  • Dieser Entwurf weist für das erste Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden US-Dollar aus – laut dem WSJ ist das einer der größten je gemeldeten Halbjahresverluste.
  • Im Vorjahreszeitraum waren es noch »nur« 13 Milliarden US-Dollar an Verlust; im gesamten Jahr 2025 hingegen rund 42 Milliarden US-Dollar.

Rechenzentren und Chips liegen als Erklärung nahe, sollte man meinen. Doch die knapp 9 Milliarden US-Dollar für Computing und Infrastruktur machen nur gut ein Zehntel des Verlusts aus: Der größte Teil entfällt stattdessen auf einen bilanziellen Bewertungseffekt (via Wall Street Journal).

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72 Milliarden US-Dollar Bewertungseffekt

Anthropic hat sich unter anderem über Wandelanleihen und ähnliche Instrumente finanziert. Bei Wandelanleihen handelt es sich um Schuldverschreibungen, die Geldgeber später in Aktien tauschen dürfen.

Solche Papiere stehen mit ihrem »Fair Value« (dem geschätzten aktuellen Wert) in der Bilanz. Legt dieser Wert zu, verbucht das Unternehmen die Differenz als Verlust.

  • Reuters zufolge beläuft sich diese Belastung im Halbjahr auf 72 Milliarden US-Dollar – laut dem Dokument handelt es sich um einen reinen Buchungsposten, nicht um Ausgaben aus dem laufenden Betrieb.
  • Schon 2025 stammte der Großteil des 42-Milliarden-Verlusts aus einer ähnlichen Belastung; parallel zur steigenden Firmenbewertung hatte sich der geschätzte Wert der Papiere binnen Jahresfrist verdreifacht.

Der Umsatz stieg dem Entwurf zufolge von 1,1 auf 16,3 Milliarden US-Dollar; die Ausgaben für Rechenleistung von 2,3 auf knapp 9 Milliarden US-Dollar.

Das Gesamtjahr 2025 ist damit schon übertroffen – damals standen 7,3 Milliarden US-Dollar an Computing-Ausgaben einem Umsatz von 4,6 Milliarden US-Dollar gegenüber. Den operativen Verlust des Vorjahres beziffert Reuters übrigens auf rund 8,1 Milliarden US-Dollar.

  • Rechnerisch bleiben vom Nettoverlust nach Abzug der 72 Milliarden aus den Wandelanleihen rund 8,7 Milliarden übrig. Darin steckt laut dem WSJ neben dem operativen Verlust auch ein eigener Posten für sonstige Aufwendungen, den der Bericht nicht aufschlüsselt.

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Cloud-Zusagen in dreistelliger Milliardenhöhe

Die knapp 9 Milliarden US-Dollar für Rechenleistung im Halbjahr dürften dabei indes bloß der Anfang sein: Anthropic hat sich dem WSJ zufolge zu rund 450 Milliarden US-Dollar an überwiegend nicht kündbaren Cloud-Verträgen über sieben bis zehn Jahre verpflichtet – darunter 31 Milliarden US-Dollar bei Microsoft, 110 Milliarden US-Dollar bei Amazon Web Services und 111 Milliarden US-Dollar bei Google.

Auch bei den Anlegern ist das Thema angekommen. Reuters zufolge hat Anthropic Investoren mitgeteilt, im dritten Quartal 2026 16,8 Milliarden US-Dollar umgesetzt zu haben – also 45 Prozent mehr als im zweiten Quartal. Auf bereinigter Basis hat das Unternehmen zudem Gewinn gemacht; wie diese Bereinigung aussieht, nennt der Bericht aber nicht.


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